EKD Synode: Kommentar zur Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung

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Von Autor/in Nela Fichtner

Movo:
Im Ulm wurde gestern bei der EKD-Synode, dem Kirchenparlament der Ev. Kirche in Deutschland, eine große religionssoziologische Studie vorgestellt, die sogenannte Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung. Zum ersten Mal hat sich daran auch die katholische Kirche beteiligt. Neu ist auch, dass nicht nur Kirchenmitglieder befragt wurden, sondern auch andersgläubige und konfessionslose Menschen. Wichtigstes Ergebnis: Nicht nur die Kirchenbindung geht zurück, sondern auch die Religiosität: nur ein Fünftel der Bevölkerung ist noch eindeutig gläubig, 56 % sind entschieden säkular, Tendenz steigend. Und selbst die Kirchenmitglieder sind zu einem Drittel nicht mehr religiös. Ein Ergebnis, das die Kirchen vor große Herausforderungen stellt. Wie kann und soll sie damit umgehen? Nela Fichtner kommentiert.

Lange ging man davon aus, dass Kirchenaustritte nicht zwangsläufig mit Ungläubigkeit verbunden seien. Dass sich die Ausgetretenen einen persönlichen Glauben aus verschiedenen Religionen zusammenschusterten. Also versuchten die Kirchen passende Angebote zu machen. Doch schon die Grundannahme war falsch. Laut der Studie hatte außerkirchliche Spiritualität nur in der Esoterikwelle der 80er und 90er Jahre Erfolg und ist heute kaum noch relevant.
Der Fall zeigt, wie wichtig empirische Daten sind, um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können. Die neuen Erkenntnisse legen nämlich ganz andere Schlüsse nahe. Kirche muss sich darauf einstellen, eine wachsende säkulare Mehrheit zu erreichen. Nicht mit dem -laut Studie- aussichtslosen Ziel, sie als Mitglieder zurückzugewinnen oder für den Glauben zu begeistern. Sondern, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ähnliche Werte auszuloten und sich gemeinsam dafür stark zu machen. Das schätzen auch nicht-religiöse Menschen an der Kirche. Die Mehrheit der Befragten will, dass die Kirchen sich weiterhin in gesellschaftliche Debatten einbringen und ihr soziales Angebot aufrecht erhalten. Doch neben dem „Weiter so“ auf gesellschaftlicher Ebene,
gibt es auch Nachholbedarf: Die Untersuchung zeigt, dass die Kirchen vor allem gut ausgebildete und gesellschaftlich integrierte Menschen anspricht, während sie die wirtschaftlich schwachen, bildungsfernen Schichten kaum erreicht. Um diese Menschen muss sich Kirche stärker bemühen, auch da nicht im Sinne der Mitgliederwerbung, sondern, um sie zu stärken und mit ihnen fürs Gemeinwohl zu kämpfen.
Die Kraft dafür schöpfen nicht alle, aber doch viele Kirchenmitglieder aus ihrem Glauben. Nicht-religiöse Menschen dagegen haben andere Kraftquellen, die ihnen im besten Fall ebenso viel Halt geben. Insofern finde ich die rückläufige Religiosität nicht erschreckend. Zumindest, solange die Menschen bereit sind fürs Gemeinwohl einzutreten, die Zivilgesellschaft und die Demokratie zu stärken. Da leisten die Kirchen nachgewiesenermaßen viel. Wenn sie diese Stärke behalten, für Toleranz und soziale Gerechtigkeit eintreten, Zuversicht und Hoffnung vermitteln, ist sie aus meiner Sicht auch für die Zukunft gewappnet. Ob die Menschen nun glauben oder nicht.

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