#besserRadfahren in 6 Grafiken

Die Ergebnisse der Mitmachaktion im Detail

Stand

Von Autor/in Wenzel Steinig, Lena Wigand-Steinmetz

Wir haben gefragt: Wo in ihrem Ort oder auf ihrer Route sind Radfahrerinnen und -fahrer benachteiligt – durch schlechte Radwege, gefährliche Verkehrsführung oder zu wenig Platz? Verkehrsexperten der Hochschule Karlsruhe haben die Meldungen analysiert.

Knapp 7.000 der 10.756 im Rahmen der Mitmachaktion #besserradfahren eingegangenen Meldungen wurden vom wissenschaftlichen Team der Hochschule Karlsruhe detailliert ausgewertet. Dabei wurden auch Schilderungen von Unfällen oder Beinahe-Unfällen (Konflikten) gezählt. Ein Blick auf die fünf häufigsten Unfall- und Konfliktursachen zeigt: Allein drei beziehen sich auf zu enge Abstände zwischen Fahrrädern und Kfz. („Dooring“ bedeutet hier, dass eine Fahrzeugtür vor der Radfahrenden aufgeht.)

Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man die an der Gefahrensituation beteiligten Konfliktparteien betrachtet: Wenn Radler*innen Konflikte oder Unfälle im Zusammenhang mit anderen Verkehrsteilnehmern schildern, dann meistens mit PKW und LKW.

Die Hochschule Karlsruhe hat die eingegangenen Meldungen auch anhand der amtlichen Unfalltypen kategorisiert. Dabei zeigt sich, dass Konflikte und Unfälle im „Längsverkehr“ weit vorne liegen: Viele Teilnehmende der Mitmachaktion haben also zu enges Überholen oder zu enges Begegnen entgegenkommender Fahrzeuge beschrieben. An dritter Stelle steht (vielleicht überraschend) der Fahrunfall - ein Unfall, bei dem keine anderen Verkehrsteilnehmer beteiligt sind (zum Beispiel wegen schlechtem Bodenbelag). 

Zum Vergleich haben wir die Ergebnisse einer Erhebung von Unfallursachen durch die Unfallforschung der Versicherer von 2013 mit aufgeführt. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen der subjektiven Wahrnehmung der Teilnehmer*innen der SWR-Mitmachaktion und der Statistik der Versicherer. Situationen im Längsverkehr (etwa Überholen) werden zwar sehr negativ wahrgenommen, der Großteil der Unfälle passiert jedoch beim Ein- oder Abbiegen.

Zoomt man weiter aus den Daten heraus und schaut auf alle 10.756 eingegangenen Meldungen, fällt besonders die inkonsistente Radwegführung auf: Fehlende oder mangelhafte Radwege sind die am häufigsten gemeldeten Probleme.   

Insgesamt sind mehr Meldungen aus Städten als aus ländlichen Gegenden eingegangen. Wenn man die Meldungen nach Region unterscheidet, zeigt sich: Die Probleme sind ähnlich. Auffällig ist aber, dass fehlende Radwege auf dem Land deutlich öfter gemeldet wurden, zu schmale Radwege hingegen in Städten ein größeres Thema sind.

In knapp 2.000 Meldungen haben die Teilnehmenden ein Gefühl von Unsicherheit beschrieben. Ordnet man diese Meldungen nach der jeweiligen Art des Weges, zeigt sich, dass Fahrrad-Schutzstreifen - deren Markierung Autos „bei Bedarf“ überfahren dürfen - besonders oft als unsicher empfunden wurden. Land- und forstwirtschaftliche Wege hingegen, auf denen vergleichsweise selten andere Verkehrsteilnehmer angetroffen werden, wurden vergleichsweise selten mit Sicherheitsbedenken verknüpft.

Analyse von mehr als 10.000 Meldungen zu #besserRadfahren Das sind die größten Probleme im Radverkehr

Wo kann die Situation der Radfahrerinnen und Radfahrer im Südwesten (noch) besser werden? Auf diese Frage haben wir von Ihnen mehr als 10.000 Hinweise bekommen. Jetzt liegt die Auswertung vor.

