Deshalb sollten wir den Tod mit anderen Augen sehen | Judith Brauneis | Leichenpräparatorin und Trauerbegleiterin
Der Tod ist mein Leben.
Der Tod als Beginn einer neuen Sichtweise auf das Leben
Judith Brauneis – alias "Frollein Tod" – hat täglich mit Verstorbenen und ihren Angehörigen zu tun. Sie seziert Leichen und findet heraus, an welchen Krankheiten die Menschen gestorben sind. Die Ursachen findet Brauneis in der Pathologie der TU München immer. Und das hilft zum einen den Ärzt:innen, aber vor allem auch den Angehörigen.
Das reizt Judith Brauneis am Job in der Pathologie
Der große Wunsch von Judith Brauneis war es immer, etwas sinnvolles zu tun und anderen zu helfen. Auch deshalb bildete sie sich zur Trauerbegleiterin weiter. Ihr Job erfüllt sie nach vielen Jahren immer noch.
...weil ich da mit Menschen zusammen bin, in erster Linie mit Toten: Das ist schön, die machen keinen Stress. Aber auch viel mit Trauernden: Das ist zwar sehr fordernd, aber dadurch, dass ich mit ihnen sprechen und hoffentlich ein bisschen helfen und mich kümmern kann, gibt mir das auch ein gutes Gefühl. Sie sind wahnsinnig dankbar und das erfüllt mich einfach, wenn ich das Gefühl habe, es ist jemandem ein bisschen besser gegangen, weil er bei mir war.
Beschäftigung mit Tod und Trauer auch aus eigener Erfahrung
Die Leichenpräparatorin und Trauerbegleiterin hat selbst auch schon früh in ihrem Leben Angehörige verloren. Zuerst die Urgroßeltern, später die Großeltern. Bis heute wirft sie sich vor, in den letzten Stunden des Lebens ihrer Großmutter nicht bei ihr gewesen zu sein. Verzeihen werde sie sich das nie, sagt sie heute.
Aber andererseits ist diese Trauer meine letzte Verbindung zu ihr, die möchte ich nicht abgeben, das gehört zu uns und die brauche ich, auch für meine Arbeit.
Das ist wichtig bei Themen wie Tod und Trauer
Judith Brauneis hat das Gefühl, dass das Thema Tod heute mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommt. Jeder sollte sich zumindest einmal damit auseinandersetzen und mit seinen Angehörigen über die eigenen Wünsche sprechen.
Sie selbst ist auch als Trauerrednerin aktiv, spricht viel mit Familien über ihre verstorbenen Angehörigen. Und sie sagt, in ihrer Trauerbegleitung sei alles erlaubt – auch zu lachen.
Man darf auch mal lustige Geschichten erzählen, wir wollen uns gut erinnern an denjenigen.