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Wolf Haas: Wackelkontakt

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Der 1960 in Maria Alm im Salzburger Land geborene Schriftsteller Wolf Haas ist vor allem mit seinen Romanen um den ehemaligen Inspektor und späteren Privatdetektiv Simon Brenner berühmt geworden. Neun Brenner-Krimis sind mittlerweile erschienen. Mit seiner unverwechselbaren Mischung aus lakonischem Witz, Wiener Schmäh und anarchischen Plots ist Haas nicht nur zum Kultautor geworden, sondern hat auch zahlreiche Literaturpreise erhalten.

2023 überraschte Haas mit seinem bis dahin wohl persönlichsten Buch, dem Roman „Eigentum“, einer Abschieds- und Erinnerungssuada an seine Mutter. „Eigentum“ war ein raffinierter Text, in dem sich einer die Trauer vom Leib hält. Und was kommt nun? Eine literarische Versuchsanordnung, selbstverständlich wieder über einen Menschen, der mit dem Leben nicht wirklich zurechtkommt und in seinen sozialen Kontakten auf vielfältige Weise zu wackeln anfängt.

Franz Escher ist von Beruf Trauerredner und hat ein Faible für großformatige Puzzles. Auch ein Versuch, sich die Welt nach eigenen Maßstäben neu zusammenzusetzen. Escher sitzt in seiner Wohnung und wartet auf den Elektriker, der eine defekte Steckdose in seiner Küche reparieren soll.

Eschers zweite Leidenschaft: Sachbücher. Während er wartet, liest er ein Buch über einen inhaftierten ehemaligen Mafia-Killer, der in Italien in einer Zelle sitzt. Der Killer greift zu einem Buch. Darin wartet ein Trauerredner namens Franz Escher auf den Elektriker und liest währenddessen ein Buch. So geht es immer weiter. Die Geschichten spiegeln sich und schreiben sich gegenseitig fort. Und sie greifen ein in die Wirklichkeit. Wenn es die überhaupt gibt.

Buchkritik Wolf Haas – Eigentum

Der Brenner-Autor einmal ganz andres, Wolf Haas` bisher persönlichstes Buch – eine Mutterschelte, ein Mutterlob und zugleich ein Roman darüber, ob man über das Leben wirklich schreiben kann. Rezension von Frank Hertweck.
Hanser Verlag, 160 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-446-27833-2

Diskussion über vier Bücher SWR Bestenliste Februar mit Büchern von Samantha Harvey, Julia Schoch, Jonas Lüscher und Wolf Haas

Über den Wolken und durch die Jahrhunderte: Meike Feßmann, Julia Schröder und Paul Jandl diskutierten vier auf der SWR Bestenliste im Februar verzeichnete Werke, die von berauschenden und bedrückenden Reisen handeln. Zunächst ging es um den mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey in der deutschen Fassung von Julia Wolf, in dem sechs Astronauten auf einer Raumstation durchs Weltall schweben und ihr Verhältnis zur bedrohten Mutter Erde neu justieren (Platz 4).
Besprochen wurde in der ausverkauften Mediathek in Bühl Julia Schochs Abschluss ihrer Trilogie, die mit „Biographie einer Frau“ überschrieben ist und auf Platz 3 der Februar-Bestenliste steht: Nach „Das Vorkommnis“ und „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ heißt der dritte Teil der autofiktionalen Romanreihe „Wild nach einem wilden Traum“, in welchem es um die Erinnerung an eine Affäre und die Entscheidung der Erzählerin geht, Schriftstellerin zu werden.
Auf Platz 2 wird auf der Bestenliste im Februar der neue und vieldiskutierte Roman von Jonas Lüscher gelistet: „Verzauberte Vorbestimmung“ heißt das Werk, das einerseits ein Post-Covid-Roman ist und andererseits das angespannte Verhältnis von Mensch und Maschine in unterschiedlichsten Epochen reflektiert.
Der Spitzenreiter der Bestenliste im Februar ist der neue Roman „Wackelkontakt“ von Wolf Haas. Darin wird zunächst von einem Trauerredner namens Franz Escher erzählt, der auf einen Elektriker wartet und einen Roman über einen Mafioso liest. Schon bald geht es aber auch um einen Mann im Zeugenschutzprogramm, der sich die Zeit mit einem Buch vertreibt, in dem wiederum der Trauerredner Escher auf den Elektriker wartet. Der Text ist ein Prosa-Labyrinth, das an die unmöglichen und unendlichen Gemälde des niederländischen Grafikers M.C. Escher erinnert. Jury und Publikum waren gleichermaßen amüsiert.
Aus den vier Büchern lasen Isabelle Demey und Dominik Eisele. Durch den Abend führte Carsten Otte.

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SWR