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Die Zukunft der NATO und die Folgen für Europa

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Andrea Rehmsmeier
Andrea Rehmsmeier
Wie sieht die Zukunft der NATO aus? Oberst Guillaume Trohel, Kommandeur des französischen Kontingent der NATO-Kampfgruppe, vor dem Denkmal für den Unabhängigkeitskrieg in Tallinn / Estland

Die Zukunft der NATO und die Folgen für Europa

Mit dem Manöver "Defender 2020" verlegen die USA seit Februar nicht nur Tausende neue Soldaten nach Europa. Die NATO demonstriert damit auch ihre Einsatzbereitschaft und signalisiert, dass sie keineswegs "hirntot" ist, wie ihr der französische Präsident Macron attestiert hatte.

Nach der Aufkündigung des INF-Vertrags durch die USA sucht die NATO nach einer neuen Verteidigungsstrategie. Dabei muss sie die Sorgen der baltischen Länder berücksichtigen, die eine russische Invasion fürchten. Wie werden NATO und Russland nun aufrüsten?

Estland
Die Furcht, von Russland angegriffen zu werden, ist in Estland so groß wie in keinem westeuropäischen Land. Schon Jugendliche engagieren sich deshalb in Estlands Freiwilligenarmee. Im Bild eine Gruppe der "Noored Kotkad" (Junge Adler) bei einer Übung in einem Wald im Kreis Läänemaa. Orientierung und Kartenlesen ist Teil der Ausbildung bei den Noored Kotkad.

Osteuropa Jugend trainiert für den Krieg – Estlands Armee-Nachwuchs

Die Furcht, von Russland angegriffen zu werden, ist in Estland so groß wie in keinem westeuropäischen Land. Schon Jugendliche engagieren sich deshalb in Estlands Freiwilligenarmee.

Folgen des Ukraine-Kriegs Zeitenwende in Finnland – NATO statt Neutralität

Beim NATO-Gipfel in Madrid steht der Beitritt Finnlands oben auf der Agenda. Durch die geplante Mitgliedschaft verändert sich das Verhältnis zwischen Finnland und Russland deutlich.

Zeitgeschichte 50 Jahre Kniefall von Warschau – Das Erbe der deutschen Ostpolitik

Die große Vergebungsbitte von Willy Brandt, der Kniefall am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos, läutete eine neue Ostpolitik der Annäherung ein. Was ist heute davon übrig?

Politik Noch verteidigungsfähig oder schon „hirntot“? Die Nato vor dem Jubiläums-Gipfel

Die Nato stehe vor fundamentalen Problemen, so Jan Techau vom German Marshall Fund in SWR2. US-Präsident Trump habe kein Verständnis für die politische Bedeutung des Bündnisses.

10.10.1981 Erhard Eppler – Leitfigur der Friedensbewegung

10.10.1981 | Innerhalb der SPD gehörte Erhard Eppler dem linken Flügel an. Im Grunde dem Flügel, der den Ansichten der 1980 gegründeten Partei der Grünen sehr nahestand.

LänderWissen Russland

Sie wollen die Menschen in Russland, ihre Kultur und Geschichte verstehen? Hier finden Sie Sendungen über die Zeit der Zaren, über Lenin und Stalin und über historische und aktuelle Konflikte um Grenzen und Einflussbereiche.

LänderWissen Ukraine

Sie wollen mehr über die Menschen in der Ukraine wissen, ihre Kultur und Geschichte besser verstehen? Hier finden Sie Sendungen über die Kosaken, den Schriftsteller Nikolai Gogol und das schwierige Verhältnis der Ukraine zu Russland.

