Auf dem Gelände der Mannheimer Kläranlage ist am Montag eine Anlage zur Produktion von e-Methanol vorgestellt worden. Aus dem Biogas, das bisher schon aus dem Klärschlamm gewonnen wird, soll ein klimaneutraler Treibstoff für Schiffe erzeugt werden. Bei der Einweihung der Anlage war auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (parteilos) dabei.

Treibstoff aus Abwasser: "Beitrag zur Dekarbonisierung"
Die Betreiber der Anlage sprechen von einer Weltneuheit für die nachhaltige Schifffahrt. Diese werde aus ihrer Sicht einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass diese mit weniger fossilen Treibstoffen auskommt. Verkehrsminister Wissing betonte, wie wichtig es sei, dass das Projekt aus Deutschland komme und man den Treibstoff nicht aus dem Ausland importieren müsse. Konkret wird Kohlendioxid aus dem Biogas der Mannheimer Kläranlage mit Wasserstoff zu e-Methanol umgewandelt. Der Wasserstoff wird im besten Fall vorher mit Elektrolyse und grünem Strom erzeugt.
Die Anlage dafür ist auf dem Gelände der Kläranlage entstanden. Entwickelt haben sie das Mannheimer Klimatechnik-Startup ICODOS GmbH, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Eigenbetrieb Stadtentwässerung der Stadt Mannheim.
Klimaneutraler Schiffstreibstoff aus Mannheim als "Leuchturmprojekt"
Verkehrsminister Wissing bezeichnete die Anlage zur Gewinnung des Schiffstreibstoffs als "Leuchtturmprojekt". Die deutschen Klimaschutzziele seien zwar ambitioniert, aber trotzdem zu erreichen, wenn man technologieoffen vorgehe, so Wissing. Mit dem Projekt sei man nun einen Schritt weiter gekommen.

Auch der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) zeigt sich von dem Projekt begeistert. Ihn mache es stolz, dass aus Mannheimer Abfällen die Energie der Zukunft komme. Durch Projekte wie dieses, will man in Mannheim Klimaschutz durch Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zusammenbringen.
Mannheimer Startup: "Wichtig für Energiewende"
Der Geschäftsführer von ICODOS, David-Andre Strittmatter, betonte am Montagmittag, dass das Projekt ein entscheidender Beitrag zur Energiewende sei. Auch Specht sprach von dem großen Potential des Schiffstreibstoffs. So können man das Produkt zukünftig in Europa und der ganzen Welt nutzen.

Betreiber sieht Milliarden-Potential für neuen Treibstoff
Nach Angaben des Geschäftsführers von ICODOS, David-Andre Strittmatter, hat der Bau der Anlage einen mittleren einstelligen Millionenbetrag gekostet. Er sieht einen vielversprechenden Markt für den klimaneutralen Treibstoff aus Mannheim. Viele Reedereien seien daran interessiert, ihre CO2-Bilanz zu verbessern. Schon jetzt komme e-Methanol auf ersten Containerschiffen zum Einsatz, unter anderem bei Maersk, der zweitgrößten Containerschiff-Reederei der Welt. Die Schiffe brauchen eine spezielle Antriebstechnik. Aber auch konventionelle Motoren könnten für e-Methanol umgerüstet werden, erklärt Strittmatter. Durch die schon von Reedereien in Betrieb genommenen oder verbindlich bestellten Schiffe ergebe sich ein Markt von 20 Milliarden Euro pro Jahr. Perspektivisch könnte dieser auf bis zu 400 Milliarden Euro wachsen.
Mit "Mannheim 001" schreiben wir hier Weltgeschichte. Wir glauben, dass das der erste wichtige Schritt ist zur Produktion von e-Methanol an anderen Kläranlagen weltweit ist.
Mannheim profitiert durch effizientere Abwasserverwertung
Auch der Eigenbetrieb Stadtentwässerung und damit die Stadt Mannheim und ihre Bürger profitierten von der neuen Technik. Die Anlage führe dazu, dass das Mannheimer Abwasser effizienter und kostengünstiger gereinigt werde, so Strittmatter. Auch Andrea Robitzki, Leiterin des Bereichs Biologie, Chemie und Verfahrenstechnik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) betonte, dass das Projekt ein klassisches Beispiel dafür sei, wie die Wissenschaft der Bevölkerung nützen könne.