SWR1: Ist bei Ihnen auch viel los in der Praxis?
Dr. Dieter Frego: Ja, wir gehören noch zu den Praxen, die auch häufig bei fieberhaften Virusinfekten Tests durchführen. Und wir haben momentan ganz viele Patienten, die positiv auf Influenza A und Influencer B getestet werden.
Auslöser von Erkältungen und Grippe
SWR1: Erkältungen werden durch Bakterien ausgelöst, die Gerippe durch Viren. Wie zeigt sich die Grippe und wie die Erkältung?
Frego: Erkältungen werden oft auch durch Erkältungsviren ausgelöst. Es ist nicht richtig, dass Erkältungen immer durch Bakterien ausgelöst werden. Die Erkältung führt zu einer Schwächung des Immunsystems des Körpers und macht uns anfällig für Erreger. Von daher muss man schon ein bisschen unterscheiden. Ich kann mich erkälten und dann eine bakterielle Infektion bekommen. Oder ich kann ein Erkältungsvirus bekommen und dann eine Erkältungserkrankung. Oder ich kann einen Grippevirus kriegen und dann eine echte Virusgrippe bekommen.
SWR1: Das heißt, wir müssen unterscheiden können, um zu beurteilen, was am besten dagegen hilft?
Frego: Selbstverständlich sind die Behandlungsformen all dieser Erkrankungen unterschiedlich. Ein banaler Schnupfen ist was anderes als eine Virusgrippe. Wobei der banale Schnupfen auch von Viren aufgelöst wird.
Alternative Behandlungen von Grippe und Erkältungen
SWR1: Sie sind auch Arzt für Naturheilkunde. Gibt es da auch wirksame Mittel?
Frego: Der Einsatz von Naturheilkunde hängt immer davon ab, wie das Gesamtbild des Patienten ist. Ist der Patient generell durch chronische Erkrankungen geschwächt, zum Beispiel durch Diabetes, Herzerkrankungen oder eine chronische Bronchitis? Oder hat der Patient von seiner Grundstatur ein festes Immunsystem und jetzt gerade nur einen Infekt? Man kann Naturheilverfahren nur dann einsetzen, wenn der Patient auch mit seinem Körper in der Lage ist zu reagieren.
Bei der Naturheilkunde gibt es verschiedene, differente Einsatzmöglichkeiten. Wir kennen die Homöopathie. Auch wenn sie bei vielen Menschen vielleicht ein Schmunzeln hervorruft, kann es doch sein, dass bei manchen Einsatzgebieten es sinnvoll ist, homöopathische Präparate zum Einsatz zu bringen.
Fit durch die kalte Jahreszeit Diese Hausmittel helfen gegen Erkältung
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Neben der Homöopathie gibt es die Pflanzenheilkunde. Man kann zum Beispiel mit Kamillenblüten oder ätherischen Ölen inhalieren, um die Bronchien zu befeuchten. Man kann mit Vitaminen und Spurenelementen arbeiten. Es gibt die Möglichkeit, bei fieberhaften Virusinfektionen, zum Beispiel Vitamin C-Infusionen, zur Stärkung des Immunsystems, zu geben. Man weiß, dass Zink beziehungsweise Vitamin D3 das Immunsystem deutlich verbessert.
Und dann gibt es noch Verfahren in der Naturheilkunde, wie zum Beispiel Eigenbluttherapie, um das Immunsystem zu stimulieren. Es hängt halt immer davon ab und ist relativ vielschichtig.
Was beugt einer Grippe oder Erkältung vor?
SWR1: Was halten Sie von Ingwer zur Vorbeugung?
Frego: Ingwer hilft auch als präventive Maßnahme, aber nicht allein. Wenn ich hingehe und Pflanzendinge nehme wie Ingwer, dann habe ich eine Immunstimulation. Auch Shiitake Pilze werden da eingesetzt. Aber es kommt darauf an, wie reaktionsbereit mein eigenes Immunsystem ist. Ich kann ein Immunsystem, das geschwächt ist, womöglich durch Ingwer gar nicht stimulieren.
Vitamine und Tee fürs Immunsystem? Erkältungsmythen im Check
SWR1: Wenn ich erkältet bin und mir geht es schlecht, ist ins Bett legen und Tee trinken eine gute Idee?
Frego: Viel trinken und sich vitaminreich zu ernähren ist immer eine gute Idee. Inhalieren hilft oftmals, um eine Infektion der Bronchien oder der oberen Nasennebenhöhlen glimpflich verlaufen zu lassen. Einfach damit der Schleim besser abläuft. Körperliche Schonung ist ganz wichtig in solchen Fällen.
SWR1: Wie schützen Sie sich selbst in ihrer Praxis, dass Sie sich nicht erkälten?
Frego: Wir haben es in den Praxen eigentlich relativ einfach, weil wir davon ausgehen, dass jeder Patient ansteckend ist. Von daher haben wir einen ganz anderen Umgang mit den Patienten, auch wenn das so nach außen nicht auffällt. Wir haben überall Desinfektionsmittel stehen. Das heißt, wenn ich ein Patient untersucht habe, werden meine Hände desinfiziert.
Und wir haben die Möglichkeit, dass wir zum Beispiel im Herbst unseren Vitamin-D- und Zink-Spiegel bei uns, unserem Personal oder in den Familien bestimmen und dann ergänzen, was wir brauchen für den nächsten Winter.
Zink- und Vitamin D-Einnahme bei Erkältung und Grippe
SWR1: Würden Sie das auch jedem anderen raten?
Frego: Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und es gibt die Möglichkeit einer Überdosierung. Ich würde auf jeden Fall zunächst mal den Spiegel bestimmen, um zu sehen, ob ich überhaupt Vitamin D brauche. Eine blinde Substitution ist nicht sinnvoll und kann eher zu Problemen führen.
Beim Zink ist es auch so. Es ist kein Problem, wenn ich mal, während eines Fieberinfektes, für eine Woche lang Zink nehme. Aber wenn ich sowas als Prophylaxe dauerhaft nehme, sollte man vorher einen Spiegel bestimmt haben, damit man weiß, dass man sich keinen Schaden zufügt.