So viel Schutz besteht nach nur einer Impfung
Die Zulassungsstudie für den Biontech-Impfstoff zeigt, dass nach der ersten Impfung in der Gruppe der Geimpften 50 Prozent weniger Covid 19-Fälle beobachtet wurden als in der Gruppe der Nicht-Geimpften – also nach etwa drei Wochen, kurz bevor die zweite Impfung erfolgen sollte. Wird der Impfstoff nach drei Wochen ein zweites Mal injiziert, zeigt der Vergleich zwischen den beiden Gruppen, dass durch die Impfung 95 Prozent der Erkrankungen vermieden werden.
Abstand von drei Wochen
Zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen – dieses Impfschema testete Biontech im Rahmen seiner Impfstoffentwicklung. Für andere zeitliche Abstände gibt es noch keine Studien. Ob eine auf einen späteren Zeitpunkt verschobene zweite Impfung noch einen verstärkenden Effekt hat, kann man nur vermuten. Viele Forscherinnen und Forscher empfehlen deshalb weiterhin nach der derzeit gültigen Empfehlung vorzugehen.
Keine Herdenimmuniät nach nur einer Impfung
Könnte man auf die zweite Impfung komplett verzichten? Das Ziel der Herdenimmunität wäre mit einer Einzeldosis des Biontech-Impfstoffs nicht zu erreichen. Lässt sich die gesamte Bevölkerung nur einmal impfen, würden beim Biontech-Impfstoff nur 50 Prozent der Erkrankungen in der Bevölkerung vermieden. Um 70 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren und so einen Herdenschutz auch für Ungeimpfte zu erreichen, ist die zweite Impfung notwendig. Es kann also nur darum gehen, den Abstand zwischen den Impfungen zu verlängern, und nicht darum, auf die zweite Impfung komplett zu verzichten.
Impfbereitschaft könnte leiden
Die Impfbereitschaft des einzelnen Bürgers hängt wesentlich davon ab, welchen Schutz er oder sie durch die Impfung für sich persönlich zu erwarten hat. Wer will sich mit einem 50-prozentigen Schutz zufriedengeben, wenn er 95 Prozent bekommen kann? Das Angebot an die Bürgerinnen und Bürger, sich zunächst nur einmal impfen zu lassen, wäre deshalb wahrscheinlich für viele kein wirklich attraktives. Auch wenn dadurch, auf die Bevölkerung als Ganzes betrachtet, mehr Menschen einen ersten Schutz gegen Corona erhalten könnten, als nach dem empfohlenen Impfschema zu erwarten wäre. Denn 1000 Impfdosen reichen für 1000 Einmalimpfungen die statistisch gesehen 500 Menschen schützen oder für 500 Doppelimpfungen die bei 95 Prozent Wirkungsgrad 475 Menschen schützen.
Alle diese Rechnungen mit 50 bzw. 95-Prozent Wirksamkeit gelten nur für den Biontech-Impfstoff und für den Moderna-impfstoff, für den die Erfolgsstatistik ähnlich aussieht. Möglicherweise kommen aber bald Impfstoffe auf den Markt, die nach der ersten Impfung höhere Wirksamkeiten als 50 Prozent aufweisen und mit denen ein vorläufiger oder sogar dauerhafter Verzicht auf eine zweite Impfung eher vorstellbar wäre.