„Camera obscura“ heißt die neue Choreografie von Philippe Kratz. Der langjährige Tänzer der italienischen Vorzeigekompanie Aterbaletto hat sich am Mainzer Staatstheater mit dem Thema der täglichen Informationsflut beschäftigt.
Eine Videoprojektion auf dem Kopf
Die Bühne ist ein dunkler Raum. An zwei Seiten sind Stellwände schräg aufgestellt. Dadurch wird der Blick verengt, so dass man den Eindruck hat, man ist mittendrin. Mitten in der Camera Obscura.
In einem Hohlkörper, in den durch ein kleines Loch Licht fällt und ein seitenverkehrtes umgekehrtes Bild erzeugt wird. Und so stehen die 14 Tänzer und Tänzerinnen des Ensembles „tanzmainz“ erstmal alle auf dem Kopf, als Videoprojektion.

Ihr Gegenüber ist das echte Ensemble in gleichen Positionen, nur mit den Füßen auf dem Boden. Der Lichtkegel, der durch das Loch auf die Bühne fällt, ist während des ganzen Stücks entscheidender Faktor.
Die Musik überrollt die Tänzer
Die Musik für die Choreografie stammt von dem Berliner Komponisten Jonas Friedlich. Sie hat einen zuweilen sehr treibenden Charakter, auf der anderen Seite setzt sie auf sich wiederholende Sequenzen.
Beides führt dazu, dass die Musik die Tänzer regelrecht überrollt. So oder so ähnlich hat man zeitgenössischen Tanz schon oft gesehen. Die Bewegungsmuster könnte Philippe Kratz noch etwas stärker mit einer persönlichen Handschrift prägen.
Das Talent von Philippe Kratz wird deutlich
Trotzdem kristallisieren sich immer wieder starke virtuose Sequenzen heraus, die das Talent von Philippe Kratz deutlich machen und die auch inhaltlich eine Bedeutung vermuten lassen.

Langanhaltender Applaus in Mainz
Insgesamt ist das Thema der „Camera obscura“ für eine Choreografie gut gewählt und trägt problemlos den einstündigen Theaterabend, was das Publikum des ausverkauften Mainzer Staatstheaters mit langanhaltendem Applaus belohnt.

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