Jörg Schönenborn in der Wahlsendung am Sonntagabend
SWR1: Eine Wahlsendung ist immer ziemlich hektisch. Wie behalten Sie den Überblick?
Jörg Schönenborn: Ich brauche schon ein bisschen Vorbereitung. Ich bin in den letzten Wochen sehr konzentriert gewesen auf das, was die Menschen so beschäftigt, was wir an Umfragen erhoben haben. Da ganz viel im Kopf zu haben, ist auch der Kompass am Sonntagabend.
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Mögliche Koalitionen nach der Wahl
SWR1: FDP und BSW kratzen laut den letzten Umfragen an der Fünf-Prozent-Hürde. Was würde das für die Regierungsbildung bedeuten, wenn eine oder beide Parteien in den Bundestag kämen?
Schönenborn: Je weniger Parteien im Parlament sind, desto leichter ist natürlich die Regierungsbildung. Wir haben es bei CDU und CSU schon mit zwei Parteien zu tun. Die wären froh, nur einen dritten Partner zu brauchen. Wenn nur die Linke reinkäme, könnte das rechnerisch aufgehen. Vielleicht hätte Friedrich Merz dann sogar Chancen auf Rot (SPD) und Grün jeweils.
Aber schon eine nächste Partei, egal ob FDP oder BSW, verändert das Spiel. Auch das kann man nicht vorhersagen. Aber dann kann es gut sein, dass wirklich nur die ganz große Koalition aus Union und AfD, klappen würde. Und die will ja in der Union niemand.
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SWR1: Komplett alleine steht die AfD. Kann da etwas Unerwartetes passieren?
Schönenborn: Die AfD ist mittlerweile schon eine ziemlich feste Größe in der Wahlforschung. Sie hat in den Umfragen ungefähr doppelt so viel Zustimmung wie bei der Wahl vor dreieinhalb Jahren. Auch wenn man nicht genau sagen kann, ob noch ein bis zwei Prozentpunkt draufkommen oder ob sie heruntergehen, halte ich die Größenordnung doch für recht vorhersehbar.
Neues Wahlrecht bei der Bundestagswahl
SWR1: Wir wählen zum ersten Mal nach einem neuen Wahlrecht. Auf den Stimmzetteln hat sich aber nichts geändert. Was sind die wichtigsten Änderungen, die wir als Wählerinnen und Wähler merken?
Schönenborn: Es gibt zwei Dinge, die wir merken. Das eine werden die meisten von uns sehr gut finden. Die Größe des Bundestages ist begrenzt. Also wir werden nicht mehr diese [...] riesigen Parlamentsgrößen haben. Das ist sicher, das ist safe, da geht keiner mehr drauf.
Schönenborn: Auf der anderen Seite ist der Preis dafür, dass es sein kann, dass ihr Wahlkreisabgeordneter nicht reinkommt. Es kann sein, dass wir in einem Wahlkreis mit einer Direktstimme jemanden wählen, aber man - aufgrund der Verrechnung zwischen Bundesländern und Parteilisten - trotzdem kein Mandat bekommt.
Das wird es nicht oft geben, aber das kann schon eine kleine zweistellige Zahl von Menschen sein, die nach bisherigem Recht gewählt wären, aber dann - zu Gunsten ihrer Partei - einfach zurücktreten müssen.
Das vollständige Interview könnt ihr oben im Audio anhören.