Am Sonntagabend treffen Olaf Scholz und Friedrich Merz im TV-Duell aufeinander. Sabine Brütting hat einen Wunschzettel an die beiden Kandidaten geschrieben:
Liebe Kanzlerkandidaten,
ein Wunschzettel ist ja bekanntlich keine Bestellliste – zumindest sage ich das meinen Kindern jedes Jahr vor Weihnachten. Aber so ein paar Wünsche, was ich heute Abend von Ihnen gerne hören würde, habe ich doch.
Ich möchte zum Beispiel gerne Ideen dafür hören, wo und wie Familien wie meine künftig wohnen werden. Und damit meine ich nicht, ob die Wohnung oder das Haus energetisch auf dem neuesten Stand ist, sondern wie wir überhaupt passenden Wohnraum finden und bezahlen sollen. Und das sage ich aus einer relativ privilegierten Lage heraus, denn mein Mann und ich, wir sind beide berufstätig. Trotzdem habe ich Angst, dass uns morgen die Eigenbedarfskündigung meines Vermieters ins Haus flattert und wir mit drei Kindern keine neue Wohnung finden. Welche Lösungsvorschläge haben Sie dafür, dass die Miete selbst auf dem Dorf kaum noch bezahlbar ist und man sich mit dem Bau eines Hauses bis in die nächste Generation hinein verschuldet?
Ich wünsche mir außerdem, dass Sie beide mir heute Abend Ideen präsentieren, wie wir unsere Kinder zu verantwortungsbewussten Menschen erziehen können, und dabei gleichzeitig auch die Pflege für unserer Eltern mittragen sollen. Wollen Sie generationsübergreifendes Wohnen besonders fördern? Sollen wir mehr für die Pflegeversicherung aufbringen? Und wenn ja, wie sollen wir im Job die Arbeitsstunden dafür leisten, wenn die Betreuung der Kinder in der Kita auf so wackeligen Füßen steht wie im Augenblick?
Liebe Kandidaten, Sie müssen mir heute Abend keine fertigen Lösungen präsentieren. Aber wenn ich mir eines wünschen dürfte: Eine ehrliche,
gerne auch leidenschaftliche Diskussion über diese Themen, die mich und viele Menschen um mich herum beschäftigen, wäre toll.
Beste Grüße
Ihre Sabine Brütting