Der Tag beginnt sehr früh für Gerda Hafen-Jauch. Immer dienstags und freitags klingelt um 4:30 Uhr der Wecker. Dann muss die 80-Jährige aufstehen, um zu arbeiten. Aber der Weg zur Arbeitsstelle ist nicht weit. Der Laden, in dem Gerda arbeitet, grenzt direkt an ihr Wohnhaus. Von ihrer Küche aus muss sie nur durch eine Schiebetür und eine Treppe runter, dann steht sie schon in ihrem Laden.
Das ist meistens gegen 5:30 Uhr: Licht anmachen, denn gleich kommt die Brötchen-Lieferung von der Bäckerei Wölki in Neuhausen ob Eck. Körbeweise frische Backwaren stehen nun im Laden und müssen eingeräumt werden. Gerda Hafen-Jauch hat eine Kollegin, die ihr dabei hilft. Gerda räumt ein, Kollegin Ilse Maier schmiert und belegt Brötchen. Die Firmen rund um Renquishausen (Kreis Tuttlingen) bestellen ihr Vesper im Dorfladen und holen es noch vor 9:00 Uhr ab.
Die Kundinnen und Kunden sind begeistert von Gerda
Offiziell öffnet der Tante-Gerda-Laden um 6:30 Uhr, aber schon 15 Minuten vorher kommt die erste Kundin. Die wird natürlich von Gerda trotzdem so freundlich bedient wie immer. Grade so, als ob der Laden schon geöffnet hätte. Einen Berliner nimmt sie mit und ein "Bretzketle" - wie die 80-jährige mit ihrem netten alemannischen Dialekt sagt.
Und das ist so. Es gibt immer ein Lachen, nette Gespräche und immer wieder mal eine Umarmung. Bei Gerda ist man Mensch, nicht nur Kunde.
Seit 60 Jahren gibt es fast nur ein Thema: Der Laden
Vor kurzem hat Gerda Hafen-Jauch vor dem Laden in Renquishausen Jubiläum gefeiert. 80 Jahre alt, 60 Jahre beschäftigt im Dorfladen und 15 Jahre angestellt bei der Bäckerei Wölki, die den Laden gepachtet hat. Jubilarin Gerda ist immer noch bewegt von den Glückwünschen.
Den Dorfladen hat ihr früherer Mann Hans-Werner Hafen gebaut. Mit 20 ist sie dort als Verkäuferin eingestiegen. Und seither ist sie so engagiert, dass sie fast nicht in den Urlaub geht.
Dafür ist sie gerne mit ihren Seniorinnen und Senioren unterwegs, macht Ausflüge und jeden Monat organisiert sie den Seniorentreff in Renquishausen.
Die umtriebige 80-Jährige ist auch in der katholischen Kirchengemeinde engagiert. Seit 20 Jahren ist sie im Kirchengemeinderat und kümmert sich um die Kirchenwäsche, also um die Messgewänder und Altartücher. Auf die Frage, wie lange sie noch im Laden arbeiten möchte antwortet sie schlicht: "so lange Gott will".