Der Mars ist ein ungeheuer staubiger Ort und so sind die Solarzellen der NASA-Sonde InSight inzwischen mit einer so dicken Staubschicht überzogen, dass die Stromproduktion in den vergangenen Wochen gewaltig abnahm. Nun hat die NASA mitgeteilt, dass die Sonde aus Energiemangel ihre Arbeit endgültig einstellen musste – die Mission von Mars InSight ist zu Ende. Begonnen hatte sie aber unter anderem in einem Bergwerksstollen im Nordschwarzwald.
NASA testete Bebenmessungen im Schwarzwald
Die Technik, die vier Jahre lang Beben auf dem Mars aufgezeichnet hat, wurde zuvor an einem der erschütterungsärmsten Orte der Erde getestet: In einem Bergwerksstollen in Schiltach im Nordschwarzwald. Früher ein Bergwerk, heute ein geophysikalische Observatorium das so ruhig ist, dass dort noch das kleinste Zittern der bebenden Erde gemessen werden kann.
Für die NASA war es der ideale Ort, um die Messtechnik ihrer Marsbeben-Warte durchzuchecken. Das genau nach der Vorlage des in Schiltach getesteten Geräts gebaute Seismometer hat nun in den vergangenen vier Jahren die Marsforschung revolutioniert. Denn es ist ziemlich sagenhaft, was man aus dem bloßen Messen des Zitterns der Oberfläche eines Planeten über das Innere eines Himmelskörpers herausfinden kann.
SWR Wissen Erklärvideo vom Mai 2018: Seismometer-Test im Black Forest Observatory BFO Schiltach, Geowissenschaftliches Gemeinschaftsobservatorium des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Stuttgart.
Der Mars: Harte Schale – weicher Kern
Klar ist jetzt: Der Mars hat einen flüssigen Kern. Der ist viel größer als gedacht. Er nimmt den Raum vom Mittelpunkt des Planeten bis zur Hälfte des Marsradius ein.
Gleichzeitig zeigten die InSight-Messungen aber, dass dem Mars ein bestimmte wärmeisolierende Gesteinsschicht fehlt. Das scheint sich zunächst zu widersprechen: Ein warmer flüssiger Kern trotz fehlender Isolation?
Die Lösung ist, dass der flüssige Kern wohl sehr viel leichte Elemente enthält, die den Schmelzpunkt der Gesteinsmasse absinken lassen. Daraus lässt sich wiederum ableiten, dass der Mars ein sehr alter Planet ist, der zu den ersten gehörte, die sich in unserem Sonnensystem gebildet haben.
Das verbirgt sich im Inneren des Mars
Überraschendes Ergebnis: InSight misst starkes Mars-Magnetfeld
Aus dem aufgezeichneten Zittern des Mars konnten die Forschenden ganze Kapitel aus der Geschichte dieses Planeten ableiten. Überraschendes brachten auch die Magnetfeldmessungen zu Tage: Das Magnetfeld des Mars ist stärker als es Satellitenmessungen aus der Marsumlaufbahn vermuten ließen. Vor circa drei bis vier Milliarden Jahren war es wahrscheinlich so stark wie jenes der Erde – und hätte einen guten Schutz vor kosmischer Strahlung für entstehendes Leben geboten.
Enttäuschung: DLR-"Maulwurf" blieb stecken
Was nicht ganz so gut funktionierte, war der an der Marsbeben-Warte mit Datenkabel angeleinte Mars-Maulwurf: Das vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) entwickelte Gerät sollte sich von selbst fünf Meter in die Oberfläche eingraben. Es blieb jedoch bereits bei knapp 40 Zentimetern stecken, lieferte aber immerhin ein paar Daten zur Wärmeleitfähigkeit des Gesteins.
Wissenschaftler:innen warteten lange auf starkes Beben
Dass der Marsbeben-Warte die Energie ausgeht, war bereits vor Monaten erwartet worden. Zu dick lag der Staub schon auf den Solarzellen. Dass es sich aber bei der Planetenerkundung lohnt, um jeden Tag zu kämpfen, den eine Sonde auf dem Mars überleben kann, hat sich bei Mars InSigth gezeigt.
Denn das stärkste und für die Forschung ergiebigste Marsbeben mit Stärke 5 ereignete sich nach langem Warten erst vergangenen Mai 2022. Es hat den ganzen Mars sechs Stunden lang zum Zittern gebracht. Zum Jahresende hat die NASA nun Mars InSight endgültig aufgegeben. Das aber mit großer Zufriedenheit, denn ihren Auftrag hat die Mars-Insight-Sonde mehr als erfüllt: Sie registrierte in den vier Jahren über 1300 Marsbeben.