Immer mehr Menschen geraten an unseriöse Handwerker - das sagt eine Rohrreinigungsfirma aus Dornstadt (Alb-Donau-Kreis) nahe Ulm. Die Masche gebe es schon länger, aber sie komme immer häufiger vor. Unseriöse Handwerker lösen das Problem nicht, verlangen aber ordentlich Geld. Wie beim Enkeltrick ist auch hier ein wichtiger Schritt: eine umfangreiche Aufklärung über die Betrugsmasche.
Schnelle "Hilfe" in Notlagen
"Für uns war das eine Notsituation", erinnert sich Thomas Gauß aus Ulm an jenen verhängnisvollen Freitag, als bei ihm im Haus beide Toiletten gleichzeitig verstopft waren. "Wir sind zu dritt. Und am Wochenende keine Toilette, das ist schlecht." Sofort setzt er sich an seinen PC und sucht nach Hilfe. Die findet er auch schnell: Eine vermeintliche Rohrreinigerfirma, direkt aus der Umgebung mit tollen Bewertungen.
Innerhalb einer halben Stunde sind zwei Mitarbeiter der Firma vor Ort. Nach ein paar laienhaften Eingriffen stellen die "Handwerker" fest: Sie können hier nicht helfen, der Boden müsse aufgerissen werden. Dennoch verlangen sie viel Geld. 400 Euro soll Thomas Gauß bezahlen. Und zwar bar! Nachdem die beiden Betrüger Druck machen, kommt er schließlich der Forderung nach. "Man kennt sich ja nicht aus, man weiß nicht, was ist da wirklich kaputt."
Rohrreinigerfirma aus Dornstadt schlägt Alarm
In seiner Verzweiflung wendet sich Thomas Gauß nach einem Tipp an die Firma Rohrfrei-Ulm aus Dornstadt. Die beheben das Problem innerhalb kurzer Zeit, und zwar für die Hälfte des Geldes. Sowas ist längst kein Einzelfall mehr, erzählt Geschäftsführer Enrico Hiller. "Das Problem ist, dass die Betrüger unsere Branche kaputt machen." Manchmal seien die Schäden sogar noch größer, nachdem die Betrüger Hand angelegt haben.
Immer öfter müssen sie sich deshalb schon vorab bei den potenziellen Kundinnen und Kunden rechtfertigen. Besonders dreist: Manchmal geben sich die Betrüger sogar als die Firma von Enrico Hiller aus. Der muss dann erstmal die Kundinnen und Kunden davon überzeugen, dass sie auf Betrüger reingefallen sind. Dafür ortet er mittlerweile die Autos seiner Mitarbeiter mit GPS, damit er beweisen kann, dass sie nicht vor Ort waren.
Falsche Rohrreiniger: Um 1.700 Euro betrogen
Enrico Hiller kennt ein weiteres Betrugsopfer, ein Kunde, der nicht erkannt werden will. Bei dem Mann stand damals die Waschküche unter Wasser. Auch hier waren zwei Handwerker vor Ort, die sind aber nach zwanzig Minuten wieder unverrichteter Dinge abzogen. Nicht aber ohne zuvor 1.700 Euro zu verlangen.
Das Betrugsopfer ist sich sicher: Die beiden "Handwerker" haben extra einen Moment abgewartet, bis sie mit dessen Frau kurz alleine waren, um sie zur Zahlung zu drängen. Dieses Mal mit EC-Karte. Über die Transaktionsnummer der Überweisung hat das Betrugsopfer noch versucht, an die Betrüger heranzukommen, landete aber in einer Sackgasse.
Verbraucherzentrale Ulm gibt Tipps
Die Betrugsmasche ist auch schon längst bei der Verbraucherzentrale Ulm bekannt. Sylvia Scheibenberger rät deshalb, sich auf solche Notlagen vorzubereiten. Am besten in Ruhe schon jetzt seriöse und örtliche Dienstleister für jeden möglichen Fall recherchieren und beispielsweise eine Liste zu Hause aufhängen.
Liegt so eine Liste nicht vor und muss es in einer Notlage dann doch mal schnell gehen, sei es wichtig, auf der Internetseite zunächst über das Impressum zu prüfen, ob das ausgewählte Unternehmen wirklich ortsansässig ist. Bei der ersten Kontaktaufnahme rät Scheibenberger, direkt nach einem Preis zu fragen. "Ein seriöser Handwerker wird schon in dieser Phase sagen können, wie hoch die Kosten sind."
Wenn die Handwerker dann vor Ort sind, solle man zunächst auf das äußerliche Erscheinungsbild achten, so Enrico Hiller. Werden Arbeitsschuhe und Firmenkleidung getragen und bringen die Handwerker moderne Maschinen mit oder eher Werkzeug, das jeder in einem Baumarkt kaufen kann. Auch ein Blick auf das Firmenauto schadet nicht.
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Rechnungen genau prüfen
Entscheidend ist der Moment, wenn der Handwerker mit der Arbeit fertig ist. "Prüfen Sie genau, was hat er tatsächlich gemacht, ist das Problem behoben", rät Sylvia Scheibenberger. Die Rechnung solle man in Ruhe prüfen und sich auf keinen Fall zu einer Barzahlung drängen lassen.
Es gebe einige Hinweise für Doppelberechnungen. Zum Beispiel, wenn Arbeitszeit, eine Einsatzpauschale und zusätzliche laufende Meter Rohr berechnet werden, treibt das "die Kosten unangemessen in die Höhe", so Scheibenberger. Auch bei Notfallzuschlägen für Wochenend- und Nachteinsätze wird oft getrickst. Diese seien zwar angemessen, aber nur auf Lohn sowie lohnabhängige Kosten und nicht auf den ganzen Betrag.
Ist es wie bei Thomas Gauß aber schon zu spät, und die Betrüger sind mit dem Geld abgehauen, solle man dennoch zur Polizei zu gehen, so Scheibenberger. Dort wird geprüft, ob wirklich ein Straftatbestand vorliegt.