Der Vulkanausbruch auf der isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich bereits seit Monaten angekündigt. Könnte man mit einem Röntgenblick unter die Erde im Ausbruchsgebiet blicken, so würde man eine Art langen Tunnel sehen, gefüllt mit heißem Magma. Er erstreckt sich über eine Länge von mindestens zehn Kilometern von Nordosten nach Südwesten der Halbinsel Reykjanes.
Erdbeben kündigten den Vulkanausbruch auf Island an
Statt mit einem Röntgenblick schauen Vulkanologen auf die Erdbebenaktivität, um einen Einblick in die Vorgänge unter der Erde zu bekommen. Der Vulkanausbruch auf Island hatte sich in den letzten Monaten durch eine ganze Reihe von schwächeren Erdbeben angekündigt, wie der Geophysiker Joachim Ritter vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erklärt. Ritter betreibt selbst Erdbebenforschung in Vulkangebieten, wie beispielsweise der Eifel.
SWR Science Talk Erdbeben in Deutschland
Wie groß ist das Risiko von Erdbeben und Vulkanaktivitäten in Deutschland? Damit beschäftigt sich der Geophysiker Joachim Ritter vom Karlsruher Institut für Technologie.
Austritt von Lava aus eine Erde sieht nicht wie ein klassischer Vulkanausbruch aus
Ein Teil des großen Tunnels hat sich nun in Form eines etwa vier Kilometer langen Spalts einen Weg an die Erdoberfläche gebahnt. Inzwischen hat sich der Spalt an einigen Stellen wieder geschlossen. Dem klassischen Bild eines Vulkanausbruchs, bei dem explosionsartig Lava aus der Spitze eines Vulkankegels austritt, entspricht das nicht. In einer Vulkanspalte brodelt es eher über einen längeren Zeitraum. Auf Island sei das ein sehr häufiger Ausbruchstyp, erklärt Ritter:
Bisher ist nicht absehbar, wann der Vulkanausbruch in Island zu Ende ist
Schon seit 2019 treten in dem Gebiet vermehrt Erdbeben auf. 2021 und 2022 gab es bereits kleinere Ausbrüche, ein weiterer ereignete sich erst diesen Sommer. Der jetzige Ausbruch stellt diese Ausbrüche zwar in den Schatten, historisch gesehen gehört aber auch er nicht zu den stärksten auf Island.
Noch sei schwer abzuschätzen, wie sich die Lage weiterentwickelt, meint Vulkanexperte Joachim Ritter. Es gebe diverse Szenarien. So könne es laut dem Geophysiker sein, dass eine derartige Eruption innerhalb einer Stunde aufhört und dann nach und nach das Magma abkühlt und fest wird.
Es könne jedoch genauso gut sein, dass sich diese Spalte, die sich dort über die letzten etwa anderthalb Monate gefüllt hat, komplett entleert. Dann könne es laut Ritter noch Wochen oder sogar Monate dauern bis die Vulkanspalte wieder zur Ruhe kommt. Dieses Szenario hält der Forscher für am wahrscheinlichsten.
Hier ist der Vulkanausbruch auf Island live verfolgbar
Die evakuierte Ortschaft Grindavik liegt am südwestlichen Ende des unterirdischen Magmatunnels. Bisher ist das knapp 4.000 Einwohner zählende Städtchen von der Lava verschont geblieben, das könnte sich aber noch ändern. Außerdem ist eine weitere Ausweitung des Spalts in Richtung der Ortschaft möglich.
Eine Lahmlegung des Flugverkehrs, wie es ihn 2010 beim Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull gab, ist laut Ritter dagegen nicht zu befürchten. Die Aschebildung sei im aktuellen Fall nur sehr gering.
Vulkanausbruch auf Island: Gefahr für den Luftverkehr?
Bei einem Vulkanausbruch austretende Gase sind gefährlich
Statt Asche seien bei diesem Ausbruch neben der Lava vor allem die austretenden Gase gefährlich. Schwefelsäure kann beispielsweise zu lebensgefährlichen Verätzungen führen. Reisen nach Island hält Joachim Ritter jedoch weiterhin für möglich.
Vielmehr müssen sich Reisende nach Island wohl an diesen Zustand gewöhnen. Die Ausbrüche im Südwesten der Insel könnten erst der Anfang der Aktivität in diesem Gebiet sein. Laut Ritter könnte nun eine Art Zyklus begonnen haben, bei dem immer wieder Schmelze aufsteigt. Das könne sich über viele Jahre hinziehen und sei bereits aus der Zeit zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert bekannt, erklärt der Forscher. Von Islands Vulkanaktivität werden wir demnach wohl noch öfter hören.