Neue KI-Hilfe für Studenten
Drei Studenten aus Neu-Ulm haben mit Hilfe von KI ein Programm namens "Campus Ready" entwickelt. Das Geniale: Man gibt sein gesamtes Material ein - Bücher, Skripte, Schaubilder, Artikel, Daten. Das können weit mehr als 1.000 Seiten sein, eben alles, was man für die Prüfung braucht. Das Programm fasst das Material automatisch zusammen, ordnet nach Unterthemen, generiert Übungen und Prüfungsfragen. So zumindest versprechen es die drei jungen Männer, die an der Hochschule Neu-Ulm "Campus Ready" erfunden haben: Anees (29) und Abhishek (26) aus Indien und Emre (26) aus der Türkei.
Hochschule Neu-Ulm: "Projekt hat gute Chancen"
Martin Schwarz von der Hochschule Neu-Ulm betreut die drei auf dem Weg zum Start-Up-Unternehmen. "Ich glaube, das Projekt hat gute Chancen", sagt Schwarz, "es kann tatsächlich Prüfungsvorbereitungen erheblich verbessern und vereinfachen." Die KI werde genutzt, um die vielen Informationen zu filtern und das Wesentliche zusammenzufassen.
Die drei Erfinder des Programms sind erst in den letzten Jahren als internationale Studenten aus Indien und der Türkei nach Deutschland gekommen. Emre zum Beispiel hat sein Grundstudium in "Business Administration" in seiner türkischen Heimat Mersin gemacht, wollte für das Masterstudium aber seinen Horizont im Ausland erweitern. "Es war sehr aufwändig, sich auf die Anerkennungsprüfung vorzubereiten", berichtet er. Schließlich musste ja die Hochschule in Neu-Ulm genau prüfen, ob Emre die Voraussetzungen und das Wissen für einen Master-Studiengang in Deutschland mitbringt.

KI-Hilfe auch für ausländische Bewerber
Da hätte ihm ein Programm, wie er es jetzt mitentwickelt hat, schon sehr geholfen, meint er. In der Tat war es zunächst die Idee von Emre, Abhishek und Anees, den ausländischen Bewerbern zu helfen und ein Programm zu entwickeln, das die Unmengen an Stoff strukturiert, sortiert, zusammenfasst, um dann besser in die Anerkennungsprüfung gehen zu können.
"Es gibt in Deutschland viele Plätze für internationale Studierende, die nicht besetzt werden", erläutert Martin Schwarz von der Hochschule Neu-Ulm. Denn auch für die Professoren hierzulande seien die Aufnahme- und Anerkennungsprüfungen sehr aufwändig. Gespräche und Prüfungen über Skype kosten Zeit. Auch in Neu-Ulm bleiben internationale Studienplätze unbesetzt, weil die Hochschule nicht genügend Kapazitäten hat, die Eignung der Bewerber zu überprüfen. Derzeit lernen in der Stadt 425 ausländische Studenten und Studentinnen. "Wir könnten deutlich mehr haben", glaubt der Betreuer.
Campus Ready für drei Euro pro Monat
Martin Schwarz: "Wenn auch Professoren das Campus-Ready-Programm nutzen, könnten wir erheblich mehr ausländische Studierende aufnehmen." Denn die Professoren könnten zum Beispiel die Skripte ihrer Vorlesungen hochladen und daraus Prüfungsfragen generieren lassen. Das Programm wertet die Ergebnisse der ausländischen Bewerberinnen und Bewerber sowie deren Eignung dann automatisch aus.
Das klingt vielversprechend. Ob es tatsächlich klappt, soll sich ab Sommer zeigen, wenn die drei Neu-Ulmer Studenten ihr Start-Up offiziell gründen. Im September soll "Campus Ready" für die Nutzer zum Preis von drei Euro pro Monat starten, oder als Premium-Variante für sechs Euro. Das Programm funktioniert auf Deutsch, Englisch und Türkisch.
Fast 100.000 Euro Zuschüsse
Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Existenzgründer und KI-Projekte. So haben Emre, Anees und Abhishek bereits knapp 100.000 Euro Fördergelder erhalten. Weitere Zuschüsse sind in Aussicht. Die drei Gründer haben ein Büro im HNU Founders Space, ein Gebäude, wo die Hochschule vielversprechende Projekte auf dem Weg zur Existenzgründung betreut.
Die drei jungen Männer aus Indien und der Türkei sind fleißig, arbeiten oft auch nachts oder an Feiertagen an ihren Bildschirmen, um ihre Programme zu testen und zum Beispiel mit ChatGPT zu vergleichen. Die bisherigen Rückmeldungen von Professoren seien sehr gut, erklärt Abhishek. Über Weihnachten war ihr Büro das einzige an der Hochschule Neu-Ulm, in dem quasi permanent gearbeitet wurde. "Wir mussten dem Sicherheitsdienst Bescheid geben", lächelt Martin Schwarz, "dass alles normal ist, wenn in diesem Büro Licht brennt".