Horst Eckel bleibt nach seinem gestrigen Tod als vereinstreuer Spieler und großartiger Mensch in Erinnerung. Neben Horst Eckel ist auch Fritz Walter ein Beispiel für gelebte Vereinstreue. Doch wie treu sind Spieler heute noch? Eine Zeitreise von Horst Eckel und Fritz Walter über Uwe Seeler und Axel Roos bis hin zu Stefan Bell und Christian Gentner.
In Kaiserslautern wird Vereinstreue eng verbunden mit dem gestern verstorbenen Horst Eckel und den Spielern seiner Generation. Im Gespräch mit dem SWR sagte der ehemalige FCK-Trainer Otto Rehagel: "Horst Eckel war unkompliziert und war wie alle, die Walter-Brüder und die Jungs vom FCK, die damals im Jahr 1954 in der Mannschaft gespielt haben - das waren alle Jungs mit Herzensbildung." Wie bei Horst Eckel liest sich auch der Lebenslauf von Fritz Walter wie eine Liebeserklärung an den 1. FC Kaiserslautern, für den Walter 379 Meisterschaftsspiele absolvierte und 306 Tore erzielte.
Zu aktiven Zeiten schlug Fritz Walter attraktive Angebote aus Frankreich und Spanien aus und widmete sich auch nach seiner Karriere stets seinen Roten Teufeln. Der frühere FCK-Präsident Udo Sopp brachte es auf den Punkt: “Fritz Walter ist das Synonym für Vereinstreue.”
Der "treue Charly" mit den meisten Spielen
Ein großes Herz hatte Fritz Walter auch für Spieler, die sich ebenfalls ganz dem FCK verschrieben - wie Axel Roos, der 387-mal für Kaiserslautern spielte. Roos hielt den Pfälzern seit der B-Jugend die Treue und gewann wie Fritz Walter und Horst Eckel (1951,1953) zwei Meisterschaften (1991, 1998) mit den Roten Teufeln.
Wie Horst Eckel, Fritz Walter und Axel Roos waren auch Uwe Seeler und Karl-Heinz “Charly” Körbel vereinstreue Spieler.
Torjäger Uwe Seeler spielte nur beim Hamburger SV, obwohl er lukrative Angebote von anderen Vereinen hatte. Charly Körbel führt die ewige Liste der Bundesliga mit 602 Spielen für Eintracht Frankfurt an. Der “treue Charly” leitet heute die Fußballschule der Eintracht.
Was sie alle verbindet? Sie sind trotz all dem Trubel immer bodenständig und dankbar geblieben. Ist das eine Grundvoraussetzung, um einem Club die Treue zu schwören?
Bosman-Urteil als Wendepunkt
Das Bosman-Urteil stellte im Jahr 1995 die Machtverhältnisse in der Beziehung Verein und Sportler auf den Kopf. Läuft der Vertrag eines Profis aus, darf dieser ablösefrei den Club wechseln, das wäre zuvor nicht vorstellbar gewesen - und beeinflusste auch das Thema "Vereinstreue" nachhaltig.
Heute haben Spieler, die einem einzigen Verein treu bleiben, Seltenheitswert. Stefan Bell ist so eine Ausnahmeerscheinung. Der Kapitän von Mainz 05 ist mit kurzen Unterbrechungen durch Leihgeschäfte seit 2007 im Verein. Bell ist am Sonntag Studio-Gast bei SWR-Sport Rheinland-Pfalz.
Ein weiterer langjähriger Spieler des FSV ist Niko Bungert. Der 35-jährige trug bis zu seinem Karriereende 2019 elf Jahre lang das Logo der 05er auf der Brust. Heute ist er als Vereinsbotschafter tätig.
Vereinstreue geht also oft über die aktive Karriere hinaus - so auch bei Florian Dick. Nach 220 Partien für den 1. FC Kaiserslautern hat der 37 Jahre alte ehemalige FCK-Kapitän jetzt als Teammanager seinen Platz bei den Roten Teufeln gefunden.
Ist Vereinstreue aus der Zeit gefallen?
Diese Beispiele dürfen jedoch nicht über das knallharte Transfergeschäft des modernen Fußballs hinwegtäuschen. Junge aufstrebende Talente bekommen von ihren Beratern langfristige Karrierepläne vorgelegt, in denen kleinere Vereine als Sprungbrett vorgesehen sind. Vorschnelle Treuebekenntnisse mancher Spieler, die den Verein dann doch im nächsten Sommer verlassen, kommen bei den Fans nicht gut an.
Viele Clubs bezeichnen sich mittlerweile selbst als “Ausbildungsvereine”, welche für die meisten Spieler nur Zwischenstationen auf dem Weg zu größeren Vereinen sind. Vertragsverlängerungen werden von den Teams medial gefeiert, sind aber letzten Endes nur eine Absicherung, im Falle eines Transfers auch entsprechend Geld einzunehmen.
Es gibt aber auch Spieler, die einen Weg zwischen Vereinstreue und internationaler Karriere gefunden haben. Mario Gomez schoss den VfB Stuttgart mit seinen Toren 2007 zur Meisterschaft, wechselte zwei Jahre später aber zum FC Bayern. Die VfB-Fans nahmen ihm den Schritt übel, empfingen ihn allerdings neun Jahre später nach vielen Stationen im In- und Ausland mit offenen Armen wieder.
Verein und Spieler müssen zusammenpassen
Andere wiederum würden gerne bei ihrem Herzensclub bleiben, bekommen aber von eben diesem nicht die Möglichkeit. Christian Gentner hätte wohl gerne mit dem VfB im Jahr 2019 den erneuten schweren Gang in die zweite Liga angetreten. Der Club teilte ihm aber mit, dass künftig nicht mehr mit ihm geplant wird.
Im Haifischbecken des monetären Fußballgeschäfts werden die Starken gestärkt und die Schwachen geschwächt. Wer konstant Leistung bringt, darf sich quasi aussuchen, wo es in der Karriere weitergehen soll - wer fußballerisch nicht dauerhaft auf der Höhe ist, muss schauen, wo er bleibt.
Um die Frage zu beantworten: Ja, es gibt auch heute noch vereinzelt vereinstreue Spieler. Am Ende basiert diese Vereinstreue auf Taten und nicht auf losen Bekenntnissen. Einem Club die Treue zu schwören ist das Eine, sie zu leben das Andere. Da Kontinuität als Erfolgsrezept dient, dürfte auch die Vereinstreue vielleicht wieder mehr in den Fokus rücken.