Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu ist abgesetzt und sitzt in U-Haft. Nicht nur junge Menschen demonstrieren dagegen, sagt ARD-Korrespondent Uwe Lueb.
Die Kundgebungen in der Türkei für Imamoglu und gegen die Regierung gehen weiter. "Der Protest geht quer durch die Gesellschaft", schildert der Istanbul-Korrespondent seine Eindrücke im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Fischer. Am Samstagabend seien vor dem Istanbuler Rathaus bei einer Protestkundgebung mehr als 100.000 Menschen gewesen. Dort hätten sich viele junge Menschen - viele Studierende - versammelt, aber nicht nur: "Man sieht einen Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft."
Imamoglu ist erstmal aus dem politischen Verkehr gezogen.
Vorwürfe gegen Imamoglu haltlos
Die türkischen Behörden werfen Imamoglu Korruption vor. Die Staatsanwaltschaft geht gegen ihn außerdem wegen Terrorverdachts vor. Die Anschuldigungen hält der ARD-Türkei-Korrespondent für unbegründet: "Gerade was diesen Vorwurf der Terrorunterstützung anbelangt - das kann ich mir nicht vorstellen. Das passt nicht in den Lebensweg und in das Bild, das Imamoglu von sich gezeichnet hat."
Trotz Inhaftierung CHP kürt Imamoglu zum Präsidentschaftskandidaten
Der abgesetzte Istanbuler Bürgermeister İmamoğlu soll für die Oppositionspartei CHP als Präsident kandidieren. Neben den Parteimitgliedern stimmten Millionen symbolisch für ihn.
In Bezug auf die Korruptionsvorwürfe seien mögliche Unregelmäßigkeiten in einer Stadt wie Istanbul mit offiziell 16 Millionen Einwohnern möglich. "Da kann das eine oder andere schiefgelaufen sein. Da kann es zu Korruption gekommen sein. Aber ob Imamoglu als Drahtzieher dahintergesteckt haben könnte, das wird recht schwierig zu beweisen sein."