Diskutiert auf Platz 2 der SWR Bestenliste Februar 2025
Wie sagte es einmal ein kluger Mensch im Zusammenhang mit Literatur? „Das Thema ist nicht der Inhalt eines Romans.“ Die Bücher des Schweizer Schriftstellers Jonas Lüscher lassen sich nicht auf einen Plot reduzieren. Schon die Frage nach dem erzählerischen Kern ist eine Herausforderung. Das gilt auch und erst recht für seinen neuen Roman.
Auf die Frage, ob man das Buch nacherzählen könne, antwortet Lüscher in einem Interview: „Ja, natürlich kann man die Handlung nacherzählen. Vielleicht nicht in Art eines Elevator Pitch, also in der Zeit, in der ein Fahrstuhl ein paar Stockwerke überwindet, aber mit etwas mehr Zeit geht das schon. Die Frage ist eher, ob man diesem Roman damit gerecht wird, ob es nicht viel mehr um die Zusammenhänge geht, darum, in welchem Verhältnis die verschiedenen Erzählstränge zueinanderstehen.“
Ihm sei es darum gegangen, so Lüscher, etwas zu erzählen über Menschen und ihr Verhältnis zur Technik. Ein Motiv, das auch einen sehr persönlichen Hintergrund hat, so Lüscher: „Die Arbeit an dem Buch wurde von meiner schweren Coronaerkrankung unterbrochen, ich lag für sieben Wochen an diverse Maschinen angeschlossen im Koma. Es wäre intellektuell nicht redlich, danach ein Buch über Mensch-Technik-Beziehungen zu schreiben, ohne zuzugeben, dass man sein Überleben nur der Technik zu verdanken hat, und ohne darüber nachzudenken, was es mit einem macht, wenn man einige Zeit als Cyborg gelebt hat.“
Wer oder was kommt also vor? Ein algerischer Soldat, der in einen Giftgasangriff hineingerät. Ein böhmischer Weber, der durch einen automatisierten Webstuhl ersetzt wird. Menschen, Maschinen, Kapitalismus. Alle verbunden durch unsichtbare Fäden.