Wer in diesen Tagen die Mainzer Rheinallee entlang fährt, bekommt in der Mitte der vielbefahrenen Straße regelmäßig ein besonderes Schauspiel geboten. Bis zu 30 Störche stehen wie ein Spalier auf den hohen Straßenlaternen.
Meist sieht man zwei Vögel pro Mast. Links und rechts, auf jeder Lampe einer. Dort stehen sie, putzen sich oder beobachten scheinbar den Verkehr unter sich. Manchmal wird auch von Laterne zu Laterne durchgewechselt. Aber was genau tun die Störche dort?
Störche nutzen Mainzer Rheinallee als Zwischenstation
Für SWR-Vogel-Experte Andreas Kohler steht fest: Die Störche sammeln sich dort für ihren großen Zug in Richtung Süden. Tatsächlich, sagt Kohler, hat die Zeit für Zugvögel längst angefangen. Der Großteil der Störche, die noch regelmäßig gen Süden fliegen, ist sogar schon weg.
Aber auch die Tiere, die im Winter in Deutschland bleiben, bekämen eine Art Unruhe um diese Jahreszeit, sagt Andreas Kohler. Auch sie hätten instinktiv das Gefühl, wegziehen zu müssen. So komme es dann zu solchen Ansammlungen wie in der Mainzer Rheinallee. Möglicherweise seien die Störche auch weiter nördlich gestartet und machten hier Zwischenstation.
Doch warum hier? Eigentlich würde man Störche eher auf Äckern oder Wiesen vermuten als an einer Hauptverkehrsstraße durch ein Industriegebiet mit jeder Menge Auto- und Lastwagenverkehr.
Küken-Boom erwartet Darum gibt es so viele Störche in Rheinhessen
In Rheinhessen gibt es immer mehr Störche. Allein in der Altrhein-Gemeinde Hamm sind es aktuell 21 Paare, die sich zum Brüten dort niedergelassen haben.
Müllheizkraftwerk und Kläranlage als Futterplätze
Auch Jessica Lehmann von der Aktion Pfalzstorch geht davon aus, dass es sich bei den Störchen an der Rheinallee um eine "Reisegruppe" Richtung Süden handelt. Und sie hat eine klare Vermutung, was die Tiere ausgerechnet an diesem Standort als Sammelplatz reizen könnte. Denn: Störche lieben Müll. Und den gibt es hier.
Da ist zum einen das Müllheizkraftwerk auf der Ingelheimer Aue, zum anderen die Kläranlage hinter dem Mombacher Kreisel - beides ideale Futterstellen für Störche. Wo Müll ist, gibt es Ratten und Mäuse, und das sind aus Storchensicht echte Leckerbissen.
Blick ins Storchennest Per Live-Webcam Mainzer Störchen beim Brüten zusehen
In Mainz und der Umgebung sind sie schon seit Jahren immer wieder zu sehen: brütende Störche. Jetzt kann man sie beim Brüten sogar beobachten.
Hinzu kommt, dass die Störche auf den hoch aufragenden Straßenlaternen hervorragend starten und landen können. Dabei sind sie auf eine gute Thermik angewiesen und auch die gibt es hier. Denn ein Industriegebiet erwärme sich schneller als unbebaute Gebiete, sagt Jessica Lehmann, deshalb gebe es dort gute Aufwinde.
Störche ziehen bald weiter Richtung Süden
Lehmann geht davon aus, dass die meisten Störche in den nächsten Tagen weiterziehen werden. Die einen werden den richtig weiten Weg Richtung Afrika nehmen, oder wenigstens nach Südfrankreich und Spanien. Immer häufiger gebe es auch Kurzstreckenzieher. Denen reicht beispielsweise ein Abstecher nach Mannheim als Winterquartier.
Einige Störche bleiben auch in Mainz
Und dann gibt es auch noch eine kleine Zahl von Störchen, die gar nicht mehr wegziehen. Ihnen ist es hier mittlerweile selbst im Winter warm genug. Diese Störche wird man möglicherweise auch weiterhin auf den Masten an der Rheinallee stehen sehen, mit gutem Ausblick Richtung Kläranlage.