Dicht an dicht stehen die Prunkwagen in der Andernacher Wagenbauhalle, darunter ein farbenfroher Flower-Power-VW-Bus, eine riesengroße Alladin-Wunderlampe und das U-Boot Nautilus - aus dem Roman 20.000 Meilen unter dem Meer.
Wagenbauer stecken viel Zeit und Herzblut in Motivwagen
Den U-Boot-Festwagen hat Jürgen Asbach gebaut. Er ist seit mehr als 35 Jahren in Andernach Wagenbauer. Er liebe es, phantasievolle und aufwendige Motivwagen für den Rosenmontagszug zu bauen, sagt der Justizbeamte.
In die Nautilus habe er unzählige Arbeitsstunden, einiges an Geld und viel Herzblut gesteckt: "ich habe zum Beispiel mehr als zweitausend Styroporkügelchen halbiert und sie als Nieten aufgeklebt, so dass es aussieht, als ob sie aus Blech sind." Außerdem sind die Schwanzflosse und der Propeller beweglich. Auch das war offensichtlich viel Arbeit.
Keine Betriebserlaubnis für zwölf Motivwagen in Andernach 2023
Der Wagenbauer freut sich, dass die Nautilus in diesem Jahr im Andernacher Rosenmontagszug dabei sein kann. Im vergangenen Jahr musste das U-Boot in der Halle bleiben - genau wie elf weitere Prunkwagen. Sie hatten vom TüV keine Betriebserlaubnis erhalten. Der Grund waren verschärfte Sicherheitsauflagen. Deshalb ging in Andernach 2023 nur ein deutlich kürzerer Zug.
Viele Motivwagen dürfen nicht mitfahren Aufregung um Rosenmontagszug in Andernach
Der erste Rosenmontagszug nach der Pandemie steht bevor. Doch in Andernach ist die Stimmung gedrückt. Wegen fehlender Genehmigungen müssen viele Wagen in der Halle bleiben.
Ein Schock, sagt Präsident Jürgen Senft, von dem sich der Festausschuss des Andernacher Karnevals jetzt wieder erholt habe. 15 neue Anhänger habe der Festausschuss angeschafft und so modernisiert, dass sie den Sicherheitsauflagen entsprechen, sagt Senft: "Die Dinger sind jetzt neuwertig. Wir könnten eine Spedition aufmachen."
Neue Anhänger für den Andernacher Zug mit Hilfe von Sponsoren
Etwa 115.000 Euro habe der Festausschuss für die neuen Wagen in die Hand genommen, so Senft. Zwei Drittel hätten glücklicherweise Sponsoren finanziert. Aber nicht nur die Technik ist laut Senft eine große Hürde, sondern auch höhere Auflagen des Landes in Sachen Sicherheitskonzept.
Jetzt seien unter anderem Absperrungen mit Betonpollern nötig, erklärt Senft. Teilweise müssten ganze Straßenzüge mit großen Fahrzeugen abgesperrt werden: "Es geht um die äußere Sicherheit. Das nichts von außen auf den Rosenmontagszug einwirken kann."
Mehr Ordner für Zugmaschine und Anhänger
Eine weitere Sicherheitsauflage in RLP: Im Zug müssen die Motivwagen von mehr Ordnern begleitet werden. Früher seien zwei Ordner zwischen Zugmaschine und Anhänger ausreichend gewesen, sagt Senft. Mittlerweile brauche jeder Motivwagen vier bis sechs Leute.
Andernacher Rosenmontagszug ist fit für die Zukunft
Der Andernacher Festausschuss habe diese Herausforderungen mit Hilfe von Stadt, THW, Feuerwehr, Polizei und DRK stemmen können, sagt Senft. Er finde es gut, wenn die Karnevalszüge so sicher wie möglich seien. Jetzt sei es mit Auflagen aber auch genug: "Sonst müssen wir bald ein Zelt über die Stadt bauen, damit keiner eine Drohne abwerfen kann. Man kann alles übertreiben."
Nach dem Schock in der vergangenen Session, ist die Freude auf Rosenmontag bei den Andernacher Karnevalisten in diesem Jahr umso größer. Alle neu gebauten Motivwagen haben laut Jürgen Senft eine Betriebserlaubnis erhalten. Darauf ist der Festausschuss besonders stolz. Noch wichtig ist für den Präsidenten aber, dass der Andernacher Rosenmontagszug jetzt fit für die Zukunft ist.