Die Bernkasteler Badstube ist eine bekannte Weinlage. Doch wenn es nach einem neuen Gesetz geht, müsste sie bald anders heißen. Dagegen gehen Winzer nun mit einer Resolution vor.
Die Weinberge zwischen Bernkastel und Graach an der Mittelmosel sind unter dem Namen "Badstube" bekannt. Der Name taucht bereits auf alten Karten auf. Er stammt aus dem Mittelalter, als es am Fuß des Kallenfels noch eine heiße Quelle gab, in der gebadet wurde.

Heute ist die "Badstube" vor allem Weinkennern ein Begriff. Unter diesem Namen werden jährlich 200.000 Flaschen teuer in die ganze Welt verkauft. "Wenn jemand außer dem Doctor noch eine Weinlage von hier kennt, dann ist es sicherlich die Badstube", sagt der Winzer Ernst Loosen aus Bernkastel-Kues: "Das ist eine internationale Marke."
Und zwar schon lange, erzählt Loosen: "Ich war mal im ältesten Restaurant Amerikas in New Orleans. Und der Sommelier hatte eine alte Weinkarte auf dem Speicher gefunden. Da war schon eine 1921-er Bernkasteler Badstube auf der Liste."
Neues Gesetz macht Umbenennung notwendig
Doch diesen guten Namen sieht nicht nur Ernst Loosen in Gefahr, sondern auch viele von seinen Kollegen. Grund dafür ist das neue Weinbezeichnungsrecht, das ab dem Jahrgang 2026 in Kraft tritt. Das sieht vor, dass Großlagen wie die "Badstube" künftig das Wort "Region" im Namen führen müssen, um die Herkunft der Reben deutlicher zu machen.

Aus der Bernkasteler Badstube würde somit die "Region Badstube". Was für die rund 40 Winzer, die dort ihre Weinberge haben, nach eigenen Angaben eine Katastrophe wäre. Denn mit dem Titel "Region" lässt sich der Wein schlechter im Ausland vermarkten, sagt Ernst Loosen: "Das wäre für uns ein Abstieg von der ersten in die dritte Liga."
Die Winzer befürchten, dass die Preise für die Weine aus der "Badstube" fallen werden. Derzeit kostet eine Flasche "Bernkasteler Badstube" zwischen 15 und 35 Euro. "Aber der Durchschnittspreis einer Großlage liegt nur zwischen 4 und 7 Euro", rechnet Loosen vor: "Das wäre eine enorme Abwertung, ein großer finanzieller Schaden für uns."
Stadt Zell klagt gegen das Land
Es ist nicht der einzige Fall dieser Art an der Mosel. Die Stadt Zell ist sogar vor Gericht gezogen, um den Namen ihrer berühmten Weinlage "Zeller Schwarze Katz" zu schützen.

"Der Name hat eine 160 Jahre alte Tradition", sagt Stadtbürgermeister Hans-Peter Döpgen (FWG). In dem neuen Namen "Region Schwarze Katz" sieht Döpgen eine "Verstümmelung". Die Stadt werde daher "mit allen rechtlichen Mitteln für die Marke kämpfen."

Großlage soll aufgelöst werden
In Bernkastel-Kues ist der Fall etwas anders gelagert. Hier haben sich mehrere renommierte Weingüter bereits vor drei Jahren mit der Stadt zusammengetan und beim rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium beantragt, die Großlage "Badstube" aufzulösen. Stattdessen wollen sie die bisherigen Einzellagen "Bratenhöfchen" und "Matheisbildchen" zur neuen Einzellage "Badstube" zusammenlegen.
Ihr Argument: Die Großlage "Badstube" ist eigentlich ziemlich klein. Sie misst nur rund 50 Hektar und liegt komplett im Stadtteil Bernkastel. Die meisten anderen Großlagen an der Mosel - etwa der Piesporter Michelsberg oder die Zeller Schwarze Katz - erstrecken sich hingegen über Hunderte Hektar und mehrere Ortsgemeinden.
"Die Badstube hat also eher den Charakter einer Einzellage und wurde auch in der Vergangenheit so vermarktet", sagt Ernst Loosen. Die Einzellagen "Bratenhöfchen" und "Matheisbildchen" kenne fast niemand. "Die haben ihre Bedeutung verloren", so Loosen. Der Großteil des Weines aus diesen Lagen werde schon seit gut 40 Jahren unter der Bezeichnung "Badstube" vermarktet.

Ministerium hat Antrag der Stadt Bernkastel-Kues ausgesetzt
Doch was die Winzer ärgert: Das Ministerium hat ihren Antrag zurückgestellt. Nach Angaben eines Sprechers will man in Mainz zunächst den Ausgang des Rechtsstreites um die "Zeller Schwarze Katz" abwarten: "Es ist zu erwarten, dass die Entscheidung des Gerichts in diesem Fall unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertung des Antrages der Stadt Bernkastel-Kues haben wird."
Doch bis zu dieser Entscheidung könnte es dauern. In erster Instanz ist die Stadt Zell zwar mit ihrer Klage gescheitert. Doch sie hat Berufung eingelegt und wartet nun darauf, dass das Oberverwaltungsgericht Koblenz einen Termin für die neue Verhandlung bekannt gibt. Nach Angaben des Gerichtes dürfte das noch in diesem Jahr passieren.
Den Winzern läuft die Zeit davon
Doch dann sei es womöglich schon zu spät für die Badstube, sagt Ernst Loosen: "Die Uhr tickt. Damit geht uns wertvolle Zeit verloren." Bevor der Jahrgang 2026 in den Handel kommt, müsse Klarheit über den neuen Namen herrschen, fordert er. Schließlich müssten Kunden informiert, Etiketten und Broschüren gedruckt werden.
Zudem habe der Fall "Schwarze Katz" überhaupt nichts mit dem Fall "Badstube" tun: "Wir wollen die Großlage nicht umbenennen, wir wollen sie auflösen. Das ist ein Unterschied." Das Verfahren in Koblenz habe somit keine Relevanz für ihren Antrag, findet Loosen: "Wir verstehen nicht, warum das Ministerium sich hier querstellt. Wir sind uns doch alle einig in Bernkastel. Wo ist das Problem?"

Folgen für ganze Branche an der Mosel
Die Winzer mit Weinbergen an der Badstube haben deshalb eine Resolution verfasst und ans Landwirtschaftsministerium geschickt. Darin fordern sie eine schnelle Entscheidung über ihren Antrag. Sie hoffen, dass sie diesmal in Mainz durchdringen.

Einen ersten Brandbrief der Weinbauern hatte Ministerin Daniela Schmitt (FDP) nicht beantwortet. Und wenn die Resolution wieder auf taube Ohren stößt? "Dann wäre es auch möglich, die Entscheidung einzuklagen", sagt Loosen.