Franziska Brantner ist Bundesvorsitzende der Grünen und Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg. Sie ist schon durch ihren Listenplatz 1 abgesichert. Das heißt, auch wenn sie den Wahlkreis nicht direkt gewinnen sollte, zieht sie über die Landesliste in den Bundestag ein.
Föhr (CDU): Einzug ins Parlament nicht sicher
Bei ihrem Herausforderer Alexander Föhr von der CDU sieht es etwas anders aus. Er steht auf dem Listenplatz 6 seiner Partei. Sollte er den Wahlkreis nicht gewinnen, kann das knapp werden. Und selbst wenn er im Wahlkreis die meisten Erststimmen holt, ist das - anders als früher - noch keine Garantie für den Einzug ins Parlament. Denn die Wahlrechtsreform hat zur Folge, dass nur so viele Kandidatinnen und Kandidaten einer Partei gewählt sind, wie der Partei nach Zweitstimmen zustehen. Deshalb weist Föhr gerne darauf hin, dass Brantner ja ohnehin sicher im Bundestag sei und die Wähler ihm die Stimme geben sollten. Franziska Brantner war 2021 direkt gewählt worden.
Kann die SPD in Heidelberg punkten?
Für die SPD tritt in Heidelberg Tim Tugendhat an, Listenplatz 32. Die Partei brauche eine "anständige Kandidatur", und die könne er liefern, sagt er. Ob er angesichts des Zustands seiner Partei auch an die Erfolge von Lothar Binding anknüpfen kann, der immerhin zweimal das Direktmandat im Wahlkreis errungen hatte, hält er selbst für unwahrscheinlich. Aber auch er kämpft um jede Stimme.
Der Mannheimer Politikwissenschaftler Marc Debus schätzt die Situation im Wahlkreis Heidelberg so ein:
Pragmatische Grüne Brantner
Franziska Brantner, aktuell auch Staatsekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, ist als Vertreterin des Realo-Flügels ihrer Partei auf Erfolge in der Praxis aus. Sie will unter ihrem Slogan "Machen" praktische Lösungen in der Politik, eine elastische Grüne Haltung jenseits von Dogmen, und fordert ihre Anhänger auch in Wahlkampfveranstaltungen dazu auf. Sie will eine "Staatsreform", die zum Beispiel mit einer Deutschland-App Verwaltungshandeln deutlich vereinfacht. Das sind konkrete Ideen zum Bürokratie-Abbau.

Wenn wir nicht zeigen können, dass wir besser, schneller, innovativer sind als autoritäre Kräfte, dann gewinnen wir diesen Kampf nicht.
Sie will folgerichtig ein eigenes Digitalministerium etablieren. Parteifreunde holt sie öffentlich zurück, wenn diese das Tischtuch zur CDU zerschnitten sehen. Das Thema Migration wurde bei den Grünen im Wahlkampf zunächst nur wenig angesprochen, nach der umstrittenen Abstimmung im Bundestag über Migration haben die Grünen ein Zehn-Punkte-Programm nachgelegt.
Alexander Föhr: Wut gegen CDU übertrieben
Alexander Föhr, 44 Jahre alt, sitzt bereits für die CDU im Bundestag - als Nachrücker war er Anfang 2023 Abgeordneter geworden. Die aufgewühlte Migrationsdebatte sitze auch ihm in den Knochen. Allerdings findet er die Wut und die Vorwürfe gegen die CDU übertrieben, sagte er im Gespräch mit dem SWR.

"Tür gegen AfD zugehalten"
Eine AfD, die trotz aller Demonstrationen weiter wächst, müsse auf den Feldern geschlagen werden, die diese Partei groß machen - und das seien die Themen Migration, Wirtschaft und Gerechtigkeit. Föhr weist auch darauf hin, dass die CDU die Partei sei, die die Tür gegenüber der AfD in langwierigen Verhandlungen im Osten Deutschlands zugehalten habe.
Wir wissen, welche Themen diese Partei groß gemacht haben: Migration, Wirtschaft und Gerechtigkeit und auf diesen Feldern wollen wir sie schlagen
Zum Bürokratieabbau sagt Föhr schlicht: "Wir brauchen einfach weniger Regeln." Mindeststandards in vielen Bereichen würden genügen.
Tim Tugendhat ackert für die SPD

Sozialdemokrat Tim Tugenhat, 38, versucht gegen den Negativ-Trend anzuackern, der die SDP nach der gescheiterten Ampel-Regierung erfasst hatte. Zum großen Thema Migration fallen dem promovierten Physiker im SWR-Gespräch zuerst keine Begrenzungsforderungen ein, sondern viel eher, dass die Betreuung psychisch Kranker verbessert werden müsse. Sein Kernsatz zur Migration und den Taten durch Migranten lautet:
Menschen werden nicht kriminell, weil sie Ausländer sind, sondern weil sie arm sind und keine Perspektive haben.
Wenn man geltendes Recht anwenden würde, "hätten wir schon gewonnen", so Tugendhat. Zur gescheiterten Ampel unter Führung von Bundeskanzler Olaf Scholz sagte er, er glaube nicht, dass jemand anderes die Dreier-Koalition "so lange gedeichselt hätte“. Die SPD müsse jetzt alte linke Themen wie Gerechtigkeit wieder aufleben lassen, sich auf die Arbeitnehmer konzentrieren und wohlhabende Menschen über 200.000 Euro Jahreseinkommen und sehr reiche Menschen stärker belasten.
Kaufmann für die AfD, Mirow für die Linke, Nusser für die FDP
Der 48-jährige Malte Kaufmann sitzt seit 2021 für die AfD im Bundestag. Er schaffte den Einzug über die Landesliste. Seine politischen Schwerpunkte sind Wirtschaftspolitik, internationale Zusammenarbeit und Entwicklung. Kaufmann fordert eine "fundamentale Reform der Einwanderungspolitik". Die Gründe seien "zunehmende Islamisierung, überdurchschnittliche Ausländerkriminalität, importierter Juden-, Christen- und Deutschenhass sowie vielfach gescheiterte Integration."
Für die Linke geht in Heidelberg deren baden-württembergische Spitzenkandidatin Sahra Mirow ins Rennen. Sie engagiert sich für eine Verkehrswende weg vom Verbrenner-Motor, für mehr sozialen Wohnungsbau und für eine Reichensteuer von 75 Prozent. Ihre Chancen in den Bundestag einzuziehen, sind bei dem jüngsten Umfrage-Hoch der Linken gestiegen.
Der 28-jährige FDP-Kandidat Tim Nusser muss sich auch mit dem Ampel-Erbe auseinandersetzen, nach dem die FDP die Koalition hat platzen lassen. "Mut zur Veränderung. Weiter so ist keine Option", fordert er. Und setzt auf "die richtigen Entscheidungen für ein wohlhabendes, sicheres und starkes Deutschland, eine neue Ära von Wachstum, Wohlstand und Innovation“.