Flüchtlingshelferin Rita Schmaus bekommt seit Neuestem "böse Mails" aus Michelbach. In den Nachrichten wird sie für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe kritisiert: "Ich sollte mir mal vorstellen, wie das wär, wenn ich mal fünf oder zehn Flüchtlinge privat bei mir aufnehmen müsste. Und die mir dann meinen Garten zerstören würden." Ebenso sei sie bereits am Telefon angefeindet worden, sagt sie.
Aufgeheizte Stimmung erschreckt Flüchtlingshelferin
Seit Jahren engagiert sich die 74-Jährige ehrenamtlich in Daun. Vor neun Jahren rief sie gemeinsam mit anderen Bürgerinnen das Café Asyl ins Leben, einen wöchentlichen Treffpunkt im Haus der Jugend für Asylbewerber in der Vulkaneifel. Sie hat bereits viele Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland begleitet – mit Erfolg, wie sie sagt. Auch in Michelbach will sie mithelfen, sobald dort die ersten Geflüchteten eintreffen.
Die aufgeheizte Stimmung der vergangenen Wochen sei aber neu für sie. "So etwas hatten wir in der Eifel noch nie", sagt Schmaus. Es mache sie traurig, dass "ihre Flüchtlinge" wegen der aufgeheizten Stimmung im Kreis mittlerweile Angst bekämen. Denn eigentlich laufe es in der Region richtig gut, was die Aufnahme und Integration von geflüchteten Menschen angeht.
Michelbacher protestieren weiter gegen geplante Flüchtlingsunterkunft
Viele Einwohner des Gerolsteiner Stadtteils Michelbach sehen das offenbar anders. Ihr Protest gegen eine von der Kreisverwaltung geplante Flüchtlingsunterkunft schlägt seit Wochen immer höhere Wellen. Auch für die heutige Kreistagssitzung haben Einwohner des Ortes Protest angekündigt. Sie wollen im Gremium auch Rederecht beantragen.
Seit im Januar bekannt geworden ist, dass eine Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Hotel Huschen in Michelbach eingerichtet werden soll, gibt es dort Widerstand. Das Problem: In dem Gerolsteiner Stadtteil, der gerade einmal 89 Einwohner hat, sollen ab diesem Monat um die 60 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Michelbacher kritisieren, sie seien "vor vollendete Tatsachen gestellt worden", hätten kein Mitspracherecht gehabt.
Mit der Bürgerinitiative "Fairteilen" wollen sich Einwohner von Michelbach nun dafür einsetzen, dass Flüchtlinge, die dem Kreis vom Land zugewiesen werden, "fair" auf alle Orte in der Region verteilt werden. Michelbach sei ungeeignet für eine solche Flüchtlingsunterkunft, es fehle die Infrastruktur, argumentiert Nikolaus Jansen, der zweite Vorsitzende der Initiative: "Hier besteht überhaupt keine Chance, jemanden zu integrieren." Denn die Geflüchteten würden schließlich nicht dauerhaft bleiben.
Landrätin Gieseking berichtet auch von Anfeindungen
Landrätin Julia Gieseking (SPD) hatte aufgrund des Widerstands der Michelbacher bereits veranlasst, dass die ersten Flüchtlinge erst in diesem Monat und nicht - wie anfangs geplant - schon Anfang Februar kommen sollen. Laut einer Pressemitteilung des Landkreises Vulkaneifel sei nun aber der Vertrag mit dem privaten Betreiber der Unterkunft unterschrieben worden. Geplant sei, dass erst einmal ein bis zwei Familien in Michelbach untergebracht werden sollen. Betreuer für die Geflüchteten würden dann auch vor Ort sein. Der Betreiber stelle den Flüchtlingen zudem einen Bus samt Fahrer zur Verfügung, etwa für Einkaufsfahrten oder Behördenbesuche. Ab April soll außerdem ein Flüchtlingslotse da sein, der auch als Ansprechpartner für die Bevölkerung bereitstehe.
Nach eigener Aussage hat die Landrätin zwar Verständnis für die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Aber auch sie hätte mittlerweile "zutiefst menschenverachtende und fremdenfeindliche" Nachrichten aus Michelbach bekommen. Nikolaus Jansen von der Bürgerinitiative weist diese Kritik von sich: "Zweifellos ist sie deutlich kritisiert worden. Ob das aber unangemessen und menschenverachtend war, da habe ich aber Zweifel dran." Insgesamt habe die Glaubwürdigkeit der Landrätin "unter ihrer Politik gelitten".
Bürgerinitiative will "Landrätin erschrecken"
Am Montag sollen bei der Kreistagssitzung weitere Informationen zur Unterbringung der Flüchtlinge im Landkreis bekannt gegeben werden. Die Bürgerinitiative der Michelbacher hat bereits weitere Protestaktionen gegen die Flüchtlingsunterkunft angekündigt. "Offene Worte" soll es geben, sagt Nikolaus Jansen, man wolle den Kreistag "aufwecken", die Landrätin "erschrecken". Was er genau damit meint, bleibt unklar.
Rita Schmaus will da sein, wenn Flüchtlinge eintreffen
Dass erste Geflüchtete noch in diesem Monat in Michelbach untergebracht werden sollen, werde wohl auch der Protest nicht mehr verhindern können, glaubt Flüchtlingshelferin Rita Schmaus: "Alle sollten endlich Frieden finden mit der Geschichte." Die 74-Jährige spricht sich für eine Deeskalation der Lage aus. Angesichts ihrer langjährigen Erfahrung in der Flüchtlingshilfe hält sie eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in Michelbach weiter für möglich – man müsse sich allerdings darauf einlassen. Wenn das gelinge, könne die Situation für den Ort sogar eine Bereicherung sein. Rita Schmaus will dazu auch ihren Beitrag leisten. Wenn die ersten Flüchtlinge in Michelbach eintreffen, will auch sie vor Ort sein und sie mit einem "Willkommensnachmittag" begrüßen.