Im Comic-Projekt „Immer alles anders“ stellt Dominik Wendland die Hauptfigur vor ständig neue Herausforderungen. Was anfangs spielerisch beginnt, weitet sich zu einem Zwang ständiger Selbstoptimierung und Anpassung aus. Ein „atemloser“ Comic, der durch seine Originalität und Farbigkeit besticht. Mit dem Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung in Höhe von 25.000 Euro werden Vorhaben bis zur Fertigstellung unterstützt und im kommenden Jahr veröffentlicht.
Eine Geschichte, in der sich die Hauptfigur nicht festlegen lässt
Schon ein paar Male hat sich Dominik Wendland für den Comicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung beworben und sich daher innerlich bereits für eine Absage gewappnet. Sympathisch tiefgestapelt, denn Dominik Wendland hat in der Comic-Szene einen Namen.

Schon die Debüt-Graphic-Novel Tüti über das aufregende Leben einer Plastiktüte wurde auf dem Comic Salon Erlangen 2018 für den besten deutschsprachigen Comic nominiert. Darin liegt ein freundlich empfindsamer Ton, der sich auch in dem neuen Werk „Immer alles anders“ andeutet. Eine Geschichte, in der sich die Hauptfigur nicht festlegen lässt, die sich in Größe, Geschlecht und Form ständig verändert.
Im Laufe des Comics kommt sich die Hauptfigur gänzlich abhanden
Am Anfang des Buches passiere das noch ganz spielerisch, erzählt Dominik Wendland, der Figur mache es Spaß, in diese unterschiedlichen Rollen zu schlüpfen, doch „dann ändert sich das im Laufe der Geschichte, verschiebt sich das immer weiter von einer intrinsischen in eine extrinsische Motivation. Anstatt dass das aus der Figur herauskommt, wird das immer stärker von außen erwartet, also diese Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die Situation.“
Unter dem Druck sozialer Normen und gesellschaftlicher Anforderungen stolpert die Hauptfigur von einer Episode in die nächste und verliert dabei nicht nur Kontur. Sie kommt sich selbst gänzlich abhanden. Was früher noch Freude bereitet hat, ist jetzt nur noch Qual.

Abstrahierte, sehr reduzierte bilder, die durch ihre Farbigkeit bestechen
Dominik Wendland entwirft keine realen Figuren, sondern abstrahierte, sehr reduzierte Bilder, die durch ihre Farbigkeit bestechen. Wort und Text entstehen dabei immer parallel und ohne größere Vorarbeiten. Den Plan hat Dominik Wendland vor allem im Kopf.
Seine Zeichnungen seien analog gemacht, ohne Vorzeichnungen mit Bleistift, erzählt Dominik Wendland: „Ich gehe direkt mit der Tusche aufs Papier drauf und versuche, jede Doppelseite für sich zu entwickeln. Das ist ein etwas experimenteller Ansatz, aber dafür passieren dann manchmal auch Dinge, mit denen ich selber nicht gerechnet habe, die die Geschichte um ein Maß bereichern, um das ich es selber auch nicht planen könnte. Und das finde ich auch sehr schön.“
Die eine oder andere Seite landet auch schon mal im Papierkorb
Dann ist es auch völlig ok, wenn die eine oder andere Seite am Ende im Papierkorb landet. Aber der Großteil des Comicprojekts ist ohnehin schon geschafft. Nächstes Jahr wird der Band erscheinen und es wird spannend sein zu sehen, ob die Hauptfigur Dominik Wendlands einen Ausweg aus der Spirale des Sich-Ständig-Neu-Erfindens gefunden hat.
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