Omas gegen Rechts: Zeitzeugin Mechthild (79) setzt sich für Demokratie ein

Stand

Mechthild wird kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren. Während sie in der Schule mehr über diese Zeit erfährt, herrscht in ihrer Familie Schweigen. Heute engagiert sie sich bei „Omas gegen Rechts”.

Seit ich diesen Film gesehen habe, habe ich das 3. Reich im Nacken.

Deutschland nach Kriegsende 1945: Aufwachsen in der Nachkriegszeit

Mechthild wird 1945, kurz nach Ende des 2. Weltkriegs, in einem kleinen Dorf in Nordrhein-Westfalen geboren: „Ich hatte eine schöne Kindheit. Der Krieg hat damals noch keine Rolle gespielt.“ Erst als Mechthild in die Schule kommt und das kleine Dörfchen verlässt, wird sie mit den Auswirkungen des Kriegs konfrontiert. „Man konnte durch Köln quer durchgucken, so kaputt war es“, erinnert sich die 79-Jährige. 

Leben zwischen Schweigen und Erinnerungen

Mechthild geht auf das Gymnasium und schaut mit ihrer Schulklasse 1956 einen Kinofilm über die Befreiung der Konzentrationslager an: „Da habe ich zum ersten Mal gesehen, was ‚Nazi-Zeit‘ und ‚KZ‘ bedeutet hat. Und als ich verstanden habe, was da im Nationalsozialismus Deutsche mit Deutschen gemacht haben – das ist ja unfassbar … Ich habe nur noch geheult, es war schrecklich.“ Zuhause stößt Mechthild auf großes Schweigen: „Man durfte nicht danach fragen.“ Mechthilds Vater wurde in Stalingrad verwundet. „Alle Fragen an ihn waren tabu. Er hatte einen Granatsplitter im Kopf und hat nur noch Gartenarbeit gemacht.“

Mechthild setzt sich für ein liberales und demokratisches Deutschland ein

Mechthild wird älter und beschäftigt sich mehr und mehr mit der christlichen Kirche und dem Christentum. „Wir hatten einen Pfarrer, der manchmal auch politisch gepredigt hat. Mich hat das Christsein sehr geprägt. Gegen Rechts – das war schon immer mein Thema. Ich will, dass Menschen gleichberechtigt leben und sich entfalten können.“ 

Wenn ich auf unsere heutige Zeit schaue, denke ich als Allererstes: Die Nazis wurden damals auch demokratisch ins Parlament gewählt.

Omas gegen Rechts: „Alte Frauen sitzen nicht zu Hause und stricken Strümpfe!”

Bis heute engagiert sich Mechthild politisch. Sie ist unter anderem im Vorstand des Deutschen Frauenrats gewesen und in der Kommunalpolitik. „Ich bin auch bei den Omas gegen Rechts aktiv. Auf einer Demonstration bin ich einer alten Dame begegnet mit dem Schild: ‚Omas gegen Rechts‘. Dann habe ich sie angesprochen.“ Jetzt hält Mechthild Vorträge über das Leben in der Nachkriegszeit und beteiligt sich an Mahnwachen und Demonstrationen: „Wir sind Zeitzeugen und wir spüren eine große Verantwortung. Wir beobachten in unserem Land die Tendenz nach Rechts und wir versuchen, dagegen zu arbeiten.“

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