Weniger äußere Risiken, aber mehr innere Belastung – ein ambivalenter Trend.
Die Forschenden haben Daten von Schülerinnen und Schülern der neunten bis zwölften Klasse, aus einem Zeitraum von 1991 bis 2021 verwendet. Bei den Schlussfolgerungen der Studie, die am 18. März 2025 im Fachjournal „Pediatrics“ veröffentlicht wurde, handelt es sich um deskriptive Ergebnisse. Das bedeutet, die Heranwachsenden haben selbst angegeben, wie sie sich verhalten.
Dabei sind Gewalt, sexuelles Risikoverhalten oder der Konsum von Alkohol oder anderen Drogen zurückgegangen. Jugendliche reagieren heute dagegen mehr als bisher mit Depressionen oder Suizidneigungen auf Probleme.
Die gute Nachricht ist, dass fast 60 Prozenmt der Jugendlichen sagen, sie hätten kein oder nur ganz geringes Risikoverhalten. Das ansteigende nach innen gerichteten Risikoverhalten – also Depressivität und Suizidalität – berichten vor allem jüngere Jugendliche, Mädchen und Angehörige ethnischer Minoritäten. Insgesamt trifft es auf 9 Prozent der Befragten zu, allerdings dürfte die Dunkelziffer höher liegen, denn Angststörungen und andere psychische Einschränkungen wurden nicht erfragt.

Deutsche Studien bestätigen US-Trend bei psychischen Problemen Jugendlicher
Diese Ergebnisse sind nicht ungewöhnlich. Sie decken sich mit globalen Studienergebnissen – wie der Lancet Psychiatry Report 24 gezeigt hat – und auch mit solchen aus Deutschland. Hier zeigten ebenfalls diverse Studien und Analysen, dass bei Kindern und Jugendlichen Depressivität und Angstsymptome stark zugenommen haben.
Als Gründe nennen die Heranwachsenden aktuelle Unsicherheiten und Krisen in der Welt sowie die Nachwirkungen der Pandemie und ihrer Maßnahmen. Vor der Pandemie waren circa 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch belastet, während der Pandemie über 30 Prozent und momentan stabilisiert sich das Niveau bei circa 25 Prozent. In Deutschland zeigte sich aber auch generell über alle Alters- und Diagnosegruppen ein Anstieg psychischer Belastungen und Störungen.
Die Veränderung des Risikoverhaltens von Jugendlichen ist bedeutsam, denn um sinnvolle Hilfsangebote zu entwickeln, muss man die Mechanismen zu verstehen, mit denen Kinder und Jugendliche auf Probleme reagieren. Expertinnen und Experten kritisieren aber, dass es in Deutschland kein systematisches Monitoring gibt. Die Daten stammen immer aus Stichproben, die hochgerechnet werden.

Expertin warnt vor Langzeitfolgen psychischer Störungen bei Jugendlichen
Es ist auffällig, dass sich das Muster innerhalb einer Generation so verändert hat. Deswegen ist es wichtig, darauf angemessen mit Hilfsangeboten zu reagieren. Denn psychische Störungen im Kinder- und Jugendalter ziehen in der Regel auch Störungen im Erwachsenenleben nach sich.
Die Kinder- und Jugendpsychologin Hanna Christiansen von der Universität Marburg fordert deshalb jetzt gerade für jüngere Jugendliche und Mädchen Programme aufzulegen, die ihnen helfen sollen mit Belastungen umzugehen. Denn besonders diese Gruppe ist betroffen.
Sie bedauert, dass es immer noch viel zu wenige belastbare Daten zur psychischen Gesundheit von Heranwachsenden in Deutschland gibt. Wichtig sei dabei auch zu verstehen, dass diese Entwicklungen nicht durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurden. Die Pandemie habe die Steigerung der psychischen Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen nur noch weiter beschleunigt.