Saskia Esken hat in ihrem Wahlkreis Kritiker und Unterstützer
Trägt Saskia Esken - eine der beiden Bundesvorsitzenden der SPD - maßgeblich Schuld an den schlechten Wahlergebnissen der SPD bei der Bundestagswahl? Der SPD-Politiker Gerhard Gaiser aus Baiersbronn (Kreis Freudenstadt) sieht es so: Seiner Meinung nach ist die Parteispitze tatsächlich für das historisch schlechte Wahlergebnis der SPD verantwortlich. Calws Oberbürgermeister Florian Kling (SPD) sieht das anders. Er findet, dass man das Thema differenzierter sehen sollte.
Kritik aus dem Wahlkreis Calw-Freudenstadt
Eigentlich hätte Saskia Esken direkt am Wahlabend den Bundesvorsitz abgeben sollen, glaubt Gerhard Gaiser. Er ist Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion in Freudenstadt und kennt die Politikerin persönlich. Im Gespräch mit dem SWR sagt er: "Es kann nicht sein, dass sie wie Pattex am Stuhl der Parteivorsitzenden festklebt."

"Andere Spitzenkandidaten haben früher mit 25 oder noch mehr Prozent ihren Vorsitz abgegeben." Die Partei müsse wieder nach vorne blicken. Das ginge nur, wenn die SPD sich nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell ändere.
Auch Manfred Stehle (SPD) vom Kreisverband Calw hatte sich Esken gegenüber kritisch geäußert. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" forderte er Eskens Rücktritt, mit ihr habe die Partei keine Zukunft.
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Calwer OB: Spitzenkandidat Lars Klingbeil bleibt verschont
Nicht nur Esken, auch Lars Klingbeil steht seit 2021 an der Parteispitze der SPD. Calws Oberbürgermeister Florian Kling, ebenfalls SPD-Mitglied, sagt deshalb: "Dass im Affekt jetzt auf einmal nur der Kopf von Saskia Esken rollen soll, halte ich für lächerlich. Das hat überhaupt nichts mit der Realität zu tun." Im Bundesvorstand müssten sich alle für die schlechte Performance der SPD bei den Bundestagswahlen verantwortlich fühlen. Er könnte nicht nachvollziehen, dass der eine Parteichef sich quasi noch zum Fraktionsvorsitzenden mache und "sich selbst befördert".
Die Frau, die irgendwie vielleicht auch mal ungeliebt ist oder mehr Kritik abfängt - die muss dann den Kopf hinhalten. Vielleicht, weil sie eine Frau ist. Vielleicht, weil sie aber auch nicht ganz so geschliffen auftritt.
Es sei wichtig, dass Deutschland wieder eine stabile Regierung bekomme. "Die verhandeln gerade und machen Pläne für eine Koalition, die dringend notwendig ist."

Kling: Esken hatte viele Erfolge
Saskia Esken sei für viele Erfolge in der Bundespolitik mitverantwortlich gewesen, so Kling weiter. Ein Beispiel seien die 500 Milliarden Euro schweren Investitionskredite, die jetzt im Bundestag beschlossen wurden. Das sei maßgeblich eine Forderung von Esken gewesen. Dass sich momentan viele Sozialdemokraten über das Ergebnis der Bundestagswahl ärgern, kann er nachvollziehen. Es sei klar, "dass sich irgendetwas verändern muss, weil es so nicht weitergehen kann", findet der Calwer OB.
Wie haben die Wähler in Calw entschieden?
Doch wie beliebt ist Saskia Esken bei den Wählerinnen und Wählern in ihrem eigenen Wahlkreis? Im Kreis Calw musste die Politikerin bei der Bundestagswahl eine Niederlage einstecken. Sie kam auf knapp 13 Prozent der Erststimmen. Das sind über vier Prozentpunkte weniger als 2021. Über die Landesliste bleibt sie aber weiterhin Bundestagsabgeordnete. Klaus Mack von der CDU hatte im Wahlkreis Calw die meisten Erststimmen (39 Prozent) gewonnen.
Und Esken selbst? Die will sich aktuell nicht zur Kritik äußern. Es gebe aber auch in der Region Calw durchaus Unterstützer von Esken, sagte ihr Sprecher dem SWR. Neben Florian Kling nannte er auch die SPD-Kreisvorsitzende in Calw, Daniela Steinrode.
Kommentare (3)
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Die Frau Esken sagt immer so schlaue Dinge und sollte uns daher unbedingt in den Medien erhalten bleiben.
Die immensen neuen Schulden, deren Zinsen ab kommenden Jahr den Bundeshaushalt erheblich belasten werden, als "Erfolg" von Fr. Esken zu verkaufen nenne ich "Chuzpe" oder es ist der Versuch eines "Genossen" seine Kollegin politisch zu schädigen. Aber, so viel Lüge und Schwindel in Koalition und Parlament war wohl noch nie. Die (zu bildende) Koalition verfängt sich immer tiefer in ihrem Gespinst aus Unwahrheiten und zerstört die Basis, auf der Freiheit und Wohlstand wachsen können, warum nicht auch der Vorsitzenden der SPD Schaden zufügen.
Das Wahlergebnis spricht Bände, da braucht es keine "Hilfe" des SWR in Form dieses Berichtes.