Haushaltssperre, Sanierungsstau, Millionenlöcher in den Kassen, trotzdem will die Stadt Karlsruhe die World Games 2029 ausrichten. Ein weiteres Multimillionenprojekt ohne gesicherte Finanzierung. Die Mehrheit der Stadträte hat das nun erneut abgesegnet. Auch wenn die Zahl der Gegner wächst. Der Gegenwind ist zu wenig spürbar, meint Rebekka Plies.
"Wenn das Haus brennt, macht man keine Party"
Die Stadträtinnen und Stadträte in Karlsruhe stehen massiv unter Druck. Druck von innen wegen der desaströsen Finanzlage. Druck von außen, denn es geht um den Sportstandort Deutschland auf internationaler Bühne und da will man sich nicht blamieren. Nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt schaue auf Karlsruhe, so ein Befürworter der World Games. Von unbezahlbarer Strahlkraft ist die Rede.
Kritiker halten dagegen, es gehe um die gesamte Zukunft der Stadt. Wenn das Haus brennt, macht man keine Party, war im Gemeinderat zu hören. Die Streichlisten für den kommenden Doppelhaushalt werden weh tun. Das wissen alle, ohne Details zu kennen. Niemand werde ungeschoren davonkommen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Doch einige wollen trotzdem weiter feiern.
Viele Gegenstimmen im Gemeinderat Skepsis nimmt zu: Karlsruhe stimmt erneut für World Games 2029
Karlsruhe will die World Games 2029 trotz anhaltender Finanzkrise und fehlender Zuschüsse ausrichten. Der Gemeinderat stimmte erneut für die Veranstaltung, 16 Stadträte stimmten dagegen.
Kritik an riskanter Finanzplanung mit angezogener Handbremse
Die Gruppe der Skeptiker wächst. Insbesondere bei den Grünen. Inzwischen will nur noch die Hälfte der größten Fraktion das mit den World Games verbundene finanzielle Risiko eingehen.
Auch andere Stadträte fürchten, sich bei den Karlsruher Bürgerinnen und Bürgern für diese Entscheidung in Zeiten klammer Kassen erklären zu müssen. Die Zerrissenheit zwischen Träumerei und Realitätssinn ist spürbar. Schillernde Planungen werden nur zaghaft in Frage gestellt.
Trotzdem versuchte die Stadtspitze auch während der Sitzung am Dienstag hilflos die Abweichler umzustimmen – ohne Erfolg. Die Verantwortlichen wünschten sich ein starkes, möglichst einstimmiges Signal. Bei 16 Gegenstimmen ging der Schuss nach hinten los.
"Augen zu und durch" im Karlsruher Gemeinderat
Die Zweifel werden bleiben. Und der Druck wird weiter steigen, solange die Finanzierung ungeklärt ist. Die Mehrheit entscheidet sich trotz des Risikos für "Augen zu und durch". Man stellt sich die Frage, warum einige dieses Projekt mit derartigem Nachdruck verfolgen.
Und so bleiben die World Games für die einen ein Licht in dunklen Zeiten. Für andere ist die Entscheidung für die Spiele eine Bankrotterklärung an das städtische Verantwortungsbewusstsein.