Eigentlich ist es "nur" eine Bürgermeisterwahl in der 3.000-Einwohner-Gemeinde Simonswald (Kreis Emmendingen). Doch das Ergebnis ist denkwürdig: Die parteilose Kandidatin Britta Dohmen fährt einen deutlichen Sieg ein. Sie erhält knapp 83 Prozent der Stimmen. Der bisherige Amtsinhaber Stefan Schonefeld bekommt gerade mal sechs Prozent. Er wird Letzter - hinter dem dritten Kandidaten Jan Hug (knapp 11 Prozent).
Handy von Britta Dohmen steht nicht mehr still
Als das Ergebnis am Sonntagabend verkündet wird, bricht Jubel rund um die 44-jährige Wahlgewinnerin aus. Für sie selbst war der Moment surreal, sagt sie am Tag danach dem SWR.
Ich habe mich so gefühlt, als hätte ich einen Filmriss.
Danach hätten ihr viele Leute gratuliert. Ihr Handy habe nicht mehr still gestanden. Auch schon davor habe sie viel Zuspruch bekommen. Aber hat sie mit diesem eindeutigen Ergebnis gerechnet? Nein, sagt Dohmen. Sie habe "niemals" damit gerechnet, dass sie sich so deutlich gegen den Amtsinhaber und den anderen Konkurrenten durchsetzen wird.

Ohne Plakate: Authentischer Wahlkampf als Erfolgsrezept?
Wie hat sie das also geschafft? Dohmen selbst meint: mit ihrer Ehrlichkeit. Das sei der entscheidende Punkt gewesen. Sie habe sich am Anfang vom Wahlkampf vorgenommen, alles so ehrlich und authentisch wie möglich zu handhaben. Gleichzeitig hat sie im Wahlkampf Vieles anders gemacht als andere: Sie hat keine Plakate aufgehängt, keine Agentur beauftragt. Ihre Homepage hat sie selbst gebaut.

Von der Krankenschwester zur Bürgermeisterin
Bürgermeisterin zu werden, war lange gar nicht das Ziel von Britta Dohmen.
Mein Kindheitswunsch war es immer, Krankenschwester zu werden.
Diesen Wunsch hat sie in die Tat umgesetzt. 2002 war sie noch Pflegekraft in der chirurgischen Notaufnahme des St. Josefskrankenhauses in Freiburg. Aber schon während der Ausbildung bemerkte sie, dass Büroarbeit und administrative Aufgaben ihr deutlich mehr Spaß machen, erzählt sie. Die Idee, tatsächlich Bürgermeisterin zu werden, kam sehr viel später. Ihr berufliches Umfeld habe sie letztlich dazu inspiriert, zu kandidieren. Dohmen arbeitet aktuell bei der Stadt Freiburg in der Kämmerei.
Neuanfang mit einer Frau: Wechselstimmung in Simonswald
Für viele Leute im Ort ist das Ergebnis nicht so überraschend, wie es von außen auf den ersten Blick erscheinen mag. "Wir haben mit sowas gerechnet", sagt eine Passantin. Ein Mann meint: "Für mich war klar, dass ich den alten Bürgermeister nicht noch einmal wähle." Ein anderer Wähler sagt, er sei froh, dass eine neue Bürgermeisterin kommt. Dohmens Programm gefalle ihm. "Eine Frau an die Macht! Vielleicht mal was Anderes."
Wenige Frauen sind Bürgermeisterinnen in BW
Dohmen ist eine von wenigen Frauen, die den Chef(innen)sessel in einem Rathaus einnehmen. Laut einer Studie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes liegt der Frauenanteil im Bürgermeisteramt lediglich bei 13,5 Prozent. Entsprechend wird etwas weniger als jede siebte Gemeinde von einer Frau geleitet. In Baden-Württemberg liegt der Anteil von Bürgermeisterinnen sogar nur bei rund zehn Prozent.
Dohmen meint, das liege auch daran, dass viel weniger Frauen kandidieren. Sie denkt, Männer würden sich oft nicht so viele Gedanken darüber machen, wie eine Wahl ausgeht. Frauen hingegen sei es wichtiger, dass sie ihre Sache gut machen, dass die Wahl tatsächlich positiv für sie ausgeht. Außerdem würde die Familienplanung eine entscheidende Rolle spielen.