
Seit Ende vergangenen Jahres ist klar, dass der Mannheimer Energieversorger MVV sich bis 2035 aus dem Gasnetz zurückzieht. Bürger, Gewerbetreibende und Unternehmen können ab dann in Mannheim keine Gasheizungen mehr betreiben. Um das zu verhindern, hat sich am Dienstagabend die Bürgerinitiative "Mannheim gibt Gas" gegründet. Zur Auftaktveranstaltung in einer Gaststätte im Mannheimer Stadtteil Feudenheim kamen rund 200 Interessierte. Der Gründer der Initiative, Andreas Kostarellos, hatte ursprünglich mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet.
Mitglieder der Initiative fühlen sich "getäuscht"
Die MVV möchte die Wärmewende schon vor 2045 vollziehen - dieses Jahr ist vom Gesetzgeber angepeilt. Ab dann soll ausschließlich mit erneuerbaren Energien geheizt werden. Auf diesen Zeitrahmen hätten sich viele Mitglieder der Initiative laut eigener Aussage verlassen. Darunter auch Gründer Andreas Kostarellos: "Ich habe vor anderthalb Jahren eine Gasheizung einbauen lassen, in dem Glauben, dass sie 20 Jahre läuft. Ich fühle mich getäuscht."

Mannheimer MVV setzt auf Dialog
Der Mannheimer Energieversorger begründet seinen Schritt unter anderem damit, dass der CO2-Preis jedes Jahr steige und Erdgas ohnehin frühzeitig zu teuer werde. Außerdem würde die sinkende Zahl an Kunden diesen Umstand noch einmal verstärken.
Diese Einschätzung wird von unabhängigen Experten geteilt, wie zum Beispiel Angelika Paar, Fachbereichsleiterin Energie am Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung. Die MVV zeigt laut einem Unternehmenssprecher dennoch Verständnis für die Betroffenen. Der Energieversorger möchte mit Beratungsangeboten unterstützen. In Mannheim sind etwa 25.000 Haushalte von dem Gasausstieg betroffen, davon kann nur ein Teil auf Fernwärme umsteigen. Der Rest muss in Zukunft wohl auf eine Wärmepumpe setzen.
Investitionen in Wind- und Solarparks MVV unterstreicht Ausstieg aus Gas-Wärmeversorgung in Mannheim
Der Mannheimer Energieversorger MVV meldet das zweitbeste Jahresergebnis seit dem Börsengang 1999. Gleichzeitig wird einmal mehr deutlich: Gas hat für die Mannheimer keine Zukunft.
Umrüstungskosten variieren je nach Gebäude
Ob ein Umstieg zur Kostenfalle wird, kommt laut Angelika Paar auf den Einzelfall an. Bei modernen und gut gedämmten Häusern stelle ein Wechsel zur Wärmepumpe in den meisten Fällen keine große finanzielle Belastung dar. Ist ein Haus aber alt und wenig gedämmt, könnten die Befürchtungen der Bürgerinitiative eintreten und immense Kosten entstehen. In ungedämmten Gebäuden muss beispielsweise die Abwärme der Pumpe mit Strom verstärkt werden, was große Kosten verursacht. Das ist notwendig, damit das Gebäude ausreichend geheizt wird.
Besonders Altbau betroffen
Ein Mitglied der Initiative, dem es so geht, ist Gerd Kaiser. Der 73-jährige Feudenheimer bewohnt ein über 100 Jahre altes Haus im Ortskern. Er hat sein Vermögen in die Sanierung seines Hauses gesteckt. Eine Dämmung wurde ihm laut eigener Aussage von seinem damaligen Energieversorger nicht empfohlen - sein Gasverbrauch sei gering genug. Das werde ihm jetzt zum Verhängnis: "In zehn Jahren werde ich 84 Jahre alt. Dann bekomme ich keinen Kredit mehr, um nachzurüsten."

Mannheimer Initiative plant Demonstration
Um ihren Forderungen weiter Nachdruck zu verleihen, möchte die Bürgerinitiative "Mannheim gibt Gas" nun auch auf die Straße gehen. Ihr Plan: Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der MVV vor dem Hochhaus in der Mannheimer Innenstadt demonstrieren.