Weniger Fleisch essen oder mal aufs Auto verzichten: Eine Mitmachaktion in der Speyerer Stadtbibliothek lädt zum Nachdenken über die persönlichen CO2-Emissionen ein. SWR-Reporter Janosch Beyer hat den Selbsttest gemacht.
Über den Boden verteilt gibt es hier überall Fußabdrücke. Links und rechts sind die Regale mit den Büchern der Speyerer Bibliothek. Auf den Fußspuren sind Fragen notiert, die ich für mich beantworte. Die Ergebnisse notiere ich auf einem Zettel. Für jede Antwort gibt es Punkte: Je weniger Punkte ich bekomme, desto besser ist es für die Umwelt - so das Prinzip hinter dem Selbsttest zum ökologischen Fußabdruck.
SWR-Reporter beim persönlichen Klima-Check in Speyer
Bei Ernährung und Wohnen liege ich im soliden Mittelfeld. Unter anderem werde ich gefragt, wie viel Fleisch ich esse, ob ich Milchprodukte konsumiere oder wie ich wohne. Also wie viele Quadratmeter ich pro Person zur Verfügung habe. Beim Konsum schneide ich sogar richtig gut ab. Aber am Ende sieht das Ergebnis nicht so gut aus. Beim Thema Mobilität bin ich voll "durchgefallen". Die Familienbesuche in Chile oder mein altes Auto sind nicht gut für meine Klimabilanz.
Stadtbibliothek Speyer: Den eigenen C02-Fußabdruck entdecken
Kerstin Bürger ist im Leitungsteam der Speyerer Stadtbibliothek und hat das Projekt mit initiiert. Sie will die Ergebnisse der Menschen gar nicht bewerten: "Die Idee dahinter ist, dass jeder für sich überlegt und sich darüber bewusst wird, wie leben wir eigentlich und ist das Leben, das wir haben nachhaltig." Deshalb kann den Weg auch jeder für sich absolvieren und die Ergebnisse selbst interpretieren.
"Wenn man zu dem Ergebnis kommt, mein Lebensverhalten und mein Konsumverhalten ist völlig in Ordnung für mich persönlich, dann wird da auch keiner was dran ändern wollen. Wenn aber jemand auf die Idee kommt zu sagen, hey, da sind Stellschrauben, dann mag man vielleicht auch was ändern."
Persönliche C02-Bilanz: Vieles lässt sich nicht so leicht ändern
An diesem Mittag ist Maren Heink zu Gast. Gemeinsam mit ihrem Sohn testet sie den eigenen Klimaabdruck: "Man ist sich meistens nicht bewusst, ob man einen guten oder einen schlechten ökologischen Fußabdruck hat, aber ich glaube, ich kann zufrieden sein."
Doch zum Beispiel beim Wohnen hat sie sehr viele Quadratmeter pro Person zur Verfügung: Das liege daran, dass eine Wohnung, die sie gerne hätte, deutlich teurer im Monat wäre, als das Haus, in dem sie derzeit wohne. "Das lässt sich einfach gerade nicht ändern", so Heink.
Klimaschutz: Aufgabe der Politik und nicht nur des Einzelnen
Die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz, glaubt Bibliothekarin Kerstin Bürger. Doch das Klima retten könne der Einzelne nicht. Allerdings könnten wir alle zusammen einen Beitrag leisten. In Deutschland gebe es immerhin mehr als 80 Millionen Einzelne, die etwas bewirken könnten.
Andererseits sei der ökologische Fußabdruck gerade auch von Ölkonzernen propagiert worden, um die Verantwortung für den Umweltschutz auf das Individuum abzuwälzen. "Wir müssen einfach an sehr vielen Stellschrauben drehen. Das eine ist Industrie, das andere ist Politik und das andere ist jeder einzelne."
Ergebnis des Selbsttests in Speyer: Fahrrad reparieren!
Für mich steht am Ende fest: Zumindest mein Fahrrad könnte ich mal reparieren und damit zum SWR-Studio fahren. Das wäre besser für die Umwelt und außerdem gesünder.
Wer den Parcour in Speyer selbst ausprobieren will: Während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Speyer ist er jederzeit zugänglich - und zwar bis zum 26. Mai.