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Ernst Barlach: Die Briefe – Kritische Ausgabe in vier Bänden

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Welch ein Klotz! 2986 Seiten in vier Bänden im Schuber. Da sage noch einer, die Suhrkamp-Kultur sei nicht mehr wirkmächtig. Am 2. Januar 2020 wäre der Bildhauer, Zeichner und Dramatiker Ernst Barlach 150 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum sind rund 2200 Briefe aus insgesamt 90 Archiven nun gesammelt zugänglich, knapp ein Viertel davon werden erstmals veröffentlicht. Initiiert wurde die Ausgabe von der Ernst Barlach Stiftung in Güstrow und dem Ernst Barlach Haus in Hamburg. Federführend bei der Edition war die Universität Rostock.

Die vier Bände sind eine wahre Fundgrube für Leser, die quasi am Begleittext zum Werk interessiert sind. Gerade im Hinblick darauf, dass Barlach ambitioniert darin war, als Briefeschreiber eine so eloquente wie formvollendete Figur zu machen. Familiäre Mitteilungen, Anmerkungen zum Arbeitsprozess, Erklärungen zu Arbeitsaufträgen und schließlich, im letzten Band, der 1938 einsetzt, das Protokoll einer Zerstörung von Leben und Werk durch die Nationalsozialisten.

Sein körperlicher Zustand verschlechtert sich, seine ökonomischen Ressourcen schwinden. Barlachs Werke wurden als entartete Kunst aus der Öffentlichkeit entfernt. Er wollte Deutschland verlassen, ohne zu wissen, wohin er gehen könnte. Im Alter von 68 Jahren stirbt er in Rostock an einem Herzinfarkt. Größe und Tragödie lassen sich in diesen Bänden mitlesen.

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Autor/in
SWR