Archäologie

Fresken in Pompeji zeigen Dionysos-Kult

Stand

In Pompeji haben Archäologen bei Ausgrabungen einen großen Festsaal freigelegt, der mit lebensgroßen Fresken bemalt ist. Die Wandgemälde zeigen Kult-Praktiken, die schon 200 Jahre vor der Zerstörung Pompejis verboten waren.

Experten sprechen von einer Megalographie. Das heißt, die gefundenen Wandgemälde aus dem Jahr um 30 vor Christus haben nahezu lebensgroße Dimensionen. Die beeindruckenden Wandmalereien wurden in einem großen Bankettsaal einer neu entdeckten Villa im Herzen von Pompeji gefunden. Die Fresken gehören zum sogenannten "Zweiten Stil" der pompejanischen Malerei aus dem ersten Jahrhundert vor Christus.  

Die Experten datieren die Malereien etwa auf die Zeit zwischen 40 und 30 v. Chr. Das bedeutet: Als der Vesuv im Jahr 79 n. Chr. ausbrach und Pompeji unter Asche und Bimsstein begrub, waren diese prachtvollen Kunstwerke bereits rund 100 Jahre alt.  

 

Die Fresken zeigen Verbotene Rituale  

Die extrem gut erhaltenen Gemälde in prächtigen vor allem roten Farben zeigen über drei Wände hinweg Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Kultfeier oder Orgie zu Ehren von Dionysos, dem antiken Gott des Weines, bei einer Prozession.   

Derartige Feiern wurden aber etwa schon 200 Jahre vor der Zerstörung Pompejis durch den Ausbruch des Vesuvs verboten, weil es dabei auch zu Verbrechen und sexuellem Missbrauch gekommen sein soll. Auf den Bildern ist unter anderem eine Frau zu sehen, die bei einer Art Initiationsritus in den Kult eingeweiht werden soll sowie Tänzerinnen, Tänzer, Jäger und andere Gestalten.   

Der italienische Kulturminister Alessandro Giuli erklärt zur Bedeutung des Fundes: "Die (…) gefundene Megalographie gibt einen weiteren Einblick in die Rituale der Mysterien des Dionysos. Es handelt sich um ein außergewöhnliches historisches Dokument und bildet zusammen mit dem Fresko der Villa der Mysterien ein einzigartiges Zeugnis, das Pompeji zu einem außergewöhnlichen Zeugen eines größtenteils unbekannten Aspekts des Lebens in der klassischen Mittelmeerwelt macht."  

 

Beeindruckendes Fresko aus Pompeji, das Rituale des Dionysos-Kults zeigt. Die fragmentarisch erhaltene Wandmalerei in Rottönen auf dunklem Hintergrund stellt Einweihungsszenen dar, die zum wertvollen Fund der antiken Mysterienkultur gehören.
Archäologen entdeckten in Pompeji Wandmalereien des Dionysos-Kults in einem großen Festsaal aus dem 1. Jahrhundert. Die farbenfrohen Bilder zeigen den Gott Dionysos, verschiedene Rituale und lebendige Jagdszenen.

Darstellungen ritueller Tänze und Opferhandlungen

Der Fund zeigt demnach beeindruckende Szenen der dionysischen Feiern: Die Bacchantinnen (oder Mänaden) waren weibliche Anhängerinnen des Dionysos. Sie werden auf den Wandgemälden in zwei Rollen dargestellt: Als anmutige Tänzerinnen bei religiösen Zeremonien und als wilde Jägerinnen mit Jagdbeute oder mit Waffen.  

Die Fresken zeigen auch Satyrn - männliche Naturwesen aus der griechisch-römischen Mythologie mit spitzen Ohren, die zum Gefolge des Dionysos gehörten. Einige spielen die Doppelflöte, während ein anderer ein rituelles Weinopfer durchführt. Dieses als "Libation" bekannte Ritual war eine wichtige religiöse Handlung, bei der Wein als Opfergabe für die Götter vergossen wurde.  

Dem deutschen Leiter der Ausgrabungsstätte, Gabriel Zuchtriegel zufolge handelt es sich dementsprechend um Fresken mit einer religiösen Bedeutung. Er erläutert: „Für die antiken Menschen drückte die Bacchantin oder Mänade die wilde, unbezähmbare Seite der Frau aus; die Frau, die ihre Kinder, das Haus und die Stadt verlässt, die sich von der männlichen Ordnung befreit, um frei zu tanzen, auf die Jagd zu gehen und rohes Fleisch in den Bergen und Wäldern zu essen; mit anderen Worten, das direkte Gegenteil der 'netten' Frau, die Venus, die Göttin der Liebe und der Ehe, nachahmt."   

 

Fresko des Dionysos-Kults in Pompeji mit rötlichen Wandmalereien zwischen antiken Säulen, das rituelle Szenen der dionysischen Mysterien zeigt.
Die Wandmalereien zeigen tanzende Bacchantinnen und Satyrn mit Doppelflöten.

Parallelen zur Villa der Mysterien in der Nähe von Pompeji

Die Bilder erinnern an ähnliche Motive in der sogenannten Villa der Mysterien, die außerhalb der pompejanischen Stadtmauern vor etwas mehr als 100 Jahren entdeckt wurde. Im Vergleich zu dieser Villa erweitert der neu entdeckte Fries das Bild der dionysischen Initiationsriten um ein weiteres Thema: die Jagd.   

Diese wird nicht nur durch die Bacchantinnen als Jägerinnen dargestellt, sondern auch durch einen zweiten, kleineren Bildstreifen oberhalb der Hauptszenen. Dieser zeigt eine beeindruckende Vielfalt an Tieren - sowohl lebendig als auch als Jagdbeute.  

 

Fresko des Dionysos-Kults aus der Villa der Mysterien in Pompeji mit rotem Hintergrund und mehreren Figuren, die an rituellen Handlungen teilnehmen.
Dieses Fresko aus der Villa der Mysterien in Pompeji zeigt ebenfalls Szenen des Dionysos-Kults. Der neu entdeckte Fries grenzt sich davon jedoch mit Jagddarstellungen ab.

Weitere Funde im Gebäudekomplex und aktuelle Ausgrabungen  

Die jetzt gefundenen Fresken liegen in einem Raum, der direkt an ein erst kürzlich gefundenes privates Luxus-Badehaus angrenzt. Neben dem spektakulären Saal mit den dionysischen Szenen hatten die Forschenden bei den Grabungen in diesem Bereich aber noch weitere bedeutende Räume entdeckt: einen schwarzen Bankettraum mit Darstellungen aus dem Trojanischen Krieg, sowie ein Sacrarium (Schrein), verziert mit den vier Jahreszeiten und Allegorien der Landwirtschaft und des Hirtentums.  

Es ist zu vermuten, dass auch dieser prächtig geschmückte Festsaal dem reichen Besitzer des gesamten Gebäudekomplexes gehört hat. Die Ausgrabungen in der Region IX von Pompeji starteten im Februar 2023. Das Grabungsgebiet umfasst mit etwa 3.200 Quadratmetern fast einen ganzen Häuserblock der antiken Stadt. Die Archäologen haben bereits über 50 neue Räume auf mehr als 1500 Quadratmetern freigelegt.   

Pompeji gehört mit mehr als vier Millionen Besuchern pro Jahr zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Italien, die jetzt noch eine Attraktion mehr hat. 

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