Die baden-württembergische Landesregierung will am Leistungstest in der vierten Klasse festhalten. Das hat Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) nach SWR-Informationen in der nicht-öffentlichen Sitzung des Landtags-Bildungsausschusses erneut unterstrichen. Der Bildungsausschuss hatte sich am Donnerstag damit befasst, nachdem nach den ersten Tests im November 2024 nur sechs Prozent der Viertklässler beim Mathe-Test Gymnasialniveau erreicht haben.
Der Test ist in diesem Schuljahr in Baden-Württemberg als Element der verbindlicheren Grundschulempfehlung eingeführt worden. Wenn sich Eltern und Lehrkräfte nicht einig sind, soll der sogenannte "Kompass 4" entscheiden, ob ein Kind aufs Gymnasium darf.
Lehrkräfte: Test "keine hilfreiche Unterstützung"
Vor allem die Lehrkräfte hatten den "Kompass 4"-Test deutlich kritisiert, wie eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ergab. Über 80 Prozent von insgesamt 1.131 befragten Lehrerinnen und Lehrer hielten "Kompass 4" für keine hilfreiche Unterstützung, so die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Dabei hätten sich immerhin 40 Prozent der Lehrkräfte für eine verbindliche Schulempfehlung ausgesprochen. Vier von fünf Lehrerinnen und Lehrer sagten laut GEW, die Testergebnisse stimmten überhaupt nicht mit ihrer Einschätzung der Kinder überein.
Auch Eltern sind unzufrieden mit den Tests. Das hat ein Aufruf von SWR Aktuell Online am Donnerstagmorgen ergeben: Mehrere Mütter erklärten, der Test bilde nicht ab, was ihre Kinder sonst leisteten. Auch die Bearbeitungszeit wurde als zu kurz kritisiert. Bemängelt wurde überdies eine unzureichende Kommunikation des Ministeriums.
SPD fordert: Test nicht werten
Die SPD-Fraktion und der Landeselternbeirat forderten, dass die Ergebnisse in diesem Jahr nicht zählen dürfen. Auch die Opposition im baden-württembergischen Landtag kritisierte die Tests bei einer Debatte im Dezember. Nun will das Kultusministerium die Mathe-Aufgaben prüfen. Für die Viertklässler, die aktuell den Leistungstest gemacht haben, soll bei der Grundschulempfehlung kein Nachteil entstehen. Für sie sollen die Lehrerinnen und Lehrer entscheiden. Kultusministerin Schopper hatte aber bereits vor der Sitzung des Bildungsausschusses angekündigt daran festhalten zu wollen: Die Grundschulempfehlung sei Teil des Schulgesetzes und das werde demnächst den Landtag passieren.