Die Tigermücke macht sich unter anderem am Bodensee und im Ortenaukreis breit. Eine invasive Ameisenart wurde im Kreis Lörrach und im rheinland-pfälzischen Herxheim entdeckt. Und auch die ersten Japankäfer sind in Freiburg und im Kreis Ludwigsburg angekommen - trotz Pufferzonen in der Schweiz. Häufig wird dann von "invasiven Arten" gesprochen, die sich in Baden-Württemberg ausbreiten. Dabei muss zwischen gebietsfremden und wirklich invasiven Arten unterschieden werden.
Das Problem - einige invasive Arten schaden nicht nur der Natur, sie können auch Krankheiten übertragen, wie beispielsweise die Asiatische Tigermücke. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie zuvor einen Menschen gestochen haben, der mit den Krankheitserregern infiziert ist, weil er sich beispielsweise im Ausland damit angesteckt hat. Erst dann können die Tigermücken diese Krankheiten weiter übertragen.
Die Bekämpfung der winzigen Tiere kostet Geld. Daher will Kehl als erste Stadt im Ortenaukreis den Kampf gegen Tigermücken auf Privatgrundstücken einstellen und stattdessen auf die Verantwortung der Menschen setzen.
Hohe Kosten für Kommunen am Oberrhein Stadt Kehl gibt Kampf gegen Tigermücke auf und setzt stattdessen auf die Bevölkerung
Die Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke kostet Kommunen am Oberrhein viel Geld. Die Stadt Kehl zieht Konsequenzen und setzt nun auf die "Verantwortung der Bevölkerung".
Ausbreitung hängt auch von Temperaturen ab
Wie viele Tigermücken es dieses Jahr in Baden-Württemberg und am Oberrhein geben wird, hängt vor allem von den Temperaturen ab. Generell gilt: je wärmer es ist, desto schneller entwickeln sich die Larven. Deswegen ist die Tigermücke vor allem im Hochsommer aktiv. Sowohl die Schnakenbekämpfer von der KABS als auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sagen, ihre Ausbreitung wird davon abhängen, wie gut die Bevölkerung bei der Bekämpfung mitmacht.
Eine andere invasive Art, die Asiatische Hornisse gilt mittlerweile als "etabliert". Ein komplettes Zurückdrängen dieser Insekten ist also nicht mehr wahrscheinlich. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sich die Asiatische Hornisse weiterverbreitet. Für Menschen ist die Asiatische Hornisse laut NABU weitgehend harmlos, da ihre Stiche nicht gefährlicher sind als die einheimischer Wespenarten. Allerdings ist sie ziemlich gefräßig: Sie ernährt sich von einheimischen Insekten und ein Hauptbestandteil ihres Speiseplans sind Honigbienen. Für die Biodiversität könnte eine weite Verbreitung der Asiatischen Hornisse daher zum Problem werden.
Invasive vs. zugewanderte Arten: Das ist der Unterschied
Die meisten tierischen und pflanzlichen eingewanderten Arten verursachen in einer neuen Heimat keine Probleme. Manche haben sogar positive Auswirkungen auf ihre neuen Lebensräume, weil sie beispielsweise Nahrungsquellen für heimische Tiere sind. Nur etwa zehn Prozent sind sogenannte invasive Arten und erfüllen diese Kriterien:
- Sie sind gebietsfremd, wurden also durch menschlichen Einfluss in ein Gebiet eingebracht und breiten sich meist schnell aus.
- Sie können unerwünschte, negative Auswirkungen auf die heimischen Ökosysteme, auf die menschliche Gesundheit oder auch wirtschaftlicher Art haben.
Was man tun sollte, wenn man eine gefährliche eingewanderte Art findet, erklärt SWR Umwelt-Experte Dominik Bartoschek im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex:
Diese invasiven Arten gibt es in Baden-Württemberg
Zu den bekanntesten Tierarten, die in Baden-Württemberg als invasiv bezeichnet werden, gehören aktuell diese Arten:
EU-Liste über invasive Arten
Die Europäische Union führt in der sogenannten Unionsliste (auch Schwarze Liste) der EU-Kommission invasiven Arten auf. Viele kommen nicht nur allgemein in der EU, sondern auch bei uns in Baden-Württemberg vor.