5.12.1994 Russland garantiert Souveränität der Ukraine – ist aber gegen NATO-Osterweiterung

5.12.1994 | Nach dem Ende der Sowjetunion sortiert sich Osteuropa neu. Dabei gibt es große Themen zu klären: Das eine sind Atomwaffen. Die Ukraine, Belarus und Kasachstan besitzen welche – noch aus der Zeit, als sie zur Sowjetunion gehörten. Die Ukraine ist Anfang der 1990er Jahre faktisch die drittgrößte Atommacht der Welt. So viele Atomstaaten – das halten viele für gefährlich. Deshalb kommt es zu einem Abkommen: Die drei Ex-Sowjetrepubliken verzichten auf Atomwaffen, unterzeichnen also den Atomwaffensperrvertrag. Im Gegenzug verpflichten sich die anderen Vertragsstaaten, vor allem die USA und Russland, die Souveränität dieser drei Länder zu achten. Dieses Abkommen läuft im Völkerrecht unter dem Namen „Budapester Memorandum“ – denn es wurde auf dem Treffen der damaligen KSZE (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, heute: OSZE) im Dezember 1994 vereinbart.
In der Berichterstattung spielt es damals allerdings kaum eine Rolle, denn andere Themen beherrschen die Konferenz sind strittiger: Da ist zum einen der Jugoslawienkrieg, der nur wenige hundert Kilometer von Budapest entfernt, zum anderen die von den USA beabsichtigte NATO-Osterweiterung. US-Präsident Bill Clinton wirbt in Budapest dafür, Helmut Kohl unterstützt ihn. Russlands Präsident Boris Jelzin ist dagegen. Er befürchtet, so erklärt er 5. Dezember in Budapest, dass die Nato-Osterweiterung die Demokratie in Russland gefährde. Reporter ist ARD-Korrespondent Michael Herde.

9. bis 16.8.1999 Putin wird Ministerpräsident – "Russland ist eine Großmacht"

9. bis 16.8.1999 | 1999 ist Russlands Präsident Boris Jelzin schon auf dem absteigenden Ast. Wirtschaftlich ist das Land in einer schweren Krise. Jelzins Amtsführung gilt als zunehmend fahrig, hemdsärmlig und von Alkoholismus geprägt. Ende der 1990er-Jahre hebt er als Präsident eine Handvoll Ministerpräsidenten ins Amt, um sie teilweise nach nur wenigen Monaten wieder zu entlassen. Im August 1999 dagegen holt er einen, der bleiben und ihn ein knappes halbes Jahr später als Präsident beerben wird: Wladimir Putin. Am 9. August 1999 gibt Jelzin diesen Personalvorschlag bekannt.
SWR1 Thema heute greift das Ereignis in einer Hintergrundsendung auf.
Eine Woche später, am 16. August 1999, stimmt auch das russische Parlament, die Duma, dem Personalvorschlag zu. Putin wird Ministerpräsident. Schon damals spricht er von Russland als Großmacht und dass sich das Land seiner Einflusszonen nicht schämen solle.
Am 31. Dezember 1999 erklärt Boris Jelzin seinen Rücktritt und übergibt die Amtsgeschäfte an Wladimir Putin, der damit zunächst kommissarisch Präsident ist. In den vorgezogenen Wahlen im März 2000 bekommt er 52 Prozent der Stimmen. Am 7. Mai 2000 wird aus der kommissarischen Präsidentschaft die reguläre.

27.3.2000 Wladimir Putin – Wie ARD Moskau den frisch gewählten Präsidenten einschätzt

27.3.2000 | Im August 1999 erklärt Russlands Präsident Boris Jelzin, dass er sich Geheimdienstchef Wladimir Putin als seinen Nachfolger wünscht. Putin wird zunächst Ministerpräsident. Am 31. Dezember 1999 tritt Jelzin zurück und Putin übernimmt die Präsidentschaft kommissarisch. Als erste Amtshandlung erlässt er eine Amnestie gegenüber seinem Vorgänger; Jelzin wird somit wegen der schwelenden Korruptionsvorwürfe nicht weiter belangt. Gleich nach Amtsantritt fliegt Putin nach Tschetschenien, um die dort kämpfenden russischen Soldaten zu ehren. Ansonsten ist er die nächsten Wochen damit beschäftigt, die Präsidentschaftswahl am 26. März 2000 zu organisieren sowie seinen eigenen Wahlkampf. Mit Erfolg. Am nächsten Tag wird bekannt: Der 47-jährige Putin ist schon im ersten Wahlgang mit einer knappen absoluten Mehrheit von 52,9 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden. Jürgen Döschner leitet damals das ARD-Studio Moskau und schildert Putin im folgenden Porträt.