Der Klimawandel als weltweites Sicherheitsrisiko: Der dänische Star-Regisseur Thomas Vinterberg hat daraus eine Serie gemacht. Der Staat Dänemark steht darin buchstäblich vor dem Untergang wegen des steigenden Meeresspiegels, und alle Dänen sollen ihr Land verlassen.
Dänemark: Hyggelig, gemütlich und am Untergehen
Dänemark gilt bei vielen als Insel der Glückseligen. Hyggelig gemütlich und sicher. Weil vor allem die Dänen auch wollen, dass das so bleibt, kontrollieren sie ihre Grenzen schon seit Jahren so scharf wie es sich hierzulande einige erträumen. In der Serie „Families Like Ours“ lässt sich die Natur aber nicht aufhalten.
Im dänischen Außenministerium sickert durch, dass das Land den steigenden Meeresspiegel wohl nicht mehr kompensieren kann. Der hochrangige Mitarbeiter Nicolaj warnt verbotenerweise Freunde und Familie, sich selbst und ihr Vermögen noch so gut es geht zu retten.
Der Klimawandel wird begreifbar
Nicolajs Schwager Jakob ist Architekt und versucht noch sein Haus zu verkaufen, als sich an der Schule seiner Tochter Laura wie im ganzen Land die Nachrichten überschlagen. Der Klimawandel wird begreifbar, weil er nicht wie in Katastrophenfilmen üblich apokalyptisch hereinstürzt, sondern sich fast unaufgeregt ereignet: da steht das Wasser mal auf Äckern, oder kommt durch einen Gullydeckel hoch.
Und die Serie spielt mit der Idee, wie in der Situation der Exodus eines europäischen Landes vonstatten gehen könnte. Panik oder Unruhen sieht man wenig, Politik schwappt nur über gelegentliche Nachrichten hinein. Das kann man als Kunstgriff oder Realitätsferne kritisieren.

Regisseur Thomas Vinterberg erkundet seine Figuren mit einem wunderbaren Cast
Aber das Hauptaugenmerk von Thomas Vinterberg gilt seinen Protagonisten: vor allem der Patchworkfamilie von Laura, die immerhin einen Studienplatz in Paris in Aussicht hat. Für ihre leibliche Mutter wird es dagegen schwieriger. Und dann verliebt sich Laura kurz vorher noch in ihren Klassenkameraden Elias, was ihr Halt gibt und sie gleichzeitig aus der Bahn wirft.

Was löst das alles in den Menschen aus: der Verlust der Heimat, ein plötzlicher Aufbruch ins Ungewisse, ohne Arbeit, in Länder, die ihrerseits strenge Flüchtlingsgesetze erlassen haben? Mit einem wunderbaren Ensemble mit Esben Smed, Paprika Steen oder Amaryllis August erkundet Thomas Vinterberg, wie sich Menschen in Krisen verhalten, wie sie auseinander driften und wieder solidarisch zusammen finden.
Anrührende Liebeserklärung an Dänemark und seine Menschen
Thomas Vinterberg hat vor 30 Jahren mit dem ersten Dogma-Film „Das Fest“ und später mit dem Oscargewinner „Der Rausch“ Kinogeschichte geschrieben. Mit der Serie „Families Like Ours“ bleibt er einer Bildsprache treu, die sich ganz aus den Figuren entwickelt, nichts übertreibt und beispielsweise Musik oder Stille bewusst als dramaturgisches Mittel einsetzt.
Seinem Land und dessen rigider Flüchtlingspolitik hält er den Spiegel vor, gleichzeitig formuliert er eine anrührende Liebeserklärung an die Menschen, ihre Sprache und eine europäische Kultur des Miteinanders. Wo sie in der Lage sind, alte Ideen von Wohlstand und bürgerlicher Vereinzelung hinter sich zu lassen, werden Beziehungen, Familien, Gruppen zu Inseln die einem den Boden unter den Füßen wiedergeben können.
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