Der Australier Nicholas Carter war bereits Chefdirigent des Stadttheaters Klagenfurt, des Kärtner Sinfonieorchesters und ist seit 2021 bis heute Chefdirigent an der Oper Bern.
Für Stuttgart unterzeichnete er bereits seinen Vertrag als neuer Generalmusikdirektor für die Spielzeit 2026/27 und leitet vorab das Orchester zu Prokofjews Oper „Der Spieler“. In Hinblick auf die Premiere am 2. Februar lohnt es sich also schon jetzt, das baldige Mitglied der Stuttgarter Staatsoper kennenzulernen.
Meditation gegen den Stau im Kopf
Vor der Premiere meditiert Nicholas Carter. Für mindestens eine halbe Stunde sitzt der Dirigent dann im Dunklen, achtet auf seinen Atem und versucht nicht an die schwierigen Passagen von Prokofjews Oper zu denken. Das sei kein buddhistisches Ritual, aber es helfe ihm den Stau im Kopf zu vermeiden.
Nicholas Carter wurde in Melbourne geboren und stammt aus keiner musikalischen Familie. Als er mit 9 Jahren in Kontakt mit orchestraler Musik und Oper kommt, ist er sofort fasziniert. Bereits mit 20 Jahren dirigierte Nicholas Carter dann seine erste Oper. Er studierte an der University of Melbourne Klavier und Gesang und stand Vladimir Ashkenazy als Co-Dirigent in Sydney zur Seite.

Die warmherzigen Stuttgarter passen zum Australier
Im Mai 2024 dirigert er Richard Wagners „Rheingold“ in der Staatsoper Stuttgart. Irgendetwas hat offenbar bei den Klängen zwischen Nicholas Carter und dem Stuttgarter Orchester gefunkt.
Mein Eindruck schon von Anfang an war, dass wir uns gut verstehen würden. Bei unserer Probe und der Vorstellung habe ich das Gefühl gehabt, dass ich spontan sein konnte.
Ein gutes Zeichen dafür, dass man eine gute Beziehung für die nächsten Jahre aufbauen könne, erzählt Carter. Im November 2024 unterschrieb Carter seinen Vertrag und wurde vom Stuttgarter Opernintendant Viktor Schoner als „Teamplayer durch und durch“ bezeichnet. Und der warmherzige Kontakt mit dem Orchester passt laut Carter zu seiner australischen Seele. Die Australier seien offene Menschen und man ist auch auf der Arbeit schnell befreundet.
Das Theater als Forum in Zeiten von Social Media
Eine seiner größten Herausforderungen sieht Carter darin, möglichst viele Menschen für die Oper zu begeistern und die Stimmung in der Stadt einzufangen. Die Stuttgarter seien ein ambitioniertes und ehrgeiziges Publikum. Dem designierten Generalmusikdirektor ist es deswegen wichtig eine Balance zwischen Tradition, Identität und der Zukunft zu finden.
Es gibt nichts Besseres, als wenn man in ein Theater kommt und es ausverkauft ist, das zeigt irgendwas ganz Gesundes in der Gesellschaft.
Für Carter ist das Theater ein Forum in dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen und aus alten Kunstwerken immer wieder Neues lernen können. Gerade dann, wenn heutzutage viele auf Social Media auf ihren eigenen Kanälen unterwegs sind. Grund zur Zuversicht ist für ihn dabei auch die jüngere Generation.
„Es gibt für mich keine andere Option als optimistisch zu sein. Es gibt auch mehrere Studien, die zeigen, die nächste Generation, die sogenannte Gen Z, die interessieren sich eigentlich mehr für klassische Musik als die Boomer-Generation. Ich bin auch optimistisch, wenn ich hier ins Haus komme. Es ist eine schöne Mischung aus älteren Zuschauern und jüngeren.“ – Nicholas Carter, designierter Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart ab 2026/27
Mehr zur Staatsoper Stuttgart
Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister: „In meinem Ohr sind Klänge, seitdem ich denken kann.“
Er fährt nur mit dem Rad zur Arbeit und hält sich beim Marathon fit: Stuttgarts Generalmusikdirektor Cornelius Meister. Mit 24 Jahren wurde der Hochbegabte Deutschlands jüngster Generalmusikdirektor am Theater Heidelberg. Seit 2018 ist er GMD des Stuttgarter Staatstheaters und ein international bekannter und gefragter Dirigent. Mit seiner Frau und drei Söhnen lebt er in Stuttgart. In der Pandemie-Pause initiierte Cornelius Meister Balkonkonzerte und trat in Krankenhäusern auf.