Die Generation Z hat wenig Interesse an ausufernden Partynächten, wie sie für Millennials noch typisch waren. Das legt eine Umfrage an mehreren Orten in Heilbronn-Franken unter Studierenden nahe. Sie ist nicht repräsentativ, zeigt aber, dass viele junge Menschen heute eher ruhigere Freizeitaktivitäten bevorzugen. Doch was steckt hinter diesem Trend? Ein Jugendpsychologe erklärt die Gründe.
Von durchzechten Nächten zu gemütlichen Abenden
Die sogenannten Millennials, geboren zwischen 1981 und 1996, blicken auf eine feierfreudige Zeit zurück. Die Generation Z, die zwischen 1997 und 2012 auf die Welt kam, scheint hingegen weniger Lust auf solche Ausgelassenheit zu haben. Das sagen zumindest zahlreiche Studentinnen und Studenten dem SWR.
"Feiern lag mir noch nie", sagt Nuri, 22 Jahre alt, die an der Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau (Hohenlohekreis) studiert. Unter Gleichaltrigen seien Partys kein großes Thema. Auch ihre 21-jährige Mitstudentin Sevval habe nie ausufernd gefeiert, höchstens mal auf privaten WG-Partys.
Anders klingt es bei der nur sechs Jahre älteren Trixa, die am Campus Schwäbisch Hall studiert. Ihre jüngeren Mitstudierenden wüssten "gar nicht mehr, wie Feiern geht", sagt die 28-Jährige: "Die können sich gar nicht mehr fallen lassen". Zudem sei die jüngere Generation sowieso "mehr in ihren Handys drin".
Clubs können sich nicht mehr finanzieren
Dass dies keine Einzelmeinungen sind, belegt eine Meldung des Bundesverbands der Musikspielstätten "LiveKom". Mehr als die Hälfte der Clubs und Discos in Deutschland gibt an, ihren Betrieb in diesem Jahr nur mit staatlicher Unterstützung fortsetzen zu können, heißt es da.
Junge flüchten zunehmend in virtuelle Welt
Das Positive an den Online-Kontakten ist, dass kein sozialer Druck mehr herrscht. Soziale Medien gaukeln einem jederzeit ein Gemeinschaftsgefühl vor. "Illusion des Dabeiseins" nennt das Allan Guggenbühl, Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich.
Viele junge Menschen müssen auch gar nicht mehr raus, um soziale Kontakte zu knüpfen, erklärt der renommierte Jugendpsychologe weiter. Durch soziale Medien müsse sich die Generation Z gar nicht mehr persönlich einer Gruppe "aussetzen".
Denn es ist oft unangenehm, neue Menschen kennenzulernen und es erfordere Mut, über den eigenen Schatten zu springen. Das hat die Generation Z verlernt oder nie gelernt, glaubt der Züricher Professor. "Sie sind diesbezüglich schon fast degeneriert", fügt der Jugendexperte an. Diese Entwicklung habe besonders während der Pandemie einen deutlichen Schub erhalten.
Der Einfluss der Corona-Pandemie
In der Shell Jugendstudie von 2024 gab die Mehrheit der jungen Menschen an, dass die Corona-Pandemie das Freizeitverhalten nicht grundlegend verändert habe. Der Trend zu mehr digitalen Beschäftigungen setze sich weiter fort. Beim Thema Ausgehen hat es demnach in den vergangenen fünf Jahren "keine dramatischen Veränderungen ergeben". 17 Prozent der befragten Jugendlichen verbringen wohl heute noch viel mehr Zeit online mit Freunden und Bekannten als vor der Pandemie. Einige Jugendliche (14 Prozent) verloren durch die Kontaktbeschränkungen Freundschaften. Das Thema Einsamkeit ist nun vor allem für junge Frauen größer geworden als noch vor fünf Jahren.
Eine Generation mit anderen Prioritäten
Einige junge Menschen der Generation Z sagten dem SWR allerdings, dass sich das Feiern seit Corona schon schlagartig verändert habe. Sevval vom Campus in Künzelsau beispielsweise geht nach eigenen Angaben seit Covid kaum mehr aus. In der Phase, in der Teenager normalerweise anfangen zu feiern, "durften wir plötzlich nicht mehr raus", erinnert sich die Studentin. Der Reiz, sich in Clubs auszutoben, sei für sie und viele ihrer Studienfreunde seither nicht mehr da.
Die Generation Z scheint eine andere Vorstellung vom Feiern zu haben als ihre Vorgänger-Generationen. Weniger exzessive Partynächte, aber auch weniger Alkohol und Drogen, sagen Studierende dem SWR. "Man wird älter, verantwortungsbewusster und hat einfach bessere Dinge zu tun, als sich zu betrinken", sagt der 21-jährige Yannik, der für sein Studium von Konstanz nach Schwäbisch Hall gezogen ist.
Diesen Eindruck bestätigt auch die Shell Jugendstudie: Für 85 Prozent der jungen Menschen ist es enorm wichtig, gesundheitsbewusst zu leben.
Wird es eine Gegenbewegung geben?
Jugendpsychologe Guggenbühl denkt, dass junge Menschen irgendwann merken werden, dass "die Online-Welt nicht ganz das Leben" und die Offline-Realität doch attraktiver ist. Er geht fest davon aus, dass es in Zukunft eine Gegenbewegung geben wird.