Ab Sonntag gibt die 31. Vesperkirche in Stuttgart sieben Wochen lang Essen für Bedürftige aus. Neben dem wollen die Verantwortlichen mit einem vielfältigen Programm Raum schaffen für Gespräche und Teilhabe.
31. Vesperkirche Stuttgart will Bedürftige auch sozial unterstützen
Rund um das warme Mittagessen gibt es eine Vielzahl von Angeboten, um sich zu begegnen, erklärt Pfarrerin Gabriele Ehrmann. Sie organisiert die Vesperkirche. Viele der Gäste würden sich freuen, alte Bekannte aus dem Vorjahr wieder zu treffen. Aber auch neue Gäste heißt Gabriele Ehrmann willkommen.
Der Austausch dabei sei oft bereichernd. Durch die vielfältigen Persönlichkeiten würde man viel aus Gesprächen mitnehmen. Damit soll die Vesperkirche vom 19. Januar bis zum 8. März ein Ort des Dialoges werden. Laut Pfarrerin Ehrmann sind sieben Diakoninnen und Diakone seelsorgerisch und beratend tätig. Sie sollen dort helfen, wo Unterstützung oder eine Ansprechperson gesucht werde. Für Gabriele Ehrmann ist die Vesperkirche darum auch ein sozialer Lernort, an dem Freundschaften und Gemeinschaft wachsen können.
Großes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Begegnung Vesperkirche Stuttgart endet: 36.000 Essen ausgegeben
Am Samstag ist die Stuttgarter Vesperkirche zu Ende gegangen. Den Machern zufolge war die Nachfrage dieses Jahr besonders groß. Landwirtschaftsminister Özdemir hat auch die Lebensmittelretter von "Harrys Bude" besucht.
Armut in Stuttgart wächst: Rund 60.000 Menschen sind auf Hilfe angewiesen
Die Vesperkirche Stuttgart richte sich laut Gabriele Ehrmann vor allem an Menschen mit kleinem Geldbeutel, an Bürgergeld-Empfangende, an Senioren und an wohnungs- oder obdachlose Menschen. Sie alle sollen in der Vesperkirche versorgt werden. Denn in Stuttgart wächst die Armut. Insgesamt geht Gabriele Ehrmann davon aus, dass pro Tag mindestens rund 600 Essen an Bedürftige verteilt werden, vielleicht auch mehr. Vergangenes Jahr hat die Vesperkirche insgesamt schätzungsweise 36.000 Essen ausgegeben.
Wie viele Menschen in Stuttgart auf die Angebote der Vesperkirche angewiesen sind, lässt sich grob beziffern. Laut einem Bericht der Stadt Stuttgart müsste rund ein Fünftel der Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben. Laut der Tafel Stuttgart würden rund 60.000 Menschen der Stadt an der Armutsgrenze leben. Knapp 4.000 Menschen sind wohnungs- oder obdachlos.
Für das Youtube-Format "SWR Aktuell 360 Grad" hat Leonie Maderstein sich die Gegensätze zwischen Arm und Reich in Stuttgart angeschaut:
Pfarrerin: Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel ermöglichen
Neben einer warmen Mahlzeit können Bedürftige auch andere soziale Angebote nutzen, so Pfarrerin Ehrmann. An der sogenannten "Straßen-Universität Stuttgart" werde auf niederschwellige Art und Weise Wissen vermittelt, unabhängig vom Geldbeutel. Organisiert wird die "Straßen-Universität Stuttgart" vom Sozialunternehmen "Neue Arbeit".
Bei der Vesperkirche soll niemand wegen Geld ausgeschlossen werden, so Gabriele Ehrmann. Darum biete man auch vermeintlich alltägliche Dinge wie einen Friseurtermin an. Wer medizinisch versorgt werden müsse, kann jeden Tag ein Team aus Ärztinnen und Ärzten ansprechen. Auch für Haustiere sei ein Tierarzt vor Ort. Daneben soll es jeden Sonntag von 16 bis 17 Uhr ein Konzert von Ehrenamtlichen geben.
30 Jahre Vesperkirche Die Armut in Stuttgart wächst: Immer mehr Menschen brauchen Hilfe
Die Vesperkirche ist aus Stuttgart nicht mehr wegzudenken. Seit 30 Jahren gibt es in der Leonhardskirche warmes Essen und gemütliches Miteinander - und das ist wichtiger denn je.
Bundestagswahl ist auch in der Vesperkirche ein Thema
Rund drei Wochen vor der Bundestagswahl am 23. Februar soll in der Vesperkirche auch über Politik gesprochen werden. Dafür sei dieses Jahr zum ersten Mal das "Demokratie-Bike" vor Ort. Demokratie-Fahrrad ist ein mobiler Stand mit Flyern und Infomaterial. Angeboten wird das von der "Neuen Arbeit".
Hier wolle man kostenlose politische Bildung anbieten und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Ziel sei es dafür zu werben, wählen zu gehen. Mitarbeitende vor Ort unterstützen dabei, die Wahlprogramme der einzelnen Parteien zu verstehen.
Halbzeitbilanz der Wohnungsvermittlung Projekt "Housing First" in Stuttgart holt Obdachlose von der Straße
Das Modellprojekt "Housing First" vermittelt Wohnungen an Obdachlose und Wohnungslose. Mittlerweile sind 25 der geplanten 50 Mietverträge unterschrieben. Wie geht es weiter?
Angebot ist auf mehrere Standorte verteilt
Um das Angebot möglichst leicht zugänglich zu machen, gibt es mehrere Standorte in Stuttgart, so Pfarrerin Ehrmann. Neben dem Hauptstandort, der Leonhardskirche in der Stuttgarter Innenstadt, werde es unter der Stuttgarter Paulinenbrücke und bei der Tagesstätte für wohnungslose und arme Menschen "Olga46" weitere Standorte geben.
Idee kam aus Stuttgart: Jetzt fast 50 Vesperkirchen in ganz BW
Vesperkirchen gibt es in ganz Baden-Württemberg. Laut der Website der Diakonie sind in insgesamt 46 Gemeinden Vesperkirchen geplant.
Die erste Vesperkirche hat 1995 in Stuttgart ihre Türen in der Leonhardskirche geöffnet. Die Ursprungsidee hatte damals der Diakoniepfarrer Martin Friz.