Reportage

85. Geburtstag des Schrifstellers Uwe Timm

Stand

Von Autor/in Eberhard Falcke

Uwe Timm gilt als literarischer Chronist der Bunderepublik und ihrer Vorgeschichte und als kritischer Beobachter seiner Zeit. Nun feiert der Schriftsteller seinen 85. Geburtstag.

Es fällt nicht sogleich ins Auge und wurde bisher eher selten bemerkt: Aber auch das Glück spielt im Werk von Uwe Timm eine entscheidende Rolle. Gewiss mag das überraschen bei diesem Schriftsteller der sich so oft mit den finsteren Momenten der jüngeren deutschen Vergangenheit auseinandergesetzt hat.

Ja, es ist eine katastrophische Geschichte, und deshalb ist auch einer dieser Hauptmomente in der neueren deutschen Geschichte eben dieses Kriegerische, das weitgehend auch die Mentalität geprägt hat.

Glücksmomente - trotz alledem

Trotzdem leuchtet das Glück in vielen seiner Erzählwerke auf, zumindest für kurze Augenblicke. Sogar in dem düsteren Roman „Morenga“ über den kolonialistischen Völkermord in Südwestafrika gibt es Glücksfälle der Mäßigung und besseren Einsicht. In „Heißer Sommer“, dem Roman über die Studentenbewegung erfährt der Held im politischen Handeln das Glück der Solidarität. Und gleich mehrere Glückserfahrungen macht die Heldin der Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ in den Wirren am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Fast ein Nachkriegskind

Glück hatte auch Uwe Timm selbst schon in seinen ersten Anfängen, nämlich mit dem Geburtsjahr 1940. Denn damit war er durch sein kindliches Alter gefeit gegen Irrwege wie die seines älteren Bruders, dessen Schicksal als SS-Soldat er später in einer Erzählung schilderte. Allerdings hatte auch der kleine Uwe sein Schlüsselerlebnis mit der Nazi-Diktatur:

„Also mir hatte man gerade beigebracht, die Hacken zusammen zuschlagen und Heil Hitler zu sagen. Und plötzlich sagte man mir, das darfst du nicht machen. Und dieser Bruch ist auch so ein Erlebnis, wie Autorität plötzlich sich veränderte und zusammenbrach."

Die Gegnerschaft zum Autoritarismus wurde zu einem Zentralmotiv in Uwe Timms Leben und Werk. Die Vollendung seiner persönlichen Bildungsgeschichte gelang ihm in nur zehn Jahren, von den Anfängen als Hamburger Kürschnersohn, der für eine Weile dem Vater im familiären Handwerksbetrieb nachfolgte, über den promovierten Jung-Akademiker bis zum politisch engagierten Schriftsteller.

Timm erzählt: „Das ist dann ein Prozess gewesen durch die Studentenbewegung, dass ich mich auch politisiert habe. Politisiert meine ich jetzt nicht in der Bedeutung von Parteipolitik, sondern dass man so einen schärferen Blick für gesellschaftliche Probleme bekommt."

Der Blick für gesellschaftliche Probleme

Mit diesem geschärften Blick für gesellschaftliche aber auch historische Probleme fand er dann die Themen für sein umfangreiches Werk von Erzählprosa, Essayistik, Hörspielen und Drehbüchern. Dieses Werk ist ein Dokument und Spiegel deutscher Zeitgenossenschaft.

Und oftmals geht es darin nicht nur um die bare Wirklichkeit, sondern auch darum, den Gedanken an ihre Veränderung wach zu halten, wie Uwe Timm in einem Telefoninterview mit dem SWR betonte: „Ja, ich denke Literatur tut das auch, dieses utopische Denken als Gegenwirklichkeit hat sie als Thema geradezu.

Das ist eben die große Leistung von Literatur, dass sie das kann auch wenn sie die Dystopie beschreibt, also die Katastrophe beschreibt, dass da immer auftaucht der Konterpart, das heißt dass es eine andere friedliche Welt gibt, die auch glückverheißend ist."

Obwohl sich derzeit die Dystopien bedrohlich vermehren, ist es Uwe Timm zum 85. Geburtstag zu wünschen, dass ihm sein ermutigender Sinn für das Utopische erhalten bleibt.

Platz 3 (51 Punkte) Uwe Timm: Alle meine Geister

Uwe Timm beginnt als Teenager eine Lehre in einer Kürschnerei. Dort bildet sich in ihm die Fähigkeit zu präzisem Handwerk aus. Der Roman ist auch als Aufbruchsgeschichte zu lesen. Politik, Jazz, Frauen – all das erzählt Timm auf ruhige, souveräne Weise.

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Eberhard Falcke