Das Thema Social Media hat im Bundestagswahlkampf 2025 zunehmend an Bedeutung gewonnen. Vor allem die AfD postet viel. Aber auch andere Parteien und ihre Abgeordneten fahren ihre Aktivitäten auf Social Media hoch.
Die Bundestagsabgeordnete mit der größten Reichweite über Social Media aus der Region Ostwürttemberg ist ein prominentes Gesicht der Grünen: Ricarda Lang hat auf ihren drei Social Media-Plattformen insgesamt gut 160.000 Follower. Sie kandidiert für den Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd. Im bundesweiten Ranking unter mehr als 700 Abgeordneten liegt sie auf Platz 17. Dies geht aus einer Statistik vom 20. Februar der Digitalagentur "Netzschreier" hervor, die Social Media-Kanäle von Parteien und Spitzenpolitikern analysiert.
Prominente Politiker haben die größte Reichweite
Auch Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter der CDU aus dem Wahlkreis Aalen-Heidenheim, mischt ziemlich weit vorne mit. Mit knapp 89.000 Followern belegt er Platz 57. Das Ranking der Digitalagentur zeigt: Die prominenten Gesichter des Bundestags, die "Vorderbänkler", sind am aktivsten und haben die größte Reichweite.
Leni Breymaier, SPD, aus Aalen belegt immerhin Platz 204, obwohl sie nicht mehr im Bundestag aktiv sein wird. Ronja Kemmer, CDU, Bundestagsabgeordnete für Ulm und den Alb-Donau-Kreis rangiert mit 17.000 Followern auf Platz 225. Der Ulmer Grüne, Marcel Emmerich, liegt im hinteren Mittelfeld mit gut 9.000 Followern.

Ruben Rupp (AfD) auf TikTok ganz vorne
Eine Ausnahmeerscheinung ist der AfD-Politiker Ruben Rupp. Er ist bislang Landespolitiker, also gar nicht im Bundestag. Er hat mit Platz 5 auf der Landesliste allerdings beste Chancen auf ein Mandat in Berlin. Auf TikTok ist er mit fast 100.000 Followern "so etwas wie ein Star", so heißt es in der ARD-Dokumentation "Die TikTok Armee der AfD". Damit liegt er auch weit vor Ricarda Lang, die auf TikTok 40.000 Follower hat.
Nimmt man alle Social-Media-Kanäle zusammen, liegt allerdings Lang vorne. Zum Vergleich: Ricarda Lang erreicht insgesamt mehr als 160.000 Follower, Ruben Rupp 145.000. Das bedeutet, dass sich Erfolg und Reichweite der Kandidierenden auch von Plattform zu Plattform unterscheiden.

Lang und Rupp äußern sich sehr positiv über Social Media
Ricarda Lang und Ruben Rupp erreichen - im Gegensatz zu allen anderen Kandidierenden in den Wahlkreisen Backnang-Schwäbisch Gmünd, Aalen-Heidenheim und Ulm - sechsstellige Followerzahlen. Beide äußern sich entsprechend positiv über diesen Weg des Wahlkampfs.
Ricarda Lang: "Für mich ist Social Media eine tolle Möglichkeit, um politische Inhalte mit klarer Sprache den Bürgern näher zu bringen, mit Humor von Visionen und Ideen zu überzeugen und mit jungen Menschen unkompliziert und direkt in den Austausch zu kommen."
Ruben Rupp: "Soziale Medien demokratisieren meiner Meinung nach auch diesen Raum der Presse, dass jeder Presse sein kann", sagt der AfD-Kandidat. Genau dies bestätigt der Kommunikationswissenschaftler Florian Muhle von der Zeppelin-Universität Friedrichshafen: "Insofern sind die Sozialen Medien für die Politiker die perfekte Möglichkeit, sich so zu präsentieren, wie sie gesehen werden wollen. Zudem können sie sich direkt an ihr Publikum wenden, vorbei an dem Filter der klassischen Medien."
Andere setzen mehr auf den klassischen Wahlkampf
Die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Ulm, Ronja Kemmer (CDU), setzt wie andere auch, mehr auf klassische Wahlwerbung. Also Flyer, Plakate, Wahlstände, Haustürwahlkampf, auf, wie sie es nennt, "organische Reichweite". Ihre Parteikollegin Inge Gräßle betont ebenfalls die klassischen Wege, um Wählerinnen und Wähler zu erreichen. "Die Sozialen Medien sehe ich als Erweiterung und Ergänzung an", so Gräßle. Ähnlich hält es der Ulmer Grüne und Bundestagsabgeordnete Marcel Emmerich: "Der Großteil der Mittel fließt in Großplakate, klassische Plakate sowie Flyer", so Emmerich in einem Statement.
AfD hat bundesweit die größte Reichweite
Auch der Blick auf die bundesweiten Zahlen ist interessant: Alle AfD-Bundestagsabgeordeten zusammen erreichen nach der Analyse der Digitalagentur "Netzschreier" gut 6,7 Millionen Follower. Bei den Grünen sind es 6,2 Millionen Follower.

Die Universität der Bundeswehr München erfasst ebenfalls die Social Media-Aktivitäten von Parteien und Politikern. In den Analysen der Politikwissenschaftlerin Professorin Jasmin Riedl ist vor allem die Dominanz der AfD auf YouTube augenscheinlich. Gleichwohl sind andere Parteien auf anderen Plattformen ebenfalls erfolgreich, vor allem die Linke kann hohe Followerzahlen vorweisen.
Reichweitenverlängerung durch inoffizielle Accounts
Alle Reichweitenanalysen und Statistiken der Social Media-Accounts von Kandidierenden haben allerdings auch Grenzen. Denn Politiker aller Parteien versuchen, neben ihren eigenen Auftritten ihre Reichweite über Influencer zu erweitern, die in den Statistiken nicht erfasst werden. Besonders weitverzweigt ist dieses System bei der AfD. Es existieren zahlreiche Accounts mit AfD-Logo, die aber gar nicht von der Partei selbst stammen, sondern von Parteianhängern, so belegt es die ARD-Dokumentation "Die TikTok-Armee der AfD". Und auch diese inoffiziellen Accounts tragen zur Aufmerksamkeit zugunsten der AfD bei.
Dynamik auf Social Media kurz vor der Bundestagswahl
Nicht erst seit dem Ampel-Aus im November ist die AfD auf TikTok sehr aktiv und postet viele Beiträge. Wie groß die Bedeutung von Social Media für die Politik ist, erkennen offenbar aber auch die anderen Parteien immer mehr: Die meisten Aufrufe auf TikTok seit November hat die AfD, sie nimmt ein Viertel aller Aufrufe der Parteien mit. In dieser Woche, also dem Zeitraum vom 14. Februar bis zum 20. Februar, kommt nochmal Bewegung rein: So gehen ein Drittel aller Aufrufe an die SPD.

Und auch bei den Likes für die Parteien-Posts auf TikTok geht die SPD in dieser Woche in Führung: Sie kommt auf 857.139 Likes, gefolgt von den Linken mit 825.672 Likes. Die AfD kommt in dieser Chartanalyse nur auf 259.458 Likes.
Welche konkreten Auswirkungen das ganze Social Media-Geschehen auf die Bundestagswahl hat? Die Wirkung auf das Wahlverhalten ist unbestritten. Aber inwieweit die Wahlentscheidung von den Sozialen Medien oder von den klassischen Wahlkampf-Auftritten abhänge, sei schwierig zu sagen, meint der Kommunikationswissenschaftler Florian Muhle.