Die CDU hat bei der Bundestagswahl den Wahlkreis Mannheim gewonnen. CDU-Kandidatin Melis Sekmen holte 24,7 Prozent. Knapp dahinter auf Platz zwei landete Isabel Cademartori von der SPD mit 22,5 Prozent. AfD-Kandidat Heinrich Koch bekam 17,9 Prozent der Stimmen und Linken-Kandidatin Gökay Akbulut 8 Prozent. Aufgrund der neuen Wahlrechtsreform wird Melis Sekmen aber nicht in den Bundestag einziehen. Cademartori, Koch und Akbulut ziehen über die Landesliste in den Bundestag ein.
Die weiteren Erststimmen-Ergebnisse in Mannheim: Nina Wellenreuther (Grüne) 18,1 Prozent, Gökay Akbulut (Linke) 8 Prozent, Konrad Stockmeier (FDP) 4,2 Prozent. Auch bei den Zweitstimmen siegte die CDU (23,1 Prozent) vor der SPD (18,2 Prozent). Dahinter landeten die AfD (17,6 Prozent), die Grünen (16 Prozent), die Linke (11,3 Prozent) und die FDP (5,1 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag in Mannheim laut Stadt bei 78,4 Prozent.
Sekmen (CDU): Erststimmen-Ergebnis ein "Vertrauensvorschuss"
Sekmen erklärte kurz vor Auszählung der letzten Wahlbezirke, die CDU habe in der Stadt "deutlich zugelegt bei den Erst- und Zweitstimmen". Das gute Abschneiden bei den Erststimmen wertete sie als "Vertrauensvorschuss".
Sekmen: "Bittere Folge der Wahlrechtsreform"
Am Tag nach der Wahl äußerte sich Melis Sekmen "glücklich, dass wir in Mannheim auf Platz 1 gelandet sind." Das Ergebnis sei nach ihrem Wechsel von den Grünen zur CDU keine Selbstverständlichkeit. Es sei ein komisches Gefühl, mit einem klaren Vorsprung die Wahlen zu gewinnen, aber trotzdem nicht in den Bundestag einzuziehen. Das sei eine "bittere Folge der Wahlrechtsreform", sagte Sekmen dem SWR am Montag. Ihre politische Arbeit will sie fortsetzen. Sie wolle sich nun selbst erst einmal "sortieren und dann wahrscheinlich einen Job suchen", so Sekmen weiter.
Cademartori enttäuscht über bundesweites SPD-Ergebnis
SPD-Kandidatin Isabel Cademartori sagte dem SWR am frühen Sonntagabend mit Blick auf erste bundesweite Hochrechnungen der Bundestagswahl: "Wir sind natürlich enttäuscht, das ist eines der schlechtesten Ergebnisse für die SPD, das schlechteste in der Nachkriegszeit. Da gibt es nichts schön zu reden, das ist eine große Enttäuschung."
Stockmeier (FDP) verpasst Wiedereinzug in Bundestag
FDP-Kandidat Konrad Stockmeier verpasst den Bundestag. Er sagte dem SWR, das bundesweite Ergebnis zeige, "dass Brandmauer-Diskussionen Deutschland nicht voranbringen". Er sagte weiter, er sei zuversichtlich - "jetzt als Staatsbürger" - dass mit einer neuen Regierung die Probleme gelöst würden, "die die AfD groß gemacht haben".
Wellenreuther (Grüne) hätte sich "anderes Ergebnis gewünscht"
Nina Wellenreuther von den Grünen teilte nach Bekanntgabe des Ergebnisses am Sonntagabend mit, dass sie sich "natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht hätte". Das knappe Ergebnis zeige dennoch deutlich, "dass viele Menschen eine zukunftsgewandte Politik wollen, die Verantwortung für heute und für nachkommende Generationen übernimmt". Als am frühen Sonntagabend die ersten Hochrechnungen im Stadthaus in Mannheim präsentiert wurden, hatte Wellenreuther dem SWR erklärt, die Zahlen seien für die Grünen "nicht sehr überraschend". Sie seien nicht bedeutend schlechter als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren (21,1 Prozent bei den Zweitstimmen). Wellenenreuther schafft es nicht über die Landesliste in den Bundestag.
Linken-Kandidatin Akbulut schafft es in den Bundestag
AfD-Kandidat Heinrich Koch stand dem SWR am Sonntagabend für eine Stellungnahme zum Wahlergebnis nicht zur Verfügung. Linken-Kandidatin Akbulut sei immer noch krankgeschrieben, hieß es und war deshalb am Wahlabend nicht im Mannheimer Stadthaus. Sie zieht über die Landesliste in den Bundestag ein.
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Vergleich zur Bundestagswahl 2021
Bei der Bundestagswahl 2021 gewann Isabel Cademartori das Direktmandat für Mannheim. Sie landete bei den Erststimmen mit 26,4 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt von den Grünen, die 22,5 Prozent bei den Erststimmen erreichte (CDU 19,9 - FDP 10,6 - AfD 9,8 - die Linke 4,8).
Auch bei den Zweitstimmen war die SPD vor vier Jahren die stärkste Kraft in Mannheim, mit 25,3 Prozent (Grüne 21,1 Prozent - CDU 18,2 - FDP 13,1 - AfD 9,1 - die Linke 5,0).
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