Andri Snaer Magnason ist einer der bekanntesten Autoren Islands. Sein jüngstes Buch „Wasser und Zeit“ ist ein Klimabuch das kein Klimabuch sein will. „Wasser und Zeit“ tanzt ganz bewusst um den heißen Brei herum.
Ich habe mich mit Klimaforschern, Gletscher-Experten und Meeresbiologen unterhalten. Alle waren frustriert, weil ihre Ergebnisse die Öffentlichkeit nicht erreichten. Und sie sagten: Menschen verstehen nur Geschichten. Daten verstehen sie nicht.
Magnason verwebt Geschichten mit den Auswirkungen der Erderwärmung
Also schrieb Magnason Geschichten. Er verwob die eigene Familiengeschichte mit Forschungsergebnissen und den katastrophalen Auswirkungen der Erderwärmung. „Wasser und Zeit“ erzählt von Großmüttern, Alligatoren, schwarzen Löchern und dem Dalai Lama.

An einer Stelle gibt Magnason einen Dialog mit seiner jüngsten Tocher Hulda wieder. Der Vater erinnert das zehnjährige Mädchen an seine noch lebenden 94-jährige Urgroßmutter und spannt dann den Bogen zu Huldas eigener, noch ungeborenen Ur-Enkelin.
Stell dir mal vor! 262 Jahre! Das ist die Zeitspanne, mit der du in Verbindung stehst. Du kennst Menschen aus dieser gesamten Zeitspanne. Deine Zeit ist die Zeit von jemandem, den du kennst, den du liebst und der dich prägt. Und deine Zeit ist auch die Zeit von jemandem, den du kennen und lieben wirst, die Zeit, die du gestalten wirst. Du kannst 262 Jahre mit bloßen Händen berühren.
Metaphern verdeutlichen den Klimawandel
Aber Magnason erzählt nicht nur persönliche Geschichten, die den Klimawandel emotional aufladen. Er entwirft auch effektive Metaphern. Er zeichnet Flüsse aus Öl und zündet sie an. Und er vergleicht uns Menschen mit dem Vulkan Eyjafjallajökull, der einst den Flugverkehr lahm legte, gegen uns aber verblasst.
Wir sind der Vulkan, aber wir sehen keine Flammen, wenn wir in den Spiegel schauen; alles ist perfekt designt, unsichtbar. Wenn die Autos auf unseren Hauptverkehrsstraßen ihr Feuer vorzeigen würden, wäre der Flächenbrand, den wir entfachen, um zur Arbeit zu kommen, offensichtlich.
Der Roman blickt hinter die glänzende Fassade unseres Wohlstands
Immer wieder versucht Magnason das Unsichtbare sichtbar zu machen. Zum Beispiel indem er die unzähligen Verbrennungsprozesse, die Feuer beschreibt, die unseren Lebensstil ermöglichen und gleichzeitig das Klima aufheizen.
Das Feuer ist unsichtbar und wird zu „nichts“, der Rauch verdampft einfach. Es wäre interessant, wie die Welt aussähe, wenn jeder die Ölfässer, die er verbraucht, lagern müsste. Unsere Auslandsreisen der letzten zehn Jahre mit der Familie beliefen sich auf hundert Ölfässer. Ich stapele sie im Geist vor meinem Haus und stelle mir die Berge von Fässern vor, wenn jeder hundert Fässer im Garten stehen hätte.
„Wasser und Zeit“ schaut hinter die glänzende Fassade unseres Wohlstands und spornt zum Handeln an. Wer „Wasser und Zeit“ liest, kann kein Elektrogerät mehr einschalten, ohne die Feuerwalze zu sehen, die unseren Planeten verschlingt.
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