Bei der BW-CDU deutet sich ein Wechsel an. Parteichef Strobl soll dem Fraktionsvorsitzenden Hagel weichen. In dem Fall dürften auch für Grün-Schwarz neue Zeiten anbrechen.
Die baden-württembergische CDU steht vor einem Generationswechsel: Nach SWR-Informationen aus Parteikreisen wird in der CDU-Führung erwartet, dass Innenminister Thomas Strobl an diesem Montag die Gremien seiner Partei informiert, ob er im November nochmal als Landesvorsitzender antritt. Es gilt demnach als wahrscheinlich, dass der 63-Jährige zugunsten des jüngeren Fraktionschefs Manuel Hagel auf eine erneute Kandidatur verzichtet.
Treffen in kleiner Runde in Heilbronner Hotel
Strobl hatte sich am Sonntagabend mit drei CDU-Bezirksvorsitzenden in einem Heilbronner Hotel getroffen: Steffen Bilger (Nordwürttemberg), Moritz Oppelt (Nordbaden) und Thomas Bareiß (Württemberg-Hohenzollern). Dem Vernehmen nach war man sich einig, dass es nun schnell eine einvernehmliche Entscheidung über den Parteivorsitz geben müsse. Schon bei einem Treffen vor zwei Wochen sollen Bilger und Oppelt dem Minister klar zu verstehen gegeben haben, dass die Basis einen Generationswechsel und Hagel an der Spitze wolle.
Strobl ist bereits seit zwölf Jahren Chef des bundesweit zweitgrößten CDU-Landesverbands. Das Präsidium der Partei tagt am Montag um 9 Uhr, der größere Landesvorstand dann um 11 Uhr. Der neue Vorsitzende wird offiziell beim Parteitag am 18. November in Reutlingen gewählt.
Trotz Dämpfer bei Wiederwahl CDU-Fraktionschef Hagel gilt als Anwärter auf Kretschmann-Erbe
Manuel Hagel wurde als CDU-Fraktionsvorsitzender in BW wiedergewählt. Er gilt damit weiter als erster Anwärter auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2026.
Strobl soll Innenminister und Kretschmann-Vize bleiben
Der 35-jährige Hagel gilt vielen in Landtagsfraktion und Partei als Hoffnungsträger. Strobl soll nach SWR-Informationen auch im Fall einer Ablösung als Parteichef weiter Innenminister und Vize-Regierungschef unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bleiben.
Es gilt als wahrscheinlich, dass Hagel bei einer Übernahme des Parteivorsitzes auch die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl im Frühjahr 2026 anstrebt. Allerdings gab es in der Partei auch skeptische Stimmen, ob es richtig ist, den Wechsel schon jetzt zu vollziehen. Denn somit stünde Hagel zweieinhalb Jahre vor der nächsten Wahl stark unter Beobachtung.
Druck auf Strobl war wegen Polizei-Affäre gestiegen
Allerdings war der Druck auf Strobl zuletzt enorm gestiegen. Schon vor zwei Jahren hatte er bei seiner Wiederwahl als Parteichef starke Stimmenverluste erlitten und nur 66,5 Prozent erhalten - und das, obwohl er die CDU nach der Wahlniederlage unter Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann erneut in eine grün-schwarze Koalition geführt hatte.
Damals war er ohne Gegenkandidaten angetreten. Es gilt als mehr als zweifelhaft, dass er nochmal gewählt worden wäre, wenn er etwa gegen Hagel angetreten wäre. Grund dafür war auch die Affäre um den Inspekteur der Polizei, die einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss nach sich zog.
Halbzeit für Grüne und CDU in BW Ende der Harmonie? Kretschmann-Koalition vor unruhigen Zeiten
Grün-Schwarz in BW sieht sich gern als Gegenmodell zur Ampel in Berlin: Stabilität statt Streit. Doch pünktlich zur Halbzeit könnte es mit der Harmonie vorbei sein.
Wechsel hätte Folgen für Zusammenarbeit von Grün-Schwarz
Für die Arbeit der Regierung unter Kretschmann dürfte ein Wechsel Auswirkungen haben. Strobl gilt als Vertrauter des Ministerpräsidenten. Den beiden Politikern gelang es immer wieder Streitigkeiten zwischen Grünen und CDU hinter den Kulissen zu lösen.
Zwar muss es für Hagel als Fraktionschef auch ein Anliegen sein, dass die Koalition funktioniert. Doch der junge CDU-Mann muss sich profilieren und bekannt machen. Zuletzt wurde das deutlich, als er ein Papier mit Forderungen nach einer schärferen Flüchtlingspolitik vorlegte.