Beim bundesweiten Warntag am Donnerstag setzte die Stadt Aichtal (Kreis Esslingen) auf neue Wege: In Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber Netze BW waren dort Sirenen an Straßenlaternen installiert worden. Insgesamt zehn solcher Sirenen sind mittlerweile im Rahmen eines Pilotprojekts in allen Stadtteilen Aichtals platziert worden.
Der Sirene folgte eine Warnung vor Hochwasser
So tönten diesen Donnerstag in Aichtal quer durch alle Ortsteile die Sirenen - und dann folgte ein ebenso lautes: „Achtung, Achtung – es besteht eine akute Bedrohungslage durch Hochwasser und Überschwemmung“. So könnte es auch im Ernstfall klingen, wenn der Flusspegel der Aich zu hoch ansteigt - und zwar nur dort, wo tatsächlich auch eine prekäre Lage zu befürchten wäre. Bürgermeister Sebastian Kurz (Freie Wähler) hatte sich vor Ort ein Bild von der Übung gemacht und zeigte sich anschließend zufrieden.
Aichtal: Probealarm an jedem Samstag
Erschrocken waren am Warntag wohl die wenigsten Bürger: Das Warnsystem in Aichtal wurde ohnehin schon umfassend erprobt. Seit Juli gibt jeden ersten Samstag im Monat um 12 Uhr einen Probealarm. Dieser dient der Überprüfung der Sirenen und findet parallel zur monatlichen Probealarmierung der Feuerwehren im Landkreis Esslingen statt. Bürgermeister Kurz plant, das städtische Warnsystem noch weiter auszubauen: „Wir haben festgestellt, dass wir doch noch die ein oder anderen Gebiete haben, wo wir die Bürger noch nicht sicher erreichen können.“
Sirenen an Laternen sind flexibel einsetzbar
Zustande kam das Projekt durch eine Zusammenarbeit mit Netze BW, die die Sirenen kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Ist der Probezeitraum der Sirenen abgelaufen, müsste die Stadt ungefähr zwei- bis dreitausend Euro pro Sirene investieren – laut Bürgermeister Kurz ein Betrag, der für die Kommune immer noch sehr günstig ist.
Der Vorteil sei, dass die Gemeinde durch die Straßenlaternen eine bereits bestehende Infrastruktur nutzen kann. Außerdem lasse sich konkret auswählen, welche Sirenen einen Warnton senden und welche nicht. So könne in einer Bedrohungslage punktuell gewarnt werden und mit gesprochenen Durchsagen ergänzt werden, sagt Kurz.
Keine Sirenen in Stuttgart am Donnerstag
Während im Aichtal sozusagen die Laternen heulten, blieb es diesen Donnerstag im nahen Stuttgart still - bis auf die Handys, die um die Wette schrillten. Der Sprecher der Feuerwehr Stuttgart, Daniel Anand, erklärte, dass die Bevölkerung der Landeshauptstadt in Gefahrenlagen trotzdem gut ausgestattet sei: Die Stadt nutze die gängigen Systeme wie den Rundfunk und das bundesweite modulare Warnsystem (Mowas). Letzteres sendet per sogenannten Cell Broadcast Mitteilungen an alle erreichbaren Smartphones im Alarmierungsgebiet. So können die Behörden flächendeckend über mögliche Katastrophenlagen informieren.
Lediglich bei regionalen Gefahren wie Gefahrgut-Austritten warne man direkt mit den Sirenen von Feuerwehrfahrzeugen die Menschen, so Anand. Trotzdem möchte man in Stuttgart zukünftig noch besser gerüstet sein. So plane man einen Ausbau der städtischen Sirenen. Das Projekt solle bald ausgeschrieben werden. Bei der Umsetzung soll die Topografie der Stadt Stuttgart berücksichtigt werden.
Kommunen in der Region beteiligten sich unterschiedlich am Warntag
Das Engagement allgemein in der Region Stuttgart zum bundesweiten Warntag fiel von Kommune zu Kommune unterschiedlich aus. Im Kreis Ludwigsburg waren insgesamt rund hundert Sirenen zu hören, die auf den Dächern öffentlicher Gebäude montiert sind. In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) dagegen gibt es keine fest installierten Sirenen mehr. Dort setzt man auf eine mobile Alarmierung durch Fahrzeuge.
In einigen Stadtteilen Nürtingens (Kreis Esslingen) waren Lautsprecherdurchsagen zu hören, die durch die Fahrzeuge verschiedener Hilfsdienste ergänzt wurden. Und in und um Leonberg (Kreis Böblingen) war wie in Stuttgart keine einzige Sirene zu hören.