Leben mit Demenz – Maria pflegt ihren Mann René Weller

Stand
Autor/in
Elisa Rebellato
Onlinefassung
Alexandra Euler

Was passiert, wenn der Partner pflegebedürftig wird? Für Maria aus Pforzheim ist der Fall klar: „Ich will mich um meinen Mann kümmern!” Maria und René Weller geben einen Einblick in das Leben mit Demenz und in ihre bedingungslose Liebe.

"Für mich ist es keine Option ihn wegzugeben. Ich werde ihn da behalten, bis es wirklich nicht mehr geht. Oder man sagen würde: Frau Weller jetzt ist die Grenze, das können sie nicht mehr schaffen, das müssen jetzt professionelle Hände machen."

Schwelgen in Erinnerungen

Erinnerungen an vergangene Tage, an ein Leben im Luxus: Bei Wellers Zuhause hängen und stehen überall Medaillen, Pokale, Auszeichnungen. Sie können Freude auslösen, zeigen was im Leben wichtig war. Was aber, wenn die Erinnerung an die eigene Persönlichkeit nach und nach zerbröckelt?

Große Karriere

Box-Legende René Weller war einst einer der größten Boxer Deutschlands. Der Boxchampion aus Pforzheim hat seiner Zeit eine beeindruckende Boxer-Karriere hingelegt. 72 Profikämpfe davon 70 gewonnen. Er war 10 Jahre Welt- und Europameister, hat sich auf der ganzen Welt einen Namen gemacht.

Diagnose: Demenz

2014 kam dann die Diagnose, der 68-Jährige leidet an Demenz – inzwischen kann er nicht mehr ohne die Hilfe seiner Frau Maria leben.

"Ein guter Tag schaut so bei ihm aus, dass er so ist wie früher, manchmal haut er noch seine Sprüche raus, dann tyrannisiert er mich ein bisschen. Ich finde das sogar toll, wenn er so ist, was ich früher nicht mochte."

Die schlechten Tage häufen sich rapide – dennoch, Maria weicht ihm nicht von der Seite und kümmert sich um ihren René, der nicht mehr derselbe ist. „Ein schlechter Tag sieht so aus, dass er nur liegen möchte. Wenn er auch ein bisschen nervös wird, dann läuft er viel rum. Manchmal will er nicht essen und nicht trinken. Dann muss ich ihn überreden. Manchmal will er schon um 18 Uhr schlafen gehen.“

Einsamkeit

Den Verlust der gemeinsamen Hündin „Bella“ – ein wichtiger Halt für Maria in dieser schweren Zeit – musste sie Ende August auch noch verkraften.

"Da sitze ich den ganzen Tag, gucke Fernsehen. Auch abends sitze ich hier und dann kommen doch die Tränen, wenn ich so alleine sitze. Ich bin ja einsam im Grunde genommen."

Schritt in die Öffentlichkeit

Und auch wenn ihr dieses Leben nicht immer leichtfällt, jetzt kämpft sie für ihn seinen Kampf! Sie hat die neue Herausforderung angenommen und ist im Sommer damit an die Öffentlichkeit gegangen. „Ich hab‘ den René vor zwei Jahren mal gefragt: ‚Was soll ich machen, wenn du nicht mehr kannst? Soll ich das Telefon abmelden? Soll ich alles abschirmen? Wollen wir alleine bleiben?‘ Und dann hat er mich gebeten: ‚Schatz, bitte setze mein Lebenswerk fort. Die Presse hat mich geliebt, ich habe sie geliebt.‘“

Die Erinnerung bleibt

Und auch wenn Maria dieses Leben nicht immer leichtfällt: Sie hat die neue Herausforderung angenommen. Was ihr Mann René einmal war und was die beiden gemeinsam erlebt haben, kann ihnen keiner mehr nehmen – auch nicht die Krankheit.

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Elisa Rebellato
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Alexandra Euler