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Logan February: Mental Voodoo

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Logan February, geboren 1999, ist ein*e nicht-binäre*r Lyriker*in und Songwriter*in aus Nigeria, LGBTQ-Aktivist*in und derzeit so etwas wie ein Star der post- und dekolonialen Lyrikszene. Christian Filips hat nun eine Auswahl von Februarys Gedichten aus dem Englischen übersetzt; doch sind die Texte auch durchsetzt von Begriffen aus der Yorùbá-Sprache. Der Band „Mental Voodoo“ ist zweisprachig; Original und Übersetzung werden parallel abgedruckt.

Februarys Poeme beschäftigen sich mit dem schwarzen, queeren Körper, sind konzeptuell streng durchgearbeitet und in Zyklen gegliedert. So gibt es eine Reihe von Gedichten, die mit den Worten „Selbstporträt als...“ beginnen; ein anderer Zyklus ist die Reihe „Porträt des Mannequins“. Das „Selbstporträt als Pussyboy“ klingt beispielsweise so:

„Dein Stuhl ist aus dem gleichen Holz / wie der Hackklotz. Ein Rudel sind sie / von Hyänen, die dir zeigen, dass es nicht genügt, ein Wolf zu sein / wenn du in der Unterzahl bist. / Ihr Blut ist dick vor Hass, ihr Gelächter so laut / dass sein Echo 14 Jahre lang im Gefängnis fort tönt / Sie verbeißen sich in dich mit Zähnen & / lassen nicht los. / Ein Kondom, gestopft mit leuchtendem Staub / baumelt dir ins Gesicht. An manchen Tagen / ist das Überleben der einzige Sieg, den du lieb- kost. / Du musst kein Wolf sein / um zu überleben. Du rennst weg in die Schatten, / den Schwanz zwischen die Beine geklemmt, aber noch bei Atem.“

Der bei Urs Engeler erschienene Band ist der erste in der angekündigten Reihe „Poesie Dekolonie“. Nach diesem Auftakt darf man auf die Folgebücher gespannt sein.

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Autor/in
SWR