Studie der Universität Koblenz

Von leer zu wieder lebendig: Neue Ideen gegen Leerstand am Mittelrhein

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Forscher der Uni Koblenz haben untersucht, wie viele Häuser in Orten am Mittelrhein leer stehen und warum: Sie haben sich dafür tausende Gebäude genauer angeschaut.

Bei ihrer Untersuchung haben die Forscher der Universität Koblenz auch auf die Hilfe von Bürgerwissenschaftlern gesetzt und Menschen mit guten Ortskenntnissen in Bacharach und Oberwesel sowie in St. Goar und St. Goarshausen mit eingebunden. Sie wollten von ihnen beispielsweise Erklärungen dafür, warum so viele Häuser und Geschäfte leerstehen und was sich dort in der Vergangenheit befand oder wie sie genutzt wurden.

Leerstand meist mitten im Ort

Die Wissenschaftler aus Koblenz haben sich mit den Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern für ihre Studie insgesamt rund 3.400 Gebäude in den vier Gemeinden am Mittelrhein genau angesehen und sie kartiert. Dabei kam heraus, dass etwa jedes zehnte Haus in den vier Mittelrheingemeinden ganz leer steht oder nur noch teilweise genutzt wird, sagt Jonas Birke, der die Studie geleitet hat. Das sei mehr als im Bundesdurchschnitt. Die meisten leerstehenden Häuser liegen laut Studie mitten im Ort und sind stark sanierungsbedürftig.

Ein Grund dafür sei eine immer ältere werdende Gesellschaft und die Tatsache, dass viele junge Menschen aus dem Mittelrheintal weggezogen seien. "Und sobald Leerstand entsteht, sorgt das immer für eine Abwärtsspirale", sagt Jonas Birke. "Die Gebäude nebendran werden immer unattraktiver in ihrer Lage." Doch das ändere sich meist, wenn die Häuser wieder genutzt würden und dort etwa neue Geschäfte aufmachen.

BUGA 2029 soll die Wende bringen

Auch Falko Hönisch, der Stadtbürgermeister in St. Goar kennt das Problem. Die Kommune selbst könne nichts gegen den Leerstand tun, sagt er. Man könne aber versuchen, Anreize zu schaffen. Etwa, indem man junge Unternehmerinnen und Unternehmer so gut wie möglich bei Anträgen und Genehmigungen unterstützt. Ein Beispiel sei ein Hotelbetrieb in St. Goar, der wieder aufmachen wollte. Er habe sich dann persönlich dafür eingesetzt, dass das Bauamt so gut wie möglich unterstützt. Und das habe auch geklappt.

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Gerade mit Blick auf die Bundesgartenschau 2029 sei es wichtig, dass mehr passiere, sagt Hönisch. Das sei eine Chance. Eine Idee sei, in St. Goar Wohnraum für Studierende zu schaffen. Schließlich sei der Ort am Mittelrhein nur 25 Minuten mit dem Regionalzug von der Universitätsstadt Koblenz entfernt. "Da haben wir schon Gespräche geführt, sowohl mit dem Studentenwerk in Koblenz als auch mit Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern in der Stadt."

Einheimische haben viele Ideen

Die Forscher haben die Bürgerwissenschaftler auch gefragt, was man aus ihrer Sicht gegen den Leerstand tun könnte. Die Bürgerwissenschaftler hatten viele Ideen, sagt Birke. Sie schlugen unter anderem vor, dort neuen Wohnraum zu schaffen. Sie hatten aber auch die Idee, leerstehende Gebäude für Kunstausstellungen zu nutzen oder als gemeinsame Bürofläche, als Co-Working-Spaces, oder eine Vinothek. "Dann braucht es natürlich Leute, die den Mut haben, die Immobilie aufzukaufen und etwas in Gang zu setzen."

Erster Weinkönig am Mittelrhein macht Vinothek auf

Einer, der ein solches Projekt starten will, ist Felix Grün, der erste Weinkönig am Mittelrhein. Er will eine Vinothek in einem leerstehenden Gebäude in St. Goar eröffnen. Das sei ein Risiko, gibt er zu. Aber mit Blick auf die BUGA 2029 sei er sehr zuversichtlich, dass es funktionieren wird. "Es passt gut zum Tourismus und die Touristen fragen das auch nach."

Außerdem - noch schlimmer könne es mit dem Leerstand eigentlich nicht mehr werden. "Für mich ist es ein kleiner Traum. Mit der BUGA vor der Tür, ist jetzt die Zeit, wo man sagen muss, wir machen was." Und am Ende würden dann alle davon profitieren.

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SWR