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Wenzel Steinig
Lena Wigand-Steinmetz

Kommentare (14)

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  1. Kommentar von
    Ysanne
    Verfasst am

    Ganz ehrlich: Menschen ohne Erleuchtung gibt es immer. Aber man sollte solche Erlebnisse nicht als Beweis dafür nehmen, dass alle dumm, asozial oder sonstwie furchtbar sind.

  2. Kommentar von
    Richard Hess
    Verfasst am

    Leider habe ich Ihre Aktion erst jetzt gelesen, möchte jedoch ein sehr wichtigen Punkt nachmelden, da er bei all Ihren Kommentaren gar nicht vorkommt.Beschilderung von Radwegen. Die Schilder stehen immer auf Kreuzungen, Vorwegweiser gibt es nicht, bei längeren Touren mußt ich an jeder 2. Kreuzung absteigen und die Beschilderung suchen. Zudem sind sie selten konsistente. Auf einem wird ein Ort angegeben, der auf dem nächsten Schild durch einen anderen Ort ersetzt wird. Ratschlag, wenn eine Beschilderung gemacht wird, immer einen "Gebietsfremden mitnehmen".Außerdem gibt es an einer Kreuzung ein Wegweiser an der nächsten fehlt er. Besonders fehlen Hinweisschilder auf Radwegen am Ortsausgang. Oft fahre ich 100 - 200 Meter bevor ich den Radweg entdecke und mußt dann über einen Graßstreifen usw. mein Fahrrad schieben. Schön wäre es auch auf die Beschaffenheit von Radwegen hin zuweisen (Feldweg

  3. Kommentar von
    Arno
    Verfasst am

    Die Straßenverkehrsordnung legt in Paragraf 5, Absatz 8 fest: „Ist ausreichender Raum vorhanden, dürfen Rad Fahrende und Mofa Fahrende die Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen.“ Als Radfahrer bin ich bekloppt, wenn ich in den Schwenkbereich eines LKWs fahre. Aber wenn der an der Ampel steht und Platz ist, kann und darf ich auch vorbei fahren. Wie genau soll das gehen, dass ein Radfahrer einen Führer eines KFZs bewusst schädigt? Indem er sich überfahren lässt? Ach wie schön wäre es, wenn Führerscheinentzug und Geldstrafen helfen würden. Keine Raser, keine Drängler, keine Falschparker ...

  4. Kommentar von
    Arno
    Verfasst am

    Sie waren Fußgänger oder Autofahrer? Als Führerscheininhaber sollten Sie wissen, dass man Rücksicht nimmt - erst recht auf unqualifizierte Verkehrsteilnehmer. Mache ich auch Täglich. Egal ob (als) Autofahrer, Fußgänger oder Radfahrer. 2020 gab es 48.230 Unfälle mit Personenschaden zwischen PKW und Fahrrad. In den fast allen Fällen blieb der Pkw-Fahrer unverletzt. Fahrradfahrer zahlen oft mit Ihrem Körper für eigene und fremde Fehler. Gerade erst wurde eine Karikaturistin vom LKW überfahren, weil Sie vom Fahrradstreifen runter musste. Dort war ein Geldtransporter geparkt. Fahrer des Geldtransporter und des LKWs waren beide wahrscheinlich sogar Profi-Fahrer, die Fahrzeuge versichert. Genutzt hat es Ihr nix. Der eine setzt sich über Regeln hinweg, der andere kann nicht vorausschauend fahren.

  5. Kommentar von
    Arno
    Verfasst am

    Landstraße, fast 5km geradeaus. LKW Tempo 90 km/h, PKW Tempo 120 km/h, Fahrrad Tempo 35km/h. Überholt wird trotz Gegenverkehr. Der Abstand wird nicht eingehalten aber es passiert kein Unfall, also geht der Vorfall auch nicht in die Statistik ein. Mein Gefühl: Autofahrer fühlen den Druck des Hintermannes, LKWs den Zeitdruck. Besitzer eines 158PS Autos (Durchschnitt 2019) wollen nicht mit 30 hinter einem Fahrrad rumgurken. Ich hatte auf Landstraßen schon ein paar mal das Totenhemd an. ABER: Gerade auch in letzter Zeit gab es Autofahrer, die an unübersichtlichen Stellen, auch bergauf mit max 15 km/h, hinter mir blieben bis überholen unproblematisch war! Vielen Dank, ich weiß das zu schätzen.

