Lange Staus, hupende Züge auch mitten in der Nacht, entnervte Verkehrsteilnehmer und besorgte Anwohner - seit Mitte Juni ist der Wurm drin an den Bahnübergängen in Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis). Bürgermeister Joachim Markert (CDU) kämpfte über Wochen um Gehör bei der Deutschen Bahn (DB). Nun bewegt sich endlich etwas. Am Dienstag hatten sich Vertreter der DB mit der Verwaltungsspitze zu Gesprächen getroffen.
SWR4-Moderator Jens Nising hat mit SWR-Reporterin Rosi Düll über die Situation in Grünsfeld gesprochen:
Verfahrene Situation bei Bahnübergängen in Grünsfeld
Eine schnelle Lösung soll her in Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis) - seit Mitte Juni sorgen hier technische Probleme auf der Zugstrecke zwischen Würzburg und Lauda für Dauerärger. Betroffen sind drei Bahnübergänge im Bereich Grünsfeld und Zimmern (Main-Tauber-Kreis), an denen die Schranken nicht mehr automatisch funktionieren. Züge auf der Frankenbahn fuhren im Bereich der Übergänge plötzlich auf Sicht und gaben laute Signaltöne ab. Für die Anwohnerinnen und Anwohner eine untragbare Situation.
Lokführerinnen und Lokführer mussten an den Schranken aussteigen und "schlüsseln". Bedeutet: Die Schranken, die sich nicht mehr von alleine absenkten oder hoben, wurden mittels eines Spezialschlüssels manuell am Schaltkasten gesteuert, damit der Zug sicher passieren konnte. Die Zahl der Verspätungen stieg immer weiter an.
Nach zwei Wochen reagierte die Deutsche Bahn und postierte Personal an den Schranken. Eine Entlastung für Lokführer, Zugreisende und die schlaflosen Grünsfelder. Keine Verbesserung dagegen für Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Durch die manuelle Steuerung bilden sich lange Staus an den Übergängen. Jeder, der passieren will, muss Wartezeiten bis zu 20 Minuten auf sich nehmen.
Züge fahren bei geöffneter Schranke durch
Die Warterei sorge nicht nur für Ärger bei den Autofahrern, sie sei auch gefährlich, macht Bürgermeister Markert deutlich. Teilweise seien die Übergänge personell nicht besetzt, Züge würden bei offenen Schranken durchfahren, beobachtet er.
Noch größere Bauchschmerzen mache ihm aber die Situation für Feuerwehr und Rettungskräfte. Auf der anderen Seite des Übergangs befindet sich ein großes Waldgebiet. Bei einem Waldbrand könnte die Verzögerung ernste Konsequenzen nach sich ziehen. "Wenn es brennen sollte, hat die Feuerwehr keine Möglichkeit, schnell an den Brandort zu kommen", so Bürgermeister Markert.
Bei den Anwohnern im Süden von Grünsfeld wächst zudem die Sorge, ob die Rettungsdienste bei einem Notfall rechtzeitig zu ihnen kommen.
Bahn rührt sich lange nicht
Sowohl Einwohner als auch Gemeindeoberhaupt wandten sich nach eigenen Aussagen mehrfach an die Deutsche Bahn. Auf Rückmeldung warteten sie vergeblich. "Wir wurden nicht informiert. Weder über die Probleme noch über eine mögliche Lösung", so Markert weiter.
Vierzehn Tage nach Beginn der Probleme reagierte das Unternehmen per E-Mail. Mit ernüchterndem Inhalt: Erst mit der Modernisierung der Bahnsteige könne auch das technische Problem an den Übergängen behoben werden. Planmäßig sei das 2024 der Fall. "Scheinbar, so wurde uns erzählt, stammt die Technik noch aus dem Kaiserreich. Und es gibt wohl auch kaum Ersatzteile", sagt Bürgermeister Markert.
Ein Jahr lang warten, bis sich etwas tut: für die Gemeinde untragbar. Bürgermeister Markert erhöhte den Druck und erreichte ein erstes persönliches Gespräch mit Vertretern der Bahn am Dienstag.
Schnelle Lösung in Sicht?
Das Ergebnis: Eine Sonderverkehrsschau soll stattfinden. Vertreter von Stadtverwaltung, Polizei, Verkehrsbehörde und Deutscher Bahn wollen sich den Istzustand gemeinsam direkt vor Ort ansehen und nach Lösungen suchen. Das teilte Grünsfelds Hauptamtsleiter Jürgen Umminger auf SWR-Anfrage am Mittwoch mit.
Nun ist auch klar, wo das Problem liegt: Wegen poröser Kabelummantelungen sei Feuchtigkeit ins Kabelinnere gedrungen. Weil alle drei Bahnübergänge zusammengeschaltet seien, überträge sich das technische Problem der einen Querung auf die anderen.
Ob die Technik jetzt vielleicht doch schneller als bis zur planmäßigen Modernisierung 2024 erneuert werden kann, ist noch unklar. Die Bahn sei bestrebt, die Maßnahme vorzuziehen, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Noch müssen sich die Grünsfelder also weiter in Geduld üben, jetzt ist die Bahn am Zug.