Allerdings wurde die Liste sowohl vom Europäischen Parlament wie auch von den Naturschutzverbänden kritisiert. Sie sei mit den genannten Arten viel zu kurz, zahlreiche wichtige Arten seien nicht aufgenommen.
Invasiver Käfer frisst ganze Bäume kahl Erste Japankäfer-Funde in Freiburg und im Kreis Ludwigsburg gemeldet
Damit sich der Japankäfer nicht weiter ausbreitet, hat die Schweiz bereits Pufferzonen errichtet. Doch nun wurden erste Funde des Käfers in Baden-Württemberg gemeldet.
Buchsbaumzünsler: Nicht alles, was Probleme macht, ist invasiv
Mit dem Buchsbaumzünsler hatten viele Menschen in den letzten Jahren Probleme. Doch steht er nicht auf der Liste der invasiven Arten und erfüllt dem Naturschutzbund (NABU) nach auch nicht alle Kriterien. Laut NABU ist die Raupe keine invasive Art, da sie nur lokal an Buchsbäumen bleibe und keine anderen Tiere vertreibe. Der Buchsbaumzünsler ist sogar Nahrungsquelle für einige Vogelarten.
Gefahr für die Natur durch invasive Arten
Invasive Arten können heimische Arten verdrängen, weil sie mit ihnen um Lebensräume und Ressourcen konkurrieren. Außerdem sind sie Fressfeinde heimischer Arten, können Krankheiten übertragen, gegen die sie selbst immun, die aber für heimische Arten tödlich sind. Sie können Ökosysteme verändern, indem sie beispielsweise die Nährstoffe in Böden beeinflussen und so andere Arten verdrängen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Baden-Württemberg betont allerdings, dass invasive Arten nur ein zusätzlicher, aber nicht der einzige Gefährdungsfaktor für unsere heimischen Arten und Ökosysteme sind.
Artenvielfalt Invasive Pflanzen können Jahrzehnte schlummern und dann zum Risiko werden
Zwischen der Einschleppung neuer Arten und ihrer massiven Ausbreitung liegen oft Jahrzehnte. Das erschwert die Bewertung des Risikos und den Schutz einheimischer Pflanzen immens.
Maßnahmen gegen invasive Arten in BW
Eine Expertengruppe der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz erstellt für gelistete invasive Arten Maßnahmenblätter, mit denen die negativen Auswirkungen minimiert und die weitere Verbreitung der invasiven Arten eingedämmt werden sollen. Dazu zählt zum Beispiel, die Öffentlichkeit zu informieren.
Auch eine sogenannte Populationskontrolle ist möglich, also das Töten von Tieren, beispielsweise durch die Bejagung. In den allermeisten Fällen sei das Töten von invasiven Tieren jedoch nicht sinnvoll, kritisiert der BUND. Da die Tiere geeignete Lebensräume immer wieder neu besiedelten, sei nur in Ausnahmefällen das Töten eine notwendige Maßnahme. Das gilt laut BUND etwa, wenn es um den Schutz besonders gefährdeter heimischer Tierarten geht oder wenn eine vollständige Beseitigung der invasiven Art aufgrund ihres lokal begrenztem Vorkommen nichz möglich ist.
"Explodierende Population" Diskussion um Waschbären in BW: Abschießen oder schützen?
Etwa 140.000 Waschbären gibt es in Baden-Württemberg. Die Art hat keine natürlichen Feinde und gilt als invasiv. Dennoch fordern Tierschützer, das Waschbären-Töten zu stoppen.
Der Deutsche Tierschutzbund fordert tierschutzgerechte Methoden statt Jagd. Wenn Waschbären, Nutrias und Nilgänse getötet würden, könnten sich schnell neue Tiere ansiedeln. Es sei tiergerechter und nachhaltiger, möglichst viele Tiere zu kastrieren und Eier auszutauschen.