  6. Kommentar von
    Wenzel Steinig
    Verfasst am

    Hi Ysanne, danke für Deine Nachfrage, laut der Definitionen der Unfallforschung (FGSV) unterscheidet sich das Einbiegen vom Abbiegen grob dadurch, dass beim Einbiegen Wartepflichtige und Vorfahrberechtigte von verschiedenen Straßen beteiligt sind, während sie beim Abbiegen auf derselben Straße unterwegs sind (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Unfalltyp), d.h. die Bewegungsrichtungen kurz vor dem Unfall waren quer respektive parallel. Es gibt wie immer Grenzfälle und Besonderheiten, beispielsweise gilt ein Unfall beim Abbiegen, bei dem ein Auto gegen ein zu weit vorne haltendes fährt, als "Einbiegen/Kreuzen-Unfall". Andersherum gilt das Abbiegen von einer Kreuzung über die Gegenspur, bei dem man mit einen entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer zusammenstößt, als "Abbiegeunfall". Näheres kannst du dem Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen entnehmen.

  7. Kommentar von
    E-Bikerin
    Verfasst am

    @Fischkopp 77: So wahr! Mir geht es ähnlich, aber ich merke, wie viel entspannter es wird, wenn es mal einen abgetrennten Streifen gibt, auf dem genug Platz ist (egal ob auf dem Auto oder auf dem Rad). Vielleicht ist Tempo 30 in den Innenstädten ein Weg zu mehr Entspannung...

  8. Kommentar von
    Fischkopp 77
    Verfasst am

    Erst mal danke für den sehr interessanten Artikel. Thema Radverkehr und Verkehrwende finde ich schon bedeutend für unsere Zukunft. Ich bin täglich mit dem Rad unterwegs, fahre auch schnell aber halte mich an die Regeln. Weil es oft sinnvoll ist und weil ich weiss wie sehr sonst das Image der Radfahrer leidet. Generell kann ich allen Verkehrteilnehmern empfehlen mit einem Lächeln im Gesicht zu fahren. Fällt nicht immer leicht, aber man reagiert entspannter und freundlicher auf unschöne Situationen. Viele Radfahrer wünschen sich Zustände wie in Kopenhagen oder Groningen usw. Da würde aber so mancher mit seinem Fahrverhalten mächtig Ärger kriegen. Mit Vorsicht und Freundlichkeit aller Verkehrteilnehmer wäre das Leben für alle entspannter.

  9. Kommentar von
    E.Schuhmann
    Verfasst am

    Ach, die armen, heiligen Radfahrer. Erst kürzlich kam mir im Nachbarort abends bei beginnender Dunkelheit ein jüngerer Mann auf dem Rad entgegen. Auf meiner Seite (!), ohne Licht und auf dem externen Hirn lesend. Radfahrer sind aus meiner Sicht die unqualifiziertesten Verkehrsteilnehmer! Für mich unverständlich, warum die keinen Führerschein haben müssen und unversicherte Fahrzeuge bewegen dürfen.

  10. Kommentar von
    peter neubert
    Verfasst am

    erst einmal danke für den klasse fahrradbeitrag. in berlin gibt es lkw mit aufklebern am heck "hier halt für fahrradfahrer". jeder radfahrer kennt die gefahr der lkw/buse u.s.w., aber nein den §1 der stvo besagt die gegen seitige rücksichtnahme und damit habe ich recht als erster oder rot über die ampel zufahren. da der größte teil der fahrradfahrer auch einen führerschein besitzt, ist es für mich nicht erklärlich wieso diese sich als radfahrer im verkehr provokant gegen andere fahrzeugführer verhalte. kein führer eines kraftfahrzeugs wird es bewust darauf anlegen einen anderen zu schädigen und sich damit ewige vorwürfe machen. führerscheinentzug und hohe geldstrafen für radfahrer würden helfen